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Eintracht Frankfurt: Was ist nur mit Kamada und Kostic los?

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Von: Ingo Durstewitz

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Hinkt seiner prima Form hinterher: Filip Kostic. Foto: Imago images
Hinkt seiner prima Form hinterher: Filip Kostic. © imago images/eu-images

Die Eintracht-Leistungsträger Filip Kostic und Daichi Kamada stecken in einer Formkrise. Und das könnte Auswirkungen auf ihre Zukunft haben.

Frankfurt - Die Latte liegt verdammt hoch, gar keine Frage, er hat sie selbst so hochgelegt, der Flankengott Filip Kostic. In der zurückliegenden Saison stellte er einen Rekord nach dem anderen auf, er schlug die meisten Flanken aller Bundesligaspieler (213), zog mehr Sprints an als alle anderen (923), bereitete 22 Großchancen vor und knackte ganz nebenbei auch die Uraltbestmarke von Eintracht-Ikone Uwe Bein von vor fast 30 Jahren: 17 Torvorlagen. Vier eigene Treffer steuerte er auch noch bei, en passant. Eine Fabelsaison.

Auch Daichi Kamada, der geschmeidige Spielmacher, trumpfte groß auf, kam auf beachtliche 15 Vorlagen und fünf Tore. Das torgefährliche Duo K&K entpuppte sich als zuverlässigster Lieferdienst der Beletage. Dass sich das nicht so einfach wiederholen lassen würde, war klar, zumal Hauptabnehmer, 28-Tore-Mann André Silva, mittlerweile seine Treffer für Leipzig erzielt.

Eintracht Frankfurt in kleiner Krise

Aktuell ist die Eintracht in eine kleine Krise geschliddert, doch diese Talfahrt nur an Filip Kostic und Daichi Kamada festzumachen, wäre Nonsens. Zurzeit krankt das ganze System, die Spielkultur ist flöten gegangen, das Langholz hat die flachen Kombinationen abgelöst. Das Team ist in alte Muster zurückgefallen.

Und doch ist die aktuelle Schieflage in Ansätzen mit dem Formverlust der Leistungsträger zu erklären. Linksaußen Kostic ist kaum mehr wiederzuerkennen, seine unnachahmlichen Soli sind Seltenheit geworden, er wirkt irgendwie schlapp – zumindest für Filip-Kostic-Verhältnisse. Dafür gibt es Gründe: Latente, aber häufige Schmerzen an der Achillessehne, eine Corona-Infektion und eine hartnäckige Grippe haben Spuren hinterlassen. Die Flaute hält dennoch erstaunlich lange an. Seit dem ersten Rückrundenspiel gegen Dortmund war der 29-Jährige an keinem Treffer mehr beteiligt, insgesamt stehen drei Tore und sieben Vorlagen in Kostics Statistik. Das ist in Ordnung, aber nicht besonders. Zudem: Der Trend zeigt in die falsche Richtung.

Gunesch kommt zur Eintracht

Eintracht Frankfurt erweitert sein Trainerteam im Jugendbereich: Ex-Profi Ralph Gunesch wird als sogenannter Übergangstrainer zu den Hessen stoßen. Der anerkannte TV-Experte von Dazn soll einem Bericht der „Sportbild“ zufolge den Talenten als Ansprechpartner dienen und ihnen durch individuelles Training den Übergang zu den Profis erleichtern. Die Eintracht wird ab Sommer wieder mit einer U23 in der Hessenliga an den Start gehen. FR

Eintracht Frankfurt: Wird Ndicka zum Goldesel?

Noch besorgniserregender ist die Verfassung Kamadas, der seinen Stammplatz verloren hat. Nach seiner Einwechslung gegen die Bayern war zu spüren, dass die Leichtigkeit von der Verunsicherung erdrückt wird, Esprit oder gar Brillanz entfaltet sich so eher nicht. Kamadas Bilanz in dieser Saison: zwei Tore, eine Vorlage. Das ist für einen offensiven Mittelfeldspieler mit seinen Qualitäten mehr als dürftig.

Trainer Oliver Glasner ist gut beraten, den 25-Jährigen wieder aufzupäppeln und ihn in die Nähe des alten Levels zu bringen, denn einen besseren Fußballer hat er nicht in seinen Reihen. Davon mal abgesehen: Ein spielprägender und formstarker Kamada würde ihm selbst und dem Verein andere Perspektiven eröffnen.

Eintracht Frankfurt: Kostic und Kamada mit Verträgen bis 2023

Denn die Frage wird sein, wie es für Kamada und auch für Kostic im Sommer weitergeht. Beide haben einen Vertrag bis 2023, beide gelten als Verkaufskandidaten – aber nur dann, wenn sich keine Verlängerung erzielen lässt und die Konditionen stimmen. „Wir haben einen Wert im Kopf, den wir erzielen wollen“, sagte Markus Krösche unlängst. Der Sportvorstand will um jeden Preis vermeiden, eine Stammkraft ablösefrei zu verlieren. „Wir wollen mit keinem Leistungsträger ins letzte Vertragsjahr gehen.“ Könnte schwierig werden.

Die aktuelle Situation ist weder für die Spieler noch für den Klub hilfreich. Die Interessenten stehen nicht Schlange, was den Fußballern die Vereinsauswahl erschwert und das auszuhandelnde Salär schrumpfen lässt. Schlecht für die Profis. Und aufnehmende Vereine würden, durch Corona sowieso, ganz sicher versuchen, die Ablöse gnadenlos zu drücken. Zumal bei einer vertraglichen Restlaufzeit von nur noch einem Jahr. Schlecht für die Eintracht.

Kamada etwa hat einen Marktwert von 22 Millionen Euro, doch als sicher gilt, dass die Eintracht nicht mal die Hälfte würde erzielen können. Und wer soll so viel zahlen? Wo sollte der Japaner eigentlich hin wechseln? Nach England passt er ob seiner Spielweise nicht und für Spitzenvereine in anderen Topligen ist er nicht gut genug.

Eintracht Frankfurt: Was passiert mit Kostic?

Für Kostic wiederum wurden schon im letzten Sommer nur zehn Millionen Euro von Lazio Rom geboten. Dass da noch mal ein anderer Verein etwas draufsattelt, ist kaum zu erwarten, zumal Kostic eine insgesamt durchwachsene Saison spielt und im Herbst bereits 30 Jahr alt wird.

Vielleicht wäre es für die Spieler also am besten, sie würden ihre Verträge in Frankfurt verlängern – sofern die Eintracht dies anstrebt. Es ist ja kein Geheimnis, dass Markus Krösche einen Transferüberschuss erwirtschaften muss. Und es gibt Stimmen, die sagen, man müsse sich auch irgendwann mal von Filip Kostic emanzipieren. Trainer Glasner will diese Abhängigkeit schon längere Zeit aufbrechen. Was aus K&K wird, ist also offen.

Am wahrscheinlichsten erscheint derzeit, dass die Eintracht mit einem Abwehrspieler große Kasse machen wird. Evan Ndicka, Marktwert 28 Millionen, spielt eine starke Saison, ist jung (22), groß und schnell. Für ihm könnte die Eintracht um die 15 Millionen kassieren. Pluspunkt: Drittparteien partizipieren bei einem Ndicka-Transfer nicht. (Ingo Durstewitz)

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