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Glasners Botschaft klingt wie eine Drohung

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Von: Ingo Durstewitz

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Fast-Weltmeister Randal Kolo Muani: „Er kann stolz auf 2022 sein.“ Foto: dpa
Fast-Weltmeister Randal Kolo Muani: „Er kann stolz auf 2022 sein.“ Foto: dpa © dpa

Der Trainer von Eintracht Frankfurt gibt zum Auftakt im neuen Jahr die Richtung vor: „Uns genügt nicht, was wir erreicht haben. Wir wollen besser werden als wir waren.“

Frankfurt - Die Fragen ähneln sich, Jahr für Jahr. Vorbereitung für Vorbereitung. Sommers wie winters. Die nach der Konstitution der Herren Berufsfußballer etwa. Eintracht Frankfurts Trainer Oliver Glasner lächelt die pflichtgemäße Erkundigung locker weg. „Keiner hat Übergewicht“, antwortet der Übungsleiter nach der ersten Einheit des neuen Jahres und erklärt sehr geduldig, weshalb.

Jeder Spieler von Eintracht Frankfurt habe ein individuelles Fitnessprogramm mit in die Winterferien bekommen, und heutzutage lasse sich ja ganz einfach alles überprüfen und nachvollziehen, per App zum Beispiel. Und überhaupt: „Die Jungs sind alle hochprofessionell.“ Und hätten nicht so furchtbar viel davon, zum Auftakt ein paar Kilo mehr zu präsentieren. „Denn dann könnten und würden sie nicht spielen.“ War einem wie Max Kruse, nur mal so nebenbei, auch egal. Doch der spielt ja nicht in Frankfurt, sondern gar nirgends.

Eintracht Frankfurt: Oliver Glasner geht direkt in die Vollen

Die Sonne schien am Dienstagmorgen auf das Areal vor dem Waldstadion hinab, als Oliver Glasner unter den neugierigen Blicken vieler Kiebitze seine Mannen zum Aufgalopp bat. Aber was heißt Aufgalopp? Der Fußballlehrer geht gleich in die Vollen, zwei Einheiten am ersten Tag, am Mittwoch schon der Abflug ins zehntätige Trainingslager nach Dubai. Auch in der Wüste wird es knackig zur Sache gehen, morgens Training, nachmittags Training, ein freier Tag ist nicht vorgesehen. Dafür zwei Testspiele gegen hochkarätige Gegner, am Samstag in Abu Dhabi gegen den Ligakonkurrenten RB Leipzig, sechs Tage später gegen den polnischen Meister Lech Posen.

Nach dem sehr entschlossen auftretenden Sportvorstand Markus Krösche lässt auch der Coach keinen Zweifel daran, in welche Richtung er Eintracht Frankfurt pushen möchte. „Wir werden uns nicht ausruhen auf dem, was war. Wir wollen uns weiterentwickeln und verbessern. Das ist unser Anspruch.“

Auf Anhieb gute Stimmung bei Eintracht Frankfurt

Was zunächst einmal wie eine branchenübliche Beteuerung klingt, ist bei Oliver Glasner bitterer Ernst. Der Mann ist rastlos, treibt immer weiter an. Und genau deshalb hat er seine Spieler nach dem Urlaub mit einer zielgerichteten Ansprache begrüßt: „Ich habe ihnen gesagt: Wir wollen da anknüpfen, wo wir aufgehört haben. Aber dann wollen wir weitergehen. Uns genügt nicht, was wir erreicht haben. Wir wollen besser werden als wir waren.“ Das klingt schon fast wie eine Drohung an die Konkurrenz. Denn so schlecht war es ja vorher auch nicht.

Andererseits müssen den Worten Taten folgen, und da liegt offenbar noch ein ganz schöner Weg vor den Frankfurtern. Im ersten Training am Dienstagmorgen sei „der Ball mehr gehoppelt als gelaufen“, sagte Glasner grinsend. Er findet das aber nicht schlimm, sondern total normal. „Die Jungs müssen erst wieder in den Rhythmus kommen, wir müssen wieder ein gutes Gefühl und unsere Abläufe auf den Platz bekommen.“

Schließlich habe das Team letztmals vor sieben Wochen in fast der gesamten Kaderstärke auf dem Fußballfeld gestanden, zwischendrin seien die Nationalspieler unterwegs und mit anderen Einflüssen und Anforderungen konfrontiert gewesen. „Jetzt müssen alle wieder auf den gleichen Nenner kommen. Das ist unsere Hauptaufgabe.“ Die Stimmung in der Kabine sei „auf Anhieb“ wieder gut gewesen. Immerhin.

Eintracht Frankfurt: „Wir werden keine Leistungsträger abgeben“

Am Dienstagvormittag fehlte noch der Brasilianer Tuta, der in seiner Heimat die Führerscheinprüfung (erfolgreich) ablegte, aber mit an den Persischen Golf reisen wird. Genauso wie der schmächtige Neuzugang Paxten Aaronson oder die Leistungsträger Kevin Trapp und Randal Kolo Muani, um die sich zuletzt erneut Wechselgerüchte rankten. „Eben“, sagt Coach Glasner darauf angesprochen. „Das sind Gerüchte.“

Er sei bei Kevin Trapp, der mit Bayern München in Verbindung gebracht wurde, ganz entspannt, die Meldungen habe er mit einigem „Amüsement“ zur Kenntnis genommen. Und nein, er gehe nicht davon aus, dass sich noch Großartiges auf dem Transfermarkt tun wird. Weder in die eine noch in die andere Richtung. „Wir werden keine Leistungsträger abgeben. Und die Rückmeldung und Signale der Spieler sind auch so, dass uns jetzt keiner verlassen will. Es ist wichtig, dass wir so zusammenbleiben.“

Eintracht Frankfurt: Kolo Muani kehrt bestens gelaunt ins Training zurück

Auch Senkrechtstarter Kolo Muani ist natürlich fest eingeplant, über eine vorgebliche 60-Millionen-Euro-Offerte von Manchester United können die Verantwortlichen nur müde lächeln. Der Franzose hat sich durch seinen „großartigen“ (Glasner) Auftritt im WM-Finale in andere Sphären katapultiert – daran ändert auch der kapitale Fehlschuss kurz vor Schluss der Partie nichts, der die Titelverteidigung der Equipe Tricolore verhindert hat. „Da mache ich mir keine Sorgen, das steckt er weg“, sagt Glasner und stellt zu Recht das Positive heraus: „Er stand im Finale, das schaffen nicht viele in ihrer Karriere. Dafür und für seine sehr gute Leistung habe ich ihm vor der Mannschaft gratuliert.“

Kolo Muani war am ersten Trainingstag prima drauf, auf dem Platz und in der Kabine. „Er ist fröhlich und lustig.“ Der 24 Jahre alte Stürmer, findet Glasner, könne auf ein „außergewöhnliches Jahr“ zurückblicken, Pokalsieger mit Ex-Klub FC Nantes, raketenhafter Aufstieg bei der Eintracht samt Einzug ins Achtelfinale der Champions League und zum krönenden Abschluss des Jahres die WM mit der eigenen Duftmarke und dem Beinahe-Titelgewinn. „Er kann stolz sein.“

Weit weniger gut lief es für Verteidiger Jerome Onguene. Der 25-Jährige, dauerverletzt, wird sich auf Leihbasis seinem Ex-Verein RB Salzburg anschließen. „Er hatte ein schwieriges Jahr“, begründet Glasner. „Er braucht Spielpraxis, er muss wieder in den Rhythmus kommen.“

Das gilt ja irgendwie fürs gesamte Eintracht-Ensemble. (Ingo Durstewitz)

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