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Die sportliche Leitung: Vorstand Fredi Bobic (li) und Bruno Hübner.
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Die sportliche Leitung: Vorstand Fredi Bobic (li) und Bruno Hübner.

Bruno Hübner

"Wahnsinnige Vorstellungen"

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner über die Schwierigkeiten, die der eigene Erfolg mit sich bringt.

Einer muss ja die Stellung halten, das ist in diesem Fall der Manager, Bruno Hübner. Während Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic und der neue Trainer Adi Hütter im wohlverdienten Urlaub weilen, wickelt der Sportdirektor in Frankfurt die Geschäfte ab, sofern es etwas zum Abwickeln gibt. Zwischen den beiden Trainingslagern in den USA (7. bis 15. Juli) und in Südtirol (29. Juli bis 5. August) hofft der 57-Jährige sich mal für eine Woche verdrücken zu können. Sicher ist das jedoch noch nicht. 

Hübner hält regelmäßig Kontakt mit den anderen Verantwortlichen, Coach Hütter und vor allen Dingen Vorstand Bobic, der in Naples, Florida, seine Sommerferien verbringt. Der erste Anruf erfolgt deutscher Zeit gegen 14 Uhr am Mittag, dann schält sich Bobic um acht Uhr morgens am Golf von Mexiko gerade aus dem Bett, der letzte Kontakt kommt meistens zustande, kurz bevor Hübner in Taunusstein in die Koje hüpft – in Naples geht dann gerade die Sonne unter. „Wir sind eng verdrahtet“, befindet Hübner. „Wir updaten uns regelmäßig, das klappt sehr gut.“ 

So hat die Sportliche Leitung per Fernwartung auch die Spielergruppen eingeteilt, die am Montag ihren Laktattest und am Dienstag die internistische Untersuchung absolvieren sollen. Erst am Mittwoch geht es erstmals raus auf den Trainingsplatz. Dann wird die Mannschaft natürlich noch nicht komplett sein. Es fehlen die WM-Fahrer und auch einige Neuzugänge, die im Laufe der Vorbereitung zur Eintracht stoßen werden. 

Die Frage wird auch sein, welche Spieler, die eigentlich nicht mehr wohlgelitten sind, dann antanzen werden. Es ist kein Geheimnis, dass die Eintracht Akteuren wie Danny Blum, Taleb Tawatha, Branimir Hrgota oder auch Marc Stendera keine Steine in den Weg legen würde, wenn diese einen Vereinswechsel in Betracht ziehen würden. 

Bei Eigengewächs Stendera, ein Gutverdiener, würden die Frankfurter auch ein Leihgeschäft in Erwägung ziehen. Gar keine Zukunft hat natürlich auch Max Besuschkow, der zuletzt an Zweitligist Holstein Kiel ausgeliehen war, es dort aber nur zu einem 23-minütigen Einsatz brachte und es sogar zehnmal nicht in den Kader schaffte. Auch Daichi Kamada, der feingliedrige Japaner, ist zumindest ein Wackelkandidat.

Klausurtagung à la Kovac

Hübner nennt natürlich nicht die Namen der potenziellen Wechselaspiranten, doch die Sportliche Führung ist klar in ihrer Analyse. „Wir wollen uns verbessern“, bekundet der Manager. „Und wir hatten ja zuletzt Spieler dabei, die kaum gespielt haben. Wenn sie vernünftig sind, müssen sie erkennen, dass es jetzt noch schwerer für sie werden würde.“ Daher werde man auch offen mit den entsprechenden Profis sprechen, „wir lassen es nicht laufen“, sagt der Sportdirektor.  Die Hoffnung auf einen neuen Anlauf unter dem neuen Coach müssen einige Akteure wohl eher begraben. Adi Hütter habe die Eintracht-Spiele sehr genau verfolgt, „er hat sich Videos der letzten zwei Jahre angesehen“, erzählt Hübner. Und er habe sich die Einschätzungen der Sportlichen Leitung angehört – die Ergebnisse seien quasi deckungsgleich gewesen.

Um die generelle Stoßrichtung der Eintracht abzustimmen und festzuzurren, sind Hübner und Bobic vor dem Urlaub des Vorstands in Hütters Heimat nach Salzburg gefahren und haben sich zu einer eineinhalbtägigen Klausurtagung zurückgezogen. Das war auch schon unter Vorgänger Niko Kovac gute Sitte. In dem Strategiegespräch ging es um die generelle Ausrichtung, Transfers und Ziele. Auch Kaderplaner und Chefscout Ben Manga war zugeschaltet. 

Natürlich wissen sie alle, dass die neue Runde eine heikle Mission werden könnte. „Wir stehen vor einer ambitionierten Saison“, sagt Hübner. „Ich habe immer gesagt, dass ein Verein wie die Eintracht vor einem Umbruch nie gefeit ist.“ Nun kommt ein neuer Trainer, ein neuer Assistent, neue Spieler werden anheuern, Leistungsträger den Verein verlassen. Lukas Hradecky und Marius Wolf sind schon weg, Omar Mascarell wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gehen. „Das ist nicht einfach, solche Spieler zu ersetzen“, bemerkt der Sportdirektor. 

Und doch lässt er sich seinen in ihm schlummernden Optimismus nicht nehmen. „Der Trainer wird allen richtig Spaß machen“, er brenne wie eine Fackel auf seine Aufgabe. „Er hat einen guten Anspruch, wie er spielen lassen will.“ Er komme aus der „RB-Schule“ (Hübner), stehe also für ein rasantes Offensivspektakel mit klassischen Pressingaktionen, aber er habe diesen Stil verfeinert. „Er weiß genau, wann man sich fallen lassen muss. Wir werden viel Freude an ihm haben.“ 

Gehalt als Problem

Mit welchem Personal der Österreicher arbeiten kann, ist schon weitgehend abgesteckt, die Eintracht ist in ihren Bemühungen um neue Spieler schon weit, doch ab und an hakt es an den Forderungen der abgebenden Vereine. „Wir sind Achter geworden, Pokalsieger und spielen international – da kommen manche mit Wahnsinnsvorstellungen um die Ecke“, befindet Hübner. „Da glaubt keiner, dass wir mit bescheidenden Mitteln so einen Erfolg haben.“ Zudem sei die WM ein zusätzlicher Faktor, der Geduld erfordere: „Viele warten ab, viele zocken auf Zeit.“ 

Und ein Problem sei nun mal, dass „sehr viel Geld im Umlauf ist, das in Richtung der Spieler wandert“. Die Eintracht stößt, zumindest bei den Gehaltszahlungen, an ihre eigenen Grenzen. „Die Kombination von Ablöse und Gehälter, die die Topklubs zahlen können, macht es uns schwer. So weit sind wir noch nicht“, erklärt der Manager. Und man könne auch nicht auf einen Schlag das Salär einzelner Spieler, das von Senkrechtstarter Ante Rebic etwa, exorbitant anheben. „Natürlich müssen wir auch aufs Gehaltsgefüge aufpassen.“

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