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Wider den Schlendrian

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Von: Daniel Schmitt

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Noch nicht in Topform: Verteidiger Evan Ndicka.
Noch nicht in Topform: Verteidiger Evan Ndicka. © Imago

Eintracht Frankfurt steigert die Stabilität in der Fußball-Bundesliga, die Profis aber sollten ihre Schnitzer minimieren

Frankfurt – Erst vergangene Woche wieder erneuerte Oliver Glasner seinen Hang zum Unspektakulären. Er, so sagte der Coach des Bundesligisten Eintracht Frankfurt, gewinne Fußballspiele nämlich lieber 1:0 statt 5:4. Natürlich sei er letztlich auch mit torreichen Siegen einverstanden, so ganz sein Ding seien sie aber nicht. Denn dann schlafe er hinterher aufgrund der vielen Wendungen einfach nicht so prickelnd, zehrten solch Auf-und-Ab-Spiele doch arg dolle an den ohnehin angespannten Trainernerven.

Nun haben die Frankfurter Fußballer den Worten ihres Chefs offenbar nicht richtig gelauscht, das 4:3 beim Spiel in Bremen jedenfalls war ein wilder Ritt auf der scharfen Rasierklinge – mit positivem Ausgang für die Eintracht. Entsprechend erleichtert fiel die Reaktion von Glasner anschließend aus, er lobte seine Mannschaft für „großartige 60 Minuten“, ehe ihr später im Spiel etwas die Puste ausgegangen und es „unnötig“ spannend geworden sei. „Es war ein sehr präsenter und auch defensiv weitgehend stabiler Auftritt“, bilanzierte Glasner dennoch.

Eindeutig zu viele Gegentore für Eintracht Frankfurt

Die Einschätzung des Trainers ist in weiten Teilen eine zutreffende, die Leistung von Bremen war die beste der Frankfurter in dieser noch jungen Saison. Gerade in der Offensive flutschte es, stimmten Abläufe, Kreativität und Effizienz – endlich, ist man geneigt anzufügen. Die Angreifer riefen ihr großes Potenzial erstmals richtig ab und machten damit Mut, dass es künftig so weitergehen könnte. Andererseits holte die Eintracht in der Bundesliga bisher gegen den Aufsteiger Bremen, den vormaligen Relegationsteilnehmer Berlin sowie daheim gegen die im Europa-Sandwich steckenden Kölner eben keine neun, sondern lediglich fünf Punkte. Eine Ausbeute, die ordentlich ist, aber nicht viel mehr, die im Grunde den Erwartungen ans Team und den eigenen Ansprüchen des Teams gegen recht durchschnittliche Gegner entspricht.

Frei von Fehlern war der Eintracht-Auftritt an der Weser nicht. Wieder wirkte die Hintermannschaft in einigen Phasen des Spiels wenig sattelfest, kassierten die Hessen drei Gegentreffer, recht simpel in der Entstehung infolge von ruhenden Bällen. War die Abwehr im Heimspiel gegen Köln (1:1) noch relativ stabil unterwegs, verbesserte sich also klar zu den Partien zuvor, fiel sie in Bremen teilweise in alte Muster zurück. Die Abläufe in der nun seit zwei Partien eingeführten Viererabwehrreihe müssen sich festigen. Es braucht offenbar noch ein bisschen Zeit fürs Feintuning. Grundsätzlich ist eine Steigerung der Stabilität jedoch zu erkennen, wenn da nur nicht die persönlichen Schnitzer wären. Die bisherigen elf Gegentore sind eindeutig zu viele.

Gerade der hochveranlagte Evan Ndicka ist ein Stück von seiner Topform entfernt, streut zu viele vermeidbare Fehler ein. Wird der 23-Jährige in direkten Zweikämpfen gefordert, ist er meist zur Stelle. Hat er jedoch ein wenig Spielraum, setzt bei ihm schon mal der Schlendrian ein. Etwas, das Ndicka ob seiner hohen Grundqualität künftig sicher abstellen kann, dass er aber auch alsbald tun muss, soll die ganze Abwehrreihe an Sicherheit gewinnen.

Zu spüren ist, dass auch des Franzosen Nebenmann, der Brasilianer Tuta, um seine Spitzenform ringt, ihr etwas hinterherhechelt. Das wirkt nicht so abgezockt, wie es beim 23-Jährigen in der Vergangenheit schon gewirkt hat. Er kämpft mit sich, was im jungen Alter normal, aber eben nicht ganz optimal ist.

Kommt noch ein Neuer bei Eintracht Frankfurt?

Zumal für den Posten des rechten Innenverteidigers die Alternativen rar sind. Könnte links anstelle von Evan Ndicka in den nahenden Englischen Wochen auch mal der Neuzugang Hrvoje Smolcic einspringen, deuten die Trainingsleistungen von Rechtsfuß Jerome Onguene nicht auf viele Einsatzminuten anstelle von Tuta hin. Und für einen Mann wie Makoto Hasebe ist in der neuen Viererkette kein Platz mehr vorgesehen.

Bleiben die Außenbahnen: Links hinten ist Luca Pellegrini zwar noch nicht fit genug für 90 Minuten, was erstaunt, absolvierte er bei Juventus Turin doch ebenfalls eine Vorbereitung. Alles in allem aber führte sich der Italiener gut ein, ist stabil in den Zweikämpfen, taktisch auf einem hohen Niveau, fußballerisch begabt. Auch schießt der Neuzugang gefährliche Standards, könnte also bald offensiv zum Gewinn werden.

Rechts hinten dagegen fremdelt Kristijan Jakic etwas mit seiner Rolle. Zwar lobte Trainer Glasner das Engagement des Kroaten zu Recht, die ungewohnte Positionierung macht dem Mittelfeldmann aber sichtbar zu schaffen. Mehrfach ließ er sich in Bremen ins Zentrum locken, bot dem Gegner auf Außen zu große Räume an. Die Verpflichtung oder Leihe eines gelernten Rechtsverteidigers wäre demnach sinnvoll. Eine von mehreren Alternativen soll laut „Bild“ der Gladbacher Jordan Beyer, 22, sein. (Daniel Schmitt)

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