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Wie gut sind Blanco und Lindström schon?
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Wie gut sind Blanco und Lindström schon?

Kader

Eintracht Frankfurt vor Saison-Start: Wie gut ist die SGE wirklich?

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Die Eintracht marschiert dem Start geschlossen entgegen und hat endlich alle Mann an Bord. Ist das aber auch der Kader für die neue Spielzeit?

Frankfurt – Die Mannschaft von Eintracht Frankfurt ist komplett. Stand jetzt. Am Montag meldeten sich die letzten beiden Schweizer EM-Fahrer zurück, am Dienstag stiegen also der furios auftrumpfende Steven Zuber (vier Vorlagen) und der eher zum Nichtstun verdammte Djibril Sow (zwei Einsätze, 45 Minuten Spielzeit) ins Geheimtraining der Frankfurter Eintracht am Stadion ein. Genauso wie Neuzugang Rafael Santos Borré, der nach Tagen der Akklimatisierung auch endlich an den Ball darf. Fast 30 Spieler durfte Trainer Oliver Glasner begrüßen. So viele werden es Ende August nicht mehr sein, es gilt als ziemlich sicher, dass der eine oder andere Profi wegen veritabler Perspektivlosigkeit noch das Weite suchen wird. Das ist auch so gewollt.

Wie stark aber ist Eintracht Frankfurt rund zehn Tage vor dem Start der Pflichtspielsaison mit der Pokalpartie bei Waldhof Mannheim? Seriös lässt sich das nicht einschätzen, dazu fehlt einfach der Wettkampf. Die Vorbereitung dient der körperlichen Ertüchtigung und des Einspielens – wie gut das dann im Ernstfall klappt, weiß man immer erst, wenn der Ernstfall eintritt.

Eintracht Frankfurt: Flinke Spieler in der Offensive

Eines aber lässt sich schon jetzt festhalten, und da muss man keine weichen Faktoren bemühen: Der Mannschaft fehlen erst einmal 28 Tore. So viele hat nämlich der für 25 Millionen Euro zu RB Leipzig abgewanderte André Silva erzielt. Es kann gut sein, dass die Eintracht daher neben dem eher für die tiefen Läufe geholten Borré noch einen Stürmer verpflichtet. Doch Coach Glasner bremst die Erwartungen an neues Personal generell. „André hat 28 Tore gemacht und acht Assists gegeben – da kannst du einem neuen Stürmer nicht die 28 Tore umhängen und sagen: ‚So, die musst du jetzt auch machen.’ Das funktioniert nirgends“, sagte er.

Eintracht plant mit 10.000 Fans

Nach dem Hickhack um die Zulassung von Fans fürs Saisoneröffnungsspiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem französischen Vertreter AS St. Etienne am Samstag (15.30 Uhr) verkauft der Fußballbundesligist nun doch 10 000 Tickets. Die Hälfte der Karten wird aber nur an Geimpfte oder Genesene abgegeben, die übrigen 5000 können Personen erwerben, die zum Spiel einen Negativtest mitbringen, der nicht älter als 24 Stunden sein darf. Der Vorverkauf für die Generalprobe beginnt am Mittwoch um 10 Uhr.

Vorausgegangen war ein Streit zwischen dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt. Das Frankfurter Gesundheitsamt hatte der Eintracht zunächst genehmigt, trotz einer möglichen Inzidenz von mehr als 35 vor 10 000 Fans zu spielen – weil zu den ohnehin zugelassenen 5000 Zuschauer:innen noch 5000 Geimpfte oder Genesene hinzu kommen dürften. Das Sozialministerium des Landes kassierte aber den Erlass und deckelte die Kapazität auf 5000. Die Eintracht kündigte daraufhin an, Klage beim Verwaltungsgericht einzureichen und eine einstweilige Verfügung zu beantragen.

So weit kam es aber nicht, weil sich Gesundheitsdezernent Stefan Majer sperrte, gegen das Land stellte und mitteilte, „keine rechtliche Grundlage“ zu sehen, die Genehmigung für 10 000 Fans zurückzunehmen. Das Land knickte am Dienstagnachmittag schließlich ein. Der Weg ist frei. dur

Die Eintracht, das ist bekannt, will variabler werden, unberechenbarer, das Toreschießen auf mehrere Schulter verteilen. Ob der Plan in der Praxis aufgehen wird? Oder wird es ein Griff in die Wundertüte? Ansätze sind zumindest vorhanden, in der Offensive tummeln sich viele technisch gute, flinke Spieler. So lange kein klassischer Mittelstürmer an Bord ist, wird es die Eintracht mit den „schwimmenden Neunern“ probieren: Jesper Lindström, Daichi Kamada, Aymen Barkok, Amin Younes und Santos Borré stehen zur Auswahl. Das wäre eine klare Abkehr vom Silva-Stil.

Keine Wunderdinge erwarten von Eintracht Frankfurts Neuzugängen

Es ist ein Spiel mit vielen Fragezeichen. Niemand vermag zu beantworten, ob gegen Ende der Transferperiode nicht doch noch Verrücktes passiert. Trainer Glasner baut voll auf Leistungsträger wie Filip Kostic, Daichi Kamada oder Evan Ndicka – doch Garantien, dass sie bleiben, kann ihm niemand geben. Zumal es für einen Verein wie die Eintracht Schmerzgrenzen gibt und Sportvorstand Markus Krösche auch mit dem Auftrag installiert wurde, Transferüberschüsse zu erwirtschaften.

Spannend zu beobachten ist auch, wie sich die Neuen schlagen. Christopher Lenz agiert bisher unauffällig, scheint eher ein Backup zu sein oder im Viererkettenverbund zum Zug zu kommen. Die jungen Ali Akman und Fabio Blanco werden sicher noch eine Weile brauchen, wobei der 17-jährige Blanco die volle Veranlagung mitbringt, um sich durchzusetzen.

Der Däne Lindström, für 6,5 Millionen aus Kopenhagen geholt, und der ablösefreie Kolumbianer Borré sind gute Fußballer mit Speed und dem gewissen Etwas, aber sie sind frisch in einem anderen Land und der Bundesliga. Da sollte man nicht gleich Wunderdinge erwarten, selbst André Silva hat damals mehr als ein halbes Jahr benötigt, ehe sein Triumphzug startete.

Eintracht Frankfurt: Teamspirit ist Glasner wichtig

Bei allen Unwägbarkeiten und bei aller Ungewissheit auf einigen Feldern – die Sportliche Leitung ist vom Auftreten der Mannschaft absolut überzeugt. Sportchef Krösche hat eine gewisse Robustheit und innere Stabilität ausgemacht, das zeige sich an vielen Kleinigkeiten im Training, aber auch in den Testspielen. Mentalität und Willen seien vorhanden, auch der Behauptungswillen und die Bereitschaft, für den anderen einzustehen – das war schon in den vergangenen Jahren ein Faustpfand.

Die Mannschaft braucht eine tragfähige Achse, ein gewachsenes Gefüge, also etwas, auf das sie sich zurückziehen kann. „Wir möchten den Spielern etwas mitgeben und daran wachsen“, sagt Trainer Glasner. „Teamspirit ist mir ganz wichtig.“

Ein Vorteil ist gewiss, dass nun wieder Ruhe rund ums Team herrscht und klare Strukturen gegeben sind, im Endspurt der vergangenen Saison zerfiel die Mannschaft auch deshalb, weil kein Korrektiv mehr vorhanden war, keine Leitfiguren von außerhalb, die die Spieler durch die schwierige Phase gelotst hätten.

Frankfurt disziplinlos im Endspurt der vergangenen Saison

In der Sportlichen Leitung herrschte ein Vakuum, was dazu führte, dass der Fokus verrutschte und die Konzentration nachließ – belegt durch Undiszipliniertheiten und Vorfälle vor dem dann entsprechend desolaten Auftritt auf Schalke – das peinliche 3:4 begrub alle Champions-League-Träume.

Und die Eintracht wird auf einen inneren Frieden angewiesen sein, Störfeuer wären Gift. Neiddebatten, wie sie sich um den mehr Zaster fordernden Amin Younes anbahnen könnten, sind kontraproduktiv und schlecht für das Binnenklima. Bei dem Spielmacher, der sich im täglichen Umgang korrekt verhält, hoffen die Verantwortlichen auf Einsicht und einsetzende Vernunft, zumal der Verein dem fast 28-Jährigen schon ein gutes Stück weit entgegen gekommen ist. Ausgang offen.

Im Gesamtwerk Bundesliga muss sich die Eintracht nicht verstecken. Wenn sie robust bleibt, kratzbürstig und unangenehm, wenn sie hinten mehr Stabilität erlangen und vorne den Silva-Abgang halbwegs kompensieren kann, wird sie in der ersten Hälfte des Tableaus einlaufen – die Frage ist nur, wie weit es nach oben gehen kann. Vorhersage (noch) nicht möglich. (Ingo Durstewitz)

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