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Verfügt über ein tragfähiges internationales Netzwerk: Markus Krösche, noch Leipziger, bald Frankfurter.
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Verfügt über ein tragfähiges internationales Netzwerk: Markus Krösche, noch Leipziger, bald Frankfurter.

Neuer Sportvorstand

Wie Eintracht Frankfurt „Volltreffer“ Krösche landete

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Mit Ruhe und Geduld ist Aufsichtsratschef Philip Holzer die Suche nach einem neuen Sportboss angegangen –  der Lohn ist die Verpflichtung der Ideallösung Markus Krösche.

Die vergangenen Wochen sind für den Frankfurter Aufsichtsratschef Philip Holzer wahrlich kein Zuckerschlecken gewesen, sie waren turbulent, intensiv und kräftezehrend, gingen sehr wohl an die Substanz. Der 55-Jährige rückte quasi über Nacht in den Brennpunkt, seit Fredi Bobic öffentlich erklärt hatte, er wolle den Verein am Saisonende verlassen. Das war vor genau zwei Monaten. Für Holzer ging es zunächst darum, den Wirbel rund um den Sportvorstand einzudämmen, die kniffligen Verhandlungen um dessen Vertragsauflösung zu führen und eine bestmögliche Entschädigungssumme für die Eintracht zu erzielen, und schließlich galt es, parallel dazu einen neuen Sportchef zu finden und zu installieren.

Und das Ganze unterm Brennglas der Öffentlichkeit, der es nicht schnell genug gehen konnte. Nicht selten ist dem Boss des Kontrollgremiums eine zu zögerliche Haltung vorgeworfen worden, nichts gehe voran, hieß es, Vakuum herrsche auf allen Ebenen, der Klub drohe zu zerfallen. Die Frage wurde aufgeworfen, ob Philip Holzer, seit Sommer 2020 in Amt und Würden, der Sache gewachsen sei, schließlich lief ja auch noch ein informelles Treffen mit Ralf Rangnick aus dem Ruder und gipfelte in einer – von Rangnick tumb initiierten – öffentlichen Auseinandersetzung. Holzer, so die veröffentlichte Meinung einiger Quengler und Drängler, müsse endlich liefern. Am Samstag nun lieferte er.

Markus Krösche heißt der Mann, der Fredi Bobic am 1. Juni beerben und mit einem Vertrag bis 2025 ausgestattet wird. Das ist keine Überraschung mehr, aber eine gute Lösung. Der 40-Jährige hat in der Branche einen exzellenten Ruf. „Ich bin total happy“, sagt Philip Holzer jetzt und meint so ziemliches alles: die Auswahl des zukünftigen Sportchefs, dessen Qualitäten, die geräuschlose Umsetzung der Verpflichtung sowie die allgemeinen Konditionen. „Ich habe mich nicht unter Druck setzen lassen“, sagt Holzer bestimmt. In der Tat: Der frühere Investmentbanker ist das wichtige Thema mit Ruhe, Geduld und größtmöglicher Sorgfalt angegangen. „Qualität kommt vor Geschwindigkeit“, sagt er. Holzer hat seinen Job gemacht, im Hintergrund, geräuschlos und diskret.

Markus Krösche also. Der Manager, in Hannover geboren und ein Paderborner Urgestein, steht zurzeit noch beim Tabellenzweiten RB Leipzig in Lohn und Brot, doch sein bis 2022 laufender Kontrakt wird zum Juni aufgelöst. Für Krösche ist dadurch der Weg zu Eintracht Frankfurt geebnet worden, der Frankfurter Bundesligist zahlt daher auch keine Ablöse für den früheren Paderborner. Ein nicht zu unterschätzender Fakt und gewiss auch durch den Faktor Zeit erst möglich geworden. Und kein schlechtes Geschäft. Zur Erinnerung: Für den zu Hertha BSC übersiedelnden Sportchef Bobic streicht die Eintracht mehr als 2,5 Millionen Euro ein.

„Der Klub hat sich toll entwickelt und ist unter anderem aufgrund seiner Emotionalität eine großartige Adresse im deutschen Fußball“, sagt Markus Krösche. „Ich möchte dazu beitragen, dass die aktuelle Erfolgsstory dieses Traditionsvereins auch in der Zukunft weitergeschrieben werden kann.“ Für ihn ist das sehr wohl ein Paradigmenwechsel: Vom dick gepamperten Plastikklub zum gewachsenen Großverein mit hoher Emotionalität.

Die letzten Details mit seinem neuen Arbeitgeber sind erst nach dem Aus des Sportdirektors in Leipzig ausverhandelt und geklärt worden, doch einen intensiven Austausch gab es schon seit mehr als fünf Wochen. „Ich habe zahlreiche Stunden mit ihm verbracht“, erzählt Holzer. Und in den vielen Gesprächsrunde hat der Ex-Profi den Aufsichtsrat restlos überzeugen und die übrigen Aspiranten abhängen können. „Er war unser absoluter Wunschkandidat, ist ein absoluter Volltreffer“, sagt Holzer, der einigermaßen verwundert ist, wie viele Kandidaten sich entweder selbst ins Gespräch gebracht haben oder ins Gespräch gebracht wurden. Zuletzt wurde der Hoffenheimer Alexander Rosen vom Boulevard als aussichtsreicher Aspirant gehandelt. Kurios: Mit dem 42-Jährigen ist nicht ein einziges Gespräch geführt worden.

Holzer gerät über seinen neuen Sportboss, einstiger BWL-Student, regelrecht ins Schwärmen. „Markus Krösche ist ein loyaler, geradliniger Typ, ein Top-Kommunikator und Teamplayer. Er ist eine Führungspersönlichkeit, er hat eine klare Meinung, denkt analytisch. Er geht die Aufgabe mit Mut und Überzeugung an.“ Eine One-Man-Show soll es nicht geben, mit ihm an Bord soll auch der AG-Vorstand wieder an einem Strang ziehen. „Wir wollen gemeinsam nach vorne arbeiten“, betont Holzer.

Krösche habe während seiner Zeit in Leipzig ein gutes internationales Netzwerk gesponnen, ist bei Chelsea London, Real und Atletico Madrid und dem FC Barcelona vorstellig geworden, war in Italien, Portugal und Frankreich unterwegs, er kennt sich aus. „Uns war wichtig, dass er eine gewisse Internationalität mitbringt, aber auch bewiesen hat, dass er aus wenig viel machen kann“, betont der Aufsichtsratsvorsitzende. Das habe er in Paderborn bewiesen, als er das Team 2019 mit einem Mini-Etat von 4,7 Millionen Euro in die Bundesliga führte und den Wert des Spielerkaders um 400 Prozent steigerte.

Markus Krösche, der in Leipzig ein tiefes Vertrauensverhältnis zu Trainer Julian Nagelsmann pflegte, mit RB-Boss Oliver Mintzlaff aber seine Probleme hatte, hat auch in punkto Trainerbesetzung einen klaren Plan. Eintracht-Finanzchef Oliver Frankenbach sowie Kadermanager Ben Manga haben ja schon erste Sondierungsgespräche geführt, die der neue Mann bald übernehmen und finalisieren wird.

Krösche ist mit der Vorauswahl durchaus zufrieden, „die Schnittmenge ist ziemlich groß“, sagt Holzer und stellt klar: „Wir werden keinen Trainer einstellen, von dem Markus Krösche nicht zu 100 Prozent überzeugt ist.“ Als Topfavorit gilt mittlerweile Oliver Glasner vom VfL Wolfsburg, der die Niedersachsen für 4,5 Millionen Euro verlassen kann. Die Beziehung von Coach Glasner und VfL-Boss Jörg Schmadtke ist von tiefer Abneigung geprägt, der Riss nicht mehr zu kitten. Ein Abgang des Österreichers ist so gut wie sicher, die Eintracht hat sich in Stellung gebracht. An den neuen Trainer habe Krösche klare Erwartungen: „Er muss die Spieler besser machen und junge Spieler aufbauen“, bedeutet Holzer.

Krösches Philosophie sei generell deckungsgleich mit der des Vereins. Der Fußball soll schnell und aktiv sein. „Hohes Gegenpressing, vertikales Spiel“, nennt Holzer Stichpunkte. Klare RB-Schule. In der Mannschaft, die am Samstagmorgen informiert wurde, ist die Personalie Markus Krösche übrigens mit sehr viel Wohlwollen aufgenommen worden. Vielleicht das richtige, rechtzeitige Signal im Endspurt.

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