+
Filip Kostic geht nach einem Zweikampf zu Boden.

Eintracht Frankfurt

Mit der Eichhörnchentaktik

  • schließen
  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
    schließen

Weshalb Eintracht Frankfurt auf der Stelle tritt und sich dennoch keine Sorgen macht.

Adi Hütter schloss dann den offiziellen Teil der Pressekonferenz mit einem simplen Kommentar ab: „Wir hätten gewinnen, wir hätten aber auch verlieren können. Aber wir haben nicht verloren. Von daher ist alles gut.“ Alles ist gewiss nicht gut, aber nach dem 1:1 (1:0) gegen Borussia Mönchengladbach überwogen im Eintracht-Kreise die positiven Aspekte. Auch wenn die Frankfurter Mannschaft im fünften Pflichtspiel nacheinander nicht gewinnen konnte und sich jeweils mit einem Remis begnügen musste. Andererseits: Sie ist auch seit sechs Spielen ungeschlagen. „Das gab es in der Rückrunde seit 15 Jahren nicht“, hat Trainer Hütter recherchiert.

Es ist eine Frage des Blickwinkels, es geht um die berühmte Frage, ob das Glas halbvoll oder halbleer ist. Denn natürlich treten die Frankfurter mit den vielen Unentschieden auf der Stelle, mit dem Zuwachs von nur je einem Punkt kommt man im Klassement nicht so recht voran, im Gegenteil, die Gefahr ist groß, sukzessive nach hinten durchgereicht zu werden. Am Wochenende ist die Eintracht wegen der Siege der Konkurrenz erstmals seit langer Zeit aus den Europacupplätzen herausgefallen.

Und doch muss man auch ganz nüchtern festhalten, dass die Eintracht ein knochenhartes Auftaktprogramm zu bewältigen hatte. Nach dem Sieg zu Beginn gegen den SC Freiburg (3:1) ging es nach Bremen (2:2), gegen Dortmund (1:1), nach Leipzig (0:0), nach Charkiw gegen Donezk (2:2) und gestern Nachmittag gegen Borussia Mönchengladbach. Da ist keine Laufkundschaft dabei: Dortmund, Gladbach und Leipzig stehen unter den Top Vier, der Champions-League-Teilnehmer aus Donezk hat den Anspruch, die Europa League in diesem Jahr zu gewinnen, Ihr Topspieler Taison streicht per annum 6,5 Millionen Euro ein – netto, wohlgemerkt.

Adi Hütter hätte gerne einen Dreier mitgenommen

Das sind schon Kaliber, denen man erst einmal standhalten muss. Das hat die Eintracht geschafft, mal eher glückliche Punkte mitgenommen wie in Bremen und Leipzig, mal vielleicht eher etwas liegen gelassen wie gegen den BVB oder in der Ukraine. Und: Die Eintracht hat drei Punkte mehr als zum vergleichbaren Zeitpunkt der Hinserie, als sie noch gegen Bremen, Dortmund und Gladbach verloren hatte. Das zeigt deutlich, dass die Mannschaft an Niveau und Konstanz gewonnen hat. „Eine Entwicklung ist klar erkennbar“, sagte Torschütze Danny da Costa.

Trainer Hütter hätten gegen den Rivalen vom Niederrhein gerne den Dreier mitgenommen, „es hätte uns gut getan“, bekundete der 49-Jährige. Zum einen für die gesamte Gefühlslage, das Seelenheil und den Glauben an die eigene Stärke. Zum anderen aber auch rein tabellarisch. „Mit Unentschieden kommen wir nicht großartig weiter“, befand er. „Wir sind mit der Eichhörnchentaktik unterwegs, holen Pünktchen für Pünktchen.“ Das ist, eingedenk der Kontrahenten, absolut in Ordnung, doch Hütter fordert von seinem Team die „absolute Siegermentalität“ ein. „Wir müssen es uns hart erarbeiten, dass wir wieder Spiele gewinnen.“

Der Fußballlehrer hat gleich mehrere Begründungen parat, weshalb die Eintracht zwar nicht verliert, den Opponenten aber letztlich genauso wenig selbst auf die Bretter schicken kann. Zum einen vermisst der Österreicher „die letzte Konsequenz“, die Aktionen müssten mit mehr „Nachdruck“ vorgetragen werden. Das sieht auch Rechtsverteidiger da Costa so ähnlich, der auch so ein schwammiges Gefühl hat, das er mit den Worten „uns fehlt ein bisschen“ zum Ausdruck bringt. „Manchmal sind wir etwas überhastet.“ Wenn man aber mehr Zielstrebigkeit und Punch entwickele, „werden wir auch unsere Spiele wieder gewinnen.“

Hütter glaubt, zweitens, dass sich die Gegner einfach besser auf die Spielweise der Eintracht eingestellt haben, sie haben nach Gegenmitteln gesucht und sie teilweise gefunden. Das führt unweigerlich dazu, dass die Hessen, drittens, sich sehr viel schwerer tun, ihr Spiel durchzudrücken und ihre Linie zu finden. Das Dargebotene sieht daher oftmals etwas unrund aus, nicht mehr so ineinandergreifend, etwas abgehackt irgendwie. „Die spielerische Leichtigkeit fehlt, wir spielen uns auch nicht mehr so viele Torchancen heraus.“ Was natürlich auch an den besseren Gegnern liegen könnte.

Und als die Eintracht im alten Jahr ihre Siegesserie startete, hatte sie, viertens, auch das nötige Spielglück. „Wir haben im Herbst oft ein frühes Tor gemacht, dann wächst das Selbstvertrauen, es geht vieles einfacher“, erläuterte der Coach. „Jetzt müssen wir uns alles härter erarbeiten.“ Der große Eintracht-Siegesserie hatte in der Hinrunde mit dem 4:1 über Hannover 96 begonnen. „So einen Lauf traue ich uns jederzeit wieder zu“, betonte da Costa. Und auch Hütter ist zuversichtlich, bald wieder die volle Punktzahl einfahren zu können. „Ich unterscheide zwischen dem Ergebnis und der Leistung.“ Und die sei sehr wohl so, dass sich bald wieder Siege einstellen würden, zumal die Spieler willensstark seien. „Wenn wir uns um eines keine Sorgen machen müssen, dann ist das um unsere Mentalität.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare