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Eintracht: Der Beste muss raus, der Schwächste spielt weiter

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Von: Daniel Schmitt, Ingo Durstewitz

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Locker abgelaufen: Eintracht-Kapitän Makoto Hasebe (rechts) kocht den Fürther Havard Nielsen routiniert ab. imago images
Locker abgelaufen: Eintracht-Kapitän Makoto Hasebe (rechts) kocht den Fürther Havard Nielsen routiniert ab. imago images © IMAGO/Revierfoto

Warum der formstarke Frankfurter Hasebe gegen Barca wohl wieder auf die Bank muss und der formschwache Borré weiter stürmen darf.

Nachdem der fußballerische Höhepunkt des kommenden Sommers, der 1. Hinti-Cup, ein Freizeitturnier in Sirnitz, eines, das Österreichs „Dorf aus den Brettern heben wird“, der Öffentlichkeit in Form einer Pressekonferenz vorgestellt war, dürfte sich auch der Initiator am Samstag ganz entspannt vor die Glotze begeben haben. Er war ja schließlich gelbgesperrt, der Martin Hinteregger, Verteidiger von Eintracht Frankfurt, und sollte sich auf Anraten seines Chefs, des Trainers Oliver Glasner, im heimischen Kärnten erstmal ein wenig erholen vom stressigen Profifußballeralltag. Also die Kameraden eben nur vor dem TV verfolgen, das 0:0 gegen Fürth, ehe am Donnerstag das Highlight gegen den FC Barcelona ansteht.

Und Martin Hinteregger dürfte wie alle Frankfurter an diesem Samstag unzufrieden gewesen sein, das war zu wenig, dieses Gemurkse gegen Greuth, die persönlich gute Leistung seines Vertreters aber wird auch der Charakterkopf aus den Bergen erkannt haben. Makoto Hasebe, der alte Hase, 38, der zuvor letztmals am 5. Februar gespielt hatte, lieferte einen Eins-A-Auftritt ab, verteidigte hinten fast alles weg, brachte 91 Prozent seiner Pässe zu den Mitspielern, setzte nach vorne Impulse - viel mehr lässt sein Posten in der Dreierabwehrkette schlicht nicht zu. Hase spielte wie Hase, unaufgeregt, klug, souverän. Dennoch: Am Donnerstag im Europapokal wird er mit ziemlicher Sicherheit wieder auf der Ersatzbank sitzen.

Die anspruchsvolle Aufgabe, den Barca-Sturmwirbel einzudämmen, wird sehr wahrscheinlich Hinteregger zufallen. Ein Mann-gegen-Mann-Duell mit Sprinter Pierre-Emerick Aubameyang wird Trainer Glasner eher dem robusten Hinteregger zutrauen, nicht dem zwar handlungsschnellen, aber läuferisch langsameren Hasebe.

Im Grunde ist es jenes Dilemma, das schon Glasners Vorgänger kaum gelöst bekamen: genügend Startplätze in der Defensivformation zu finden für das stammelf-taugliche Abwehrquartett (Tuta, Ndicka, Hinteregger, Hasebe). Einer muss immer draußen bleiben, oft genug eben Hasebe. „Wenn ich ihn um vier Uhr in der Früh anrufe, weiß ich das er funktionieren würde“, sagt Glasner: „Er ist körperlich ja manchmal unterlegen“, aber er, Glasner, sei froh, ihn, Hasebe, zu haben.

Präsenter Paciencia

So dürfte sich die gleichzeitig logisch wie unlogische Situation ergeben, dass gegen Barcelona dann Frankfurts bester Feldspieler gegen Fürth, Hasebe, draußen sitzt und der schwächste Eintracht-Mann der Bundesligapartie, Rafael Borré, erneut stürmen darf. Der Kolumbianer kickte wie bereits in den vergangenen Wochen ziemlich unterirdisch, war selten am Ball, fiel nicht auf - höchstens negativ. Torgefahr geht im Grunde seit dem Fehlschuss-Festival von Sevilla keine mehr von Borré aus. Dass der Nationalstürmer viel für die Kollegen arbeitet, dass er die gegnerischen Abwehrleute ständig anläuft, ist da nur ein schwaches Empfehlungsschreiben. Fußball ist nun mal keine Leichtathletik.

Selbstverständlich: Borrés Formschwäche ist erklärbar. Er stand in dieser Saison im Grunde immer auf dem Feld, dazu als Solist in vorderster Linie, das kostet Kraft. Zumal der 26-Jährige nicht selten erst tags zuvor von Länderspielreisen aus Südamerika zurückgekehrt war. Die Ersatzleute, ob Goncalo Paciencia, Ragnar Ache oder Sam Lammers, konnte ihn nie entlasten, bringen sie schlicht zu wenig Qualität für regelmäßige Starteinsätze mit. Zwar brachte Paciencia gegen tiefstehende Fürther nach seiner Einwechslung mehr Präsenz in den gegnerischen Strafraum, erhielt dafür Lob von seinem Coach, er hatte auch Abschlüsse, für ein wahrscheinlich auf schnelle Konter und eiliges Umschalten ausgelegtes Spiel gegen Barca ist er aber eher die falsche Besetzung. Paciencia ist nicht flink genug, er ist wohl der langsamste Profi im Eintracht-Ensemble.

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