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Mit leeren Händen: Branimir Hrgota, Stürmer im Unruhestand.

Eintracht Frankfurt

Wechselt noch ein Härtefall?

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Bei Eintracht Frankfurt wird das Gedränge immer größer. Der XXL-Kader macht es für manche schwierig, einen Platz im Aufgebot zu bekommen. Manch einer sollte wohl umdenken.

Die kalte Statistik liest sich aus Sicht von Eintracht Frankfurt ganz annehmbar. Die nackten Zahlen als solche: In dieser Saison gibt es nur eine Mannschaft, die weniger Gegentreffer kassiert (natürlich Bayern München) und nur ein Ensemble, das auswärts mehr Punkte geholt hat (wer wohl?). Nur drei Teams haben zudem mehr Siege und weniger Niederlagen zu verzeichnen. Sollte die Eintracht am Freitagabend (20.30 Uhr) Borussia Mönchengladbach in die Knie zwingen, würde sie auf dem zweiten Rang und also einem Champions-League-Startplatz übernachten. Ein Leckerli.

Dazu müssten die Hessen allerdings, und da kommt eine nicht ganz so pralle Bilanz ins Spiel, mal ihre Heimschwäche in den Griff bekommen. Nur Bremen und Köln stehen in diesem Ranking noch etwas schlechter da. Hoffnung macht den Verantwortlichen die gestiegene spielerische Qualität, denn es ist sonnenklar, dass à la longue die Mannschaft bessere Chancen hat, enge Duelle zu gewinnen, die versucht, Fußball zu spielen.

Stendera sollte bleiben

Trainer Niko Kovac wird wohl dieselbe Mannschaft aufs Feld schicken, die in Wolfsburg überzeugte. Das ist folgerichtig. Das Gedränge hinter der ersten Elf nimmt weiter zu, bei einem XXL-Kader, wie ihn sich die Eintracht leistet, ist das nicht weiter verwunderlich. Härtefälle gibt es schon längere Zeit, und sie werden zunehmen. In Wolfsburg etwa schaffte es nicht mal Marc Stendera, der Mann aus dem eigenen Stall, ins 18er-Aufgebot. Prompt kamen erste Spekulationen auf, wonach der Techniker mit dem guten Auge, aber geringen Tempo ein Aspirant auf eine Ausleihe sein könnte. Vor kurzem war das noch kein Thema. „Es läuft nicht immer so, wie man es sich vorstellt. Da muss jeder durch, damit muss man umgehen können“, sagte er.

Einen Spieler wie Stendera, und sei es nur temporär, abzugeben, macht für die Eintracht keinen Sinn. Er ist immer eine gute Alternative, den der Trainer bedenkenlos bringen kann, zumal er endlich auch mal fit und seit längerer Zeit verletzungsfrei ist. Zudem steht er als Eigengewächs, das sich total mit dem Verein identifiziert, bei den Anhängern hoch im Kurs. Prüfen sollten die Frankfurter eher noch mal, ob sie nicht Danny Blum und Taleb Tawatha abgeben. Tawatha hat durch die Versetzung von Timothy Chandler nach links gleich zwei Mann vor sich, ist sowieso nur bedingt tauglich und obendrein unzufrieden.

Blum, zurzeit angeschlagen, kommt gar nicht auf Touren. Und auch wenn Sportdirektor Bruno Hübner erst im Trainingslager noch sagte, dass der Klub den schnellen Flügelspieler nicht hergeben wolle, weil er Potenzial habe und selbst für 20 Minuten eine Hilfe sein könnte („Wenn wir ihn zum besten Einwechselspieler der Liga machen, haben wir einiges erreicht“), sollte die Sportliche Führung ihre Haltung überdenken.

Jovic wird teuer

Blum hat es in den letzten zehn Pflichtspielen nur zweimal in den Kader geschafft, wurde nicht eine einzige Minute eingesetzt. Da ist die Hoffnung, dass auf einmal der Knoten platzen könnte, doch sehr vage.

Selbst Branimir Hrgota sollte noch mal überlegen, ob er sich nicht verändern möchte. Der Schwede hat zwar im ersten Spiel gegen Freiburg Ante Rebic vertreten, konnte aber nicht für sich werben. Er wird es schwer haben. Der Japaner Daichi Kamada ist noch sehr viel weiter weg vom Team, doch unlängst schob der Trainer einem möglichen Wechsel einen Riegel vor. „Er muss sich akklimatisieren, das bedarf Zeit“, sagte Kovac. „Es steht nicht zur Disposition, ihn auszuleihen.“ Bei Yanni Regäsel und Max Besuschkow stehen die Zeichen klar auf Trennung oder Trennung auf Zeit.

Bisher halten die Spieler, die kaum zum Zug kommen, still, auch wenn Anführer Kevin-Prince Boateng schon mal prophylaktisch davor warnte, dass es „auch mal knallen kann.“ Einzig Stürmer Luka Jovic wies vor dem Wolfsburg-Spiel mit gebotener Vorsicht und aus seiner Sicht auch völlig berechtigt daraufhin, dass er schon denke, dass er mehr Spielzeit als 250 Minuten verdient gehabt hätte. Prompt kam in Wolfsburg eine knappe Viertelstunde hinzu, die dem Serben genügten, um sein drittes Saisontor beizusteuern. Jovic ist einer für die Zukunft, er ist noch bis 2019 von Benfica Lissabon ausgeliehen. Die Eintracht könnte ihn dann kaufen. Ein Schnäppchen ist er freilich nicht, die Ablösesumme soll sich jenseits der Zehn-Millionen-Euro-Grenze bewegen.

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