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Präsident Allmächtig: Peter Fischer, erster Mann des Vereins.

Eintracht Frankfurt

Weniger schrill

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Eintracht-Präsident Peter Fischer ist in letzter Zeit ein wenig aus dem Rampenlicht getreten – ohne jedoch Macht einzubüßen.

Als jüngst im Hauptausschuss noch einmal darüber Klage geführt wurde, wie angeblich unfair mit dem vormaligen Trainer Thomas Schaaf umgegangen worden sei, ist Peter Fischer die Hutschnur geplatzt. Mit starken, klaren Sätzen hat der Präsident dann einige Dinge zurechtgerückt, nicht zimperlich in der Wortwahl, aber aus seiner Sicht notwendig: Das musste mal gesagt werden.

Da war er wieder, der Peter Fischer, wie ihn viele kennen und schätzen und weswegen ihn einige auch nicht mögen: Klare Kante, kein Blatt vor den Mund nehmen, Dinge beim Namen nennen, nicht drum herum reden. Das ist seine Stärke, das kann er gut, deswegen weiß man auch immer, woran man ist beim mittlerweile auch schon 58-Jährigen. Er liebt den Auftritt im Rampenlicht.

Dabei ist der Präsident, zugleich Hauptgesellschafter der AG, in letzter Zeit deutlich weniger präsent in der Öffentlichkeit. Bilder von ihm und im Meer plantschenden Bikinimädchen sieht man in den einschlägigen Zeitungen nicht mehr, vor Jahresfrist ist mal eines veröffentlicht worden, das den langen Blonden mit einem Hells Angel zeigte. Aber das war Wahlkampf, ein paar Wochen vor der Jahreshauptversammlung. Nein, Peter Fischer, hat sich in den vergangenen zwölf, 13, 14 Monaten verändert. Er dosiert sehr genau die öffentlichen und medienwirksamen Auftritte, er wirkt verschlossener, nachdenklicher, er hat sich zurückgenommen. Klar, er fährt immer noch Porsche, und als sich am Montag nach einer wegweisenden Aufsichtsratssitzung die neun Räte zum Mannschaftsfoto auf dem Balkon am Riederwald einfanden, war er der einzige ohne Krawatte. Dafür trug er Turnschuhe. Solch modischen Extravaganzen leistet sich der gebürtiger Licher weiterhin, das ist sein Stil, seine Art, sich zu geben. Aber das Schrille, das paradiesvogelhafte, das allzu Grelle hat der Mann ein Stück weit abgelegt, zumindest aus der Öffentlichkeit verbannt. Und: Er bietet deutlich weniger Angriffsfläche als früher.

Peter Fischer, der früh von der Schule abging und bei Kaufhof arbeitete, dem später ein Geschäft für Tennisartikel gehört hat und eine Werbeagentur, der an Discos und Clubs beteiligt war, der andererseits nach der Tsunami-Katastrophe in 2004 die Hilfsorganisation „help children of phuket“ gründete und Spendengelder für den Wiederaufbau sammelte, Peter Fischer also werkelt zunehmend hinter den Kulissen, zieht im Verborgenen die Fäden, anstatt mit blumigen Worten schöne Bilder zu malen. Vieles, wenn nicht alles wird im Hintergrund haarklein besprochen, erarbeitet, ausgetüftelt. Die Zeit spontaner Entschlussfreudigkeit ist trockener Aktenarbeit gewichen. Er hat sich ein deutliches Plus an strategischem Denken angeeignet.

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Auch jetzt, bei der Besetzung des neuen Aufsichtsrats, ist nichts dem Zufall überlassen worden. Vertreter des eingetragenen Vereins (e.V.) haben im Rat die Mehrheit. Dass der neue Vorsitzende Wolfgang Steubing gleich mit einem Fünf-Punkte-Plan („Porto und Bordeaux – das war schon toll. Träumen darf man“) in die Offensive kam, war vorher verabredet worden. In der Diskussion um Schaaf ballte Fischer die Faust in der Tasche und verzichtete darauf, mit unbedachten Äußerungen nach außen weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Dass dennoch einiges schiefgelaufen war in den letzten Wochen, hat der 2,01 Meter große Lulatsch unlängst erst selbstkritisch eingeräumt. „In unserer Vereinskultur ist einiges verrutscht.“ Man darf davon ausgehen, dass sich Eintracht Frankfurt künftig nicht mehr so präsentieren wird.

Auf dem Höhepunkt seiner Macht war Peter Fischer an einem Sonntag, es war der 25. Januar dieses Jahres. Da wurde Fischer, seit August 2000 Präsident, mit 99,1 Prozent der Stimmen für weitere drei Jahre gewählt. Fischer geht damit in seine fünfte Amtsperiode, dabei gab es dieses Mal erstmals einen Herausforderer, Reiner Schäfer. Aber da wurde sehr schnell deutlich, wie stark Peter Fischer tatsächlich ist, welche Rückendeckung er im Verein genießt, auf welche Hausmacht er bauen kann. Nicht umsonst nannte ihn die FR „Peter Allmächtig“. Wer sollte jetzt ernsthaft dem ewigen Präsidenten in absehbarer Zeit noch mal an den Karren fahren wollen? „Den fängt niemand mehr mit dem Lasso ein“, unkten da viele. Sie lagen daneben, auch das ein Zeichen des Wandels im Auftreten des alten Volkstribuns.

Ohne Peter Fischer, den früheren Basketballer, geht nichts mehr im Klub, weder im e.V. noch in der AG. Ohne Fischers Einfluss werden bei Eintracht Frankfurt keine wirklich wichtigen Entscheidungen mehr fallen. Gemeinsam mit seinem Freund, dem ehemaligen Vizepräsidenten Axel Hellmann, inzwischen Finanzvorstand, wird er in den kommenden Jahren maßgeblich den Kurs der Hessen bestimmen. Selbst wenn Klubchef Heribert Bruchhagen noch einen Stern mehr hat.

Teil 6: Alexander Meier

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