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„Wer zu den Profis will, muss immer an Leistungsgrenzen gehen“

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Von: Daniel Schmitt

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Impulsiv: U21-Trainer Kristjan Glibo (li.), der unter anderem von Alex Meier unterstützt wird. imago images
Impulsiv: U21-Trainer Kristjan Glibo (li.), der unter anderem von Alex Meier unterstützt wird. © Rene Schulz/Imago

Kristjan Glibo, Trainer der Eintracht-U21, über hochveranlagte Talente im Amateurfußball, den möglichen Aufstieg in die Regionalliga, die Youth League und das Mammutprogramm.

Herr Glibo, kürzlich reisten fünf Talente Ihrer U-21-Mannschaft mit den Bundesligaprofis nach Japan. Stolz?

Wir haben uns natürlich die Spiele angeschaut, sie in der Trainerkabine laufen lassen, es sind schließlich die Jungs, mit denen wir täglich arbeiten. Wir haben gehofft, dass sie sich gut präsentieren und das haben sie getan. Vor allem können sie von den Spielen mit den Profis viel mitnehmen, sie müssen lernen, das Tempo mitzugehen, gallig gegen den Ball zu arbeiten.

Mit Mehdi Loune trainiert derzeit einer aus Ihren Reihen dauerhaft beim Team von Oliver Glasner. Welche Effekte erhoffen Sie sich?

Grundsätzlich nehmen die Jungs viel mit, weil die Gegenspieler einfach ein höheres Level mitbringen. Wenn du da Selbstvertrauen tanken kannst, wird’s dir auch bei uns leichter fallen. Mehdi erkennt sehr gut die Räume, nimmt den ersten Kontakt immer weg vom Gegner und kann sich damit aus Drucksituationen befreien. Er ist auf einem guten Weg, muss aber weiterhin viel arbeiten.

Zur Person

Kristjan Glibo, 40, hat im vergangenen Sommer den Cheftrainerposten in der fünftklassigen Hessenliga bei der wieder eingeführten Eintracht-Reserve übernommen. Zuvor coachte er drei Jahre lang den Viertligisten Wormatia Worms. In seiner aktiven Karriere kam der ehemalige Verteidiger unter anderem auf zwei Bundesligaspiele für den 1. FC Kaiserslautern und 53 Zweitligaeinsätze für den SV Sandhausen und den SV Wehen Wiesbaden. Bei der Eintracht steht der Familienvater, zwei Kinder, bis 2024 unter Vertrag. dani

Werden Ihre Spieler in der fünftklassigen Hessenliga, die Ihr Team nach etwas mehr als der Hälfte der Saison anführt, ausreichend gefordert?

Am Saisonanfang war bei uns das eine oder andere Defizit zu erkennen, das Verteidigen im Sechzehner, Ruhe und Selbstverständlichkeit im Spiel mit dem Ball. Da waren wir weit weg vom Optimalzustand. Aber es ist eine klare Entwicklung zu erkennen, teilweise spielen wir mit einem Altersschnitt von 19 Jahren gegen deutlich ältere, auch abgezockte Spieler. Dazu kommt eine neue, hohe Belastung. Einerseits durch die Teilnahme einzelner Spieler an der Youth League, aber auch die Größe der Liga mit insgesamt 38 Spieltagen. Zudem haben wir im Sommer eine neue Mannschaft zusammengestellt. Das Ganze derart gut in Einklang zu bringen, da bin ich sehr zufrieden.

Der Aufstieg in die Regionalliga wäre doch sinnvoll und nötig, um die Lücke zur Bundesligatruppe zu verkleinern und die Talente besser fördern zu können. Oder?

Ich antworte mal so: Je höher die Liga, desto höher das Niveau und die Entwicklungschancen. Andererseits sind wir erst ein halbes Jahr mit der neuen Mannschaft am Start, das alles muss wachsen.

Zu Saisonbeginn hieß es, eben jener Aufstieg sei nicht das übergeordnete Ziel, man wolle einfach erst mal ankommen in der Liga. Jüngst erklärte Sportvorstand Markus Krösche dagegen, den Schritt in Liga vier jetzt doch ganz gerne im ersten Versuch zu gehen. Wie sehen Sie das?

Wir sind alle Leistungssportler und die wollen jedes Spiel gewinnen. Daraus ergibt sich alles Weitere. Wir haben schnell große Schritte machen können, und wenn am Ende das Maximale herauskommt, nehmen wir das gerne an. Unser Fokus liegt aber auf der Ausbildung der einzelnen Spieler.

In der Amateurklasse Hessenliga betreibt die Eintracht Leistungssport. Was heißt das konkret?

Wir wollen die Spieler bestmöglich ausbilden, damit sie ihre Potenziale entfalten können. Hier betreiben wir einen höheren Zeitaufwand. In einer normalen Woche haben wir zwei Tage, an denen wir je zweimal trainieren. Dann können wir intensiv auch individueller trainieren, die Spieler im athletischen Bereich entwickeln oder ihnen beispielsweise durch Videoszenen Lösungen aufzeigen. Aber natürlich haben wir auch Jungs dabei, die arbeiten, studieren oder noch in die Schule gehen. Es können nicht immer alle vormittags trainieren. Doch wir haben versucht, die Trainingszeit daran anzupassen, um möglichst professionell zu arbeiten.

Am Freitag steht gegen Baunatal bereits das 23. Ligaspiel seit dem Saisonstart an, gleichzeitig das letzte des Jahres. Dazu kommen sechs Partien in der Youth League, die Japan-Reise - ein ganz schönes Mammutprogramm.

Absolut, es ist eine lange Saison, das ist für die Jungs etwas Neues, da mussten sie sich erst dran gewöhnen, bis sie körperlich eine Widerstandsfähigkeit entwickelt haben. Doch sie haben zugelegt. Wenn etwa unsere Jungs von der U21, die am Wochenende oft gegen Ältere spielen, in der Youth League auflaufen, sieht man eine klare Entwicklung in der Robustheit im Zweikampf und im Selbstbewusstsein im Spiel mit dem Ball. Wir möchten, dass sie am Ball Ruhe, Dominanz, Selbstsicherheit ausstrahlen, nicht wackeln. Daran arbeiten wir. Die Wildheit der ersten Wochen ist weniger geworden.

Aber ist es nicht kompliziert, erst ein Highlightspiel in der Youth League, sagen wir in Marseille, zu bestreiten, und dann am Wochenende in den Hessenliga-Alltag auf dem Dorf einzutauchen? Das geht ja selbst den erfahrensten Profis manchmal so.

Ich nenne ein Stichwort: Charakter. Ich habe den Jungs früh gesagt, dass sie Konstanz zeigen müssen. Es bringt nichts, wenn man in einem Wettbewerb alles gibt und im anderen nichts. Es ist zwar teilweise menschlich, aber nicht professionell und daher auch nicht die Einstellung, die wir haben wollen. Wenn man auf diesem Level spielt und noch weiterkommen will; Wenn man vierte, dritte, zweite Liga spielen will; Wenn man zu unseren Profis will, muss man einfach immer wieder an die Leistungsgrenze gehen wollen – egal in welchem Wettbewerb. Das erwarte ich natürlich auch im Training.

Wie wird die Mannschaft bei Auswärtsspielen empfangen, wohlwollend oder laufen die Gegner mit Messern zwischen den Zähnen auf, weil sie es der großen Eintracht zeigen wollen?

Total positiv. Ich glaube für die gegnerischen Vereine ist es ein Mehrwert, wenn wir bei ihnen antreten. Nicht zuletzt steigen ja die Zuschauerzahlen, das ist lukrativ. Auch bei unseren Heimspielen haben wir ja oft über 1000 Fans im Sportpark. Die Eintracht zieht die Menschen an. Und, na klar, man bekommt auch mal mit, dass ein Gegenspieler besonders motiviert ist. Aber das gehört dazu.

Interview: Daniel Schmitt

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