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Luca Pellegrini: Blauer Brief für den Wackelkandidaten

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Von: Ingo Durstewitz

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Verzichtet nur in Druckphasen auf sinnfreie Fernschüsse: Linksfuß Luca Pellegrini.
Verzichtet nur in Druckphasen auf sinnfreie Fernschüsse: Linksfuß Luca Pellegrini. © HMB Media/Imago

Der umstrittene Eintracht-Verteidiger aus Bella Italia fremdelt noch immer, dabei bringt er Fähigkeiten mit.

Luca Pellegrini, 23 Jahre jung und erstmals raus aus Bella Italia, ist ein echter Römer, geboren in der Ewigen Stadt, als Jugendlicher ausgebildet bei der Roma, Profi geworden ebenfalls bei AS. Pellegrini ist, warum auch nicht, stolzer Römer, stolzer Italiener. Aber die Art und Weise, wie etwa in Deutschland Fußball gespielt und zelebriert wird, beeindruckt den Eintracht-Zugang nachhaltig, die findet er ziemlich cool. Anders als in seiner Heimat. „Wir haben das erste Champions-League-Spiel 0:3 verloren und die Fans haben nicht aufgehört, uns anzufeuern. In Italien erhältst du keine Unterstützung, wenn du so verlierst“, sagte der 23-Jährige kürzlich. „In Deutschland gibt es eine ganz andere Art, ein Fußballspiel zu sehen und zu erleben.“ Das gefällt ihm.

Luca Pellegrini ist ein sehr selbstbewusster Mann, der ja zuletzt bei Juventus Turin gespielt hat, kein ganz schlechter Verein, und da das so ist und er sein Licht nicht unter den Scheffel stellt, trat er gleich mal forsch und fordernd auf, so, als habe Eintracht Frankfurt nur auf ihn gewartet. Das kam nicht ganz so gut an in der Kabine, ein paar Gespräche der Führungscrew um Sebastian Rode, Kevin Trapp und Co. waren notwendig, um den Linksverteidiger an ein paar Spielregeln zu erinnern und ihm zu verdeutlichen, wie der Hase hier läuft.

Pellegrini, für ein Jahr ausgeliehen, hat das zwar für den Moment kapiert, aber offenbar nicht verinnerlicht. Wie der „Wiesbadener Kurier“ berichtete, habe es auf der Japan-Tour zwischen dem Abwehrmann und Oliver Glasner gekracht. Der Trainer sagte dazu am Montagnachmittag: „Das gibt es doch immer mal, dass der Trainer lauter wird, wenn er unzufrieden ist.“ So sei es auch in diesem Fall gewesen. Berichte, wonach die Eintracht und Pellegrini sich schon im Winter wieder voneinander trennen möchten, wies der Manager Markus Krösche derweil zurück: „Da ist im Moment nichts dran.“ Ausgeschlossen scheint es aber auch nicht. Pellegrini ist und bleibt ein Wackelkandidat. 

Zu viel Theatralik

So richtig ist der Südeuropäer nicht angekommen bei der Eintracht, er fremdelt, auch auf dem Feld. Da fällt er zu häufig in seine alten Muster zurück. Die alten Muster bringen einen Spieler hervor, der zuweilen affektiert und aufgesetzt wirkt, da nestelt er an den Stutzen herum oder streicht die Haare hinters Ohr, da ist viel Theatralik und Show dabei, nach belanglosen Zweikämpfen wird schon mal der Sterbende Schwan imitiert. So richtig passt er mit diesem Habitus nicht zur Eintracht und diesem Team.

Aber: Luca Pellegrini, einfacher italienischer Nationalspieler, kann auch anders. Das hat er schon bewiesen. Immer dann, wenn er unter Druck steht und es für die Mannschaft um mehr geht als die Bewältigung des Alltags, zeigt der Linksfuß eine andere Seite, dann spielt er seinen Part seriös, ohne Firlefanz und Schnickschnack, macht seine Seite dicht und geht mit nach vorne, wenn es sich anbietet, verzichtet aber auf sinnfreie Fernschüsse oder Flanken ins Nirwana, die er sonst gerne einstreut.

Er bringt ja vieles mit, der Verteidiger, der früher mal Stürmer war und Roma-Legende Francesco Totti verehrt, er ist schnell, technisch beschlagen, schlägt gute Standards. Kein Zufall, dass er alle Jugendnationalteams Italiens durchlief und 39 U-Länderspiele auf dem Buckel hat. 2019 setzte ihn die Uefa auf die Liste „50 for the future“, eine Auswahl an Talenten, die in den kommenden Jahren für Furore sorgen könnten, damals mit dabei: Erling Haaland, Alphonso Davies, Ferran Torres oder Rodrygo. Ganz so durchschlagend ging es für Pellegrini nicht weiter.

Er wird daran arbeiten müssen, seinen Wankelmut in den Griff zu bekommen, mehr Konstanz und Verlässlichkeit in sein Spiel zu bekommen. Die Ausschläge sind zu groß. In Lissabon etwa beim entscheidenden Champions-League-Spiel zeigte er eine abgeklärte Leistung und heimste für seinen prima Auftritt ein Extralob von Glasner ein. Nur um dann, vier Tage später, in Augsburg völlig neben den Schuhen zu stehen. „Der Einzige, der abfiel. Seltsam pomadiger Auftritt nach dem guten Spiel von Lissabon“, urteilte die FR in ihrem Klassenbuch. Zur Halbzeit war Schluss für den jungen Mann.

Luca Pellegrini, quasi als Zugabe für Filip Kostic aus Turin gekommen, wird sich strecken und vor allem ins Gefüge eingliedern müssen, um auf Spielzeit zu kommen. Ansgar Knauff hat ihm den Rang abgelaufen, und auch Christopher Lenz steht, wenn er mal fit ist, in der Hierarchie über ihm. Viel spricht nicht dafür, dass der lebensfrohe Sonnyboy in Frankfurt noch mal durchstarten und eine Zukunft über den Sommer hinaus haben wird. Streit mit dem Trainer ist auch nichts, was da besonders hilfreich wäre.

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