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Die Eintracht jubelt - und mittendrin: Sebastian Rode.

Eintracht Frankfurt

Als wäre er nie weg gewesen

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Sebastian Rode zeigt bei der Eintracht ein vielversprechendes Comeback und heimst eine Menge Lob ein

Sebastian Rode ist in der Branche wahrlich kein Unbekannter mehr und ein blutiger Anfänger ist er schon gar nicht. Er hat, mittlerweile 28-jährig, 114 Bundesligaspiele auf dem Buckel, 33 Zweitligaspiele absolviert, dazu zwölf Partien in der Champions und sieben in der Europa League. Der Mann weiß also, wie der Hase im Fußballgeschäft läuft - und doch war dieser Samstag, waren diese Minuten unmittelbar vor dem Spiel anders als sonst. „Ich war aufgeregt.“ Ein Gefühl, das er gar nicht mehr kannte, aber vor dem Heimdebüt in Frankfurt spürte er wieder dieses ganz spezielle Kribbeln. Aber ein kleiner Neuanfang war es ja tatsächlich.

Nach dem Abschlusstraining am Freitag hatte ihn Trainer Adi Hütter darüber informiert, dass er sogar von Anfang an spielen würde. „Das hat mir noch einmal einen Schub gegeben“, erzählte Sebastian Rode nach seinem rundherum gelungenen Comeback.

Die Aufregung war nachvollziehbar: Er hat ja lange nicht mehr von Anfang an auf dem Rasen gestanden, zuletzt Anfang August 2017, im Supercup-Spiel gegen die Bayern, aber Supercup ist kein wirklich ernsthaftes Spiel. Und für die letzte Partie, bei der er 90 Minuten auf dem Feld war, musste er schon weit zurückblicken. Am 22. November 2016 war es, damals spielte er mit Borussia Dortmund in der Champions League gegen Legia Warschau und gewann in einem ungewöhnlichen Spiel 8:4, Rode spielte seinerzeit rechter Verteidiger, nicht gerade seine Stammposition.

Lange ist das her. In Frankfurt bei der Eintracht, für die er zwischen 2010 und 2014 schon mal spielte, darf er an zentraler Stelle an den Ball. Am Samstag gegen den SC Freiburg kurbelte er gleich das Spiel an, war hinten und vorne zu finden, war „ein Aktivposten“, wie Trainer Hütter lobte. Ohnehin hat „der Seppl“ dem Fußballlehrer schon im Trainingslager in den USA imponiert, „er hat sich da gut präsentiert“.

Rode war auch in seinem ersten Bundesligaspiel seit langem schwer unterwegs, in den 70 Minuten spulte er 10,5 Kilometer herunter, hätte er durchgespielt, wäre er auf 13,5 Kilometer gekommen, ein außergewöhnlich guter Wert. Dann wurden ihm die Beine schwer. Und was er mit dem Ball anstellte, konnte sich sehen lassen. Fußballerisch haben ihn seine Wanderjahre bei Bayern München und Borussia Dortmund offensichtlich weitergebracht, er hat spielerisch einen Sprung nach vorne getan. Und es war natürlich auch kein blanker Zufall, dass er es war, der beim wichtigen 1:0 durch Sebastien Haller seine Füße im Spiel hatte. Seine - leicht verunglückte und abgefälschte - Flanke nach kurzer Ecke kam über den Umweg von Ante Rebic zum Franzosen, der zur Führung einköpfte.

 Ein Sebastian Rode in dieser Verfassung tut der Eintracht gut, er bringt das erforderliche Tempo und die Spritzigkeit mit. Dazu kam, dass er trotz der fehlenden Spielpraxis nicht den Eindruck vermittelte, länger weg gewesen zu sein. „Er ist eine Verstärkung für uns“, sagte Rechtsverteidiger Danny da Costa. „Einen Spieler mit dieser Einstellung und dieser Mentalität brauchen wir. Er ist einer aus der Region, ein Spieler mit Identifikation“, lobte Nebenmann Gelson Fernandes, für den die lange Absenz von Rode kein Problem darstellt. „Er hat ja nicht eineinhalb Jahren Ferien gemacht“.

Trainer Hütter habe ihm vor dem Spiel mit auf dem Weg gegeben, sich etwas zu trauen, mutig zu sein. Rode hat sich daran gehalten. „Ich bin unglaublich froh und hoffe, dass es so weitergeht“, sagte der defensive Mittelfeldspieler, in Frankfurt vor heimischer Kulisse zu spielen, sei „ein geiles Gefühl“. Und seine Rückkehr gleich mit einem Sieg zu begehen, sei doppelt schön. Am kommenden Samstag, beim Auswärtsspiel in Bremen, wird Rode sogar noch mehr Verantwortung tragen müssen. Weil Gelson Fernandes wegen der fünften Gelben Karte gesperrt ist, muss Rode allein die Position des Sechsers übernehmen - mit Jonathan de Guzman oder Mijat Gacinovic an seiner Seite, beide sind eher offensiv ausgerichtet.

Ansonsten ist Sebastian Rode von seiner neuen, alten Mannschaft richtig angetan. „Da ist enormes Potenzial vorhanden“, fand der Mann aus Alsbach-Hähnlein. Vor allem die drei Angreifer gefallen dem 28-Jährigen ausnehmend gut. „Die drei da vorne sind wirklich unglaublich. Sie sind immer in der Lage, ein Tor zu schießen, haben eine Power, von der wir unglaublich profitieren“, staunte er. Alles in allem schaut Sebastian Rode durchaus zuversichtlich in die nähere Zukunft: „Mit dieser Mannschaft ist vieles möglich.“ Und mit ihm womöglich auch.

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