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Eintracht Frankfurt: Vorstand Axel Hellmann spürt die wachsende Distanz zu den Anhängern

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Von: Ingo Durstewitz

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Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann
Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann sorgt sich um die wachsende Kluft zwischen Fans und Klubs. (Archivbild) © David Inderlied/dpa

Vorstand Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt (SGE) sorgt sich um die wachsende Distanz der Fans zu den Klubs und will gegensteuern.

Frankfurt – Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann hat am Sonntagvormittag (30.01.2020) die große Bühne genutzt, um eindringlich vor der zunehmenden Entfremdung der Fans vom Profifußball zu warnen. Der 50-Jährige betrachtet die Entwicklung mit großer Sorge. „Es muss uns alarmieren“, sagte der Frankfurter Funktionär im Sport 1-Doppelpass.

Die Auswüchse der hochgezüchteten Branche, die Corona-Pandemie und ihre gravierenden Folgen, die fehlende Nahbarkeit – all das sind Gründe dafür, dass die Menschen sich dem Fußball vermehrt abwenden und auch nicht mehr so viel konsumieren, weder live noch im Fernsehen. „Ich glaube, dass wir die Situation erleben werden, dass die Menschen nicht alle zurückkehren werden, wenn die Stadien wieder auf sind“, sagte der langjährige Vorstand. Für Hellmann steht daher außer Frage, dass die Vereine außerhalb des Platzes eine bessere „Fühlbarkeit und Anfassbarkeit“ herstellen müssen, um die abgerissene Bindung zu kitten.

Fans müssen in Kontakt mit Spielern bleiben, sagt Eintracht-Frankfurt-Vorstand Hellmann

„Natürlich müssen wir bereit sein, nach Asien und in die USA zu fliegen. Aber man muss auch Testspiele vor der eigenen Haustür einplanen, damit die Menschen in Kontakt kommen mit den Spielern. Sonst ist es ein reines Distanz- und Medienprodukt, und dann wird es schwer, die Menschen zu erreichen. Wir müssen zu ihnen gehen.“

Eintracht Frankfurt habe daher Programme aufgelegt, in die die Bundesligateams der Männer und Frauen, aber auch die Traditionsmannschaft eingebunden sind. Zur Wahrheit gehört aber auch: Schon vor Corona waren die Profis von der Öffentlichkeit abgeschirmt, in aller Regel stand Geheimtraining auf dem Plan.

Hellmann glaubt, das sagte er unlängst im vereinseigenen Podcast, dass „es eine Zeit braucht, bis die breite Emotionalität alle wieder so erfasst hat, wie es vorher war“. Auch die Eintracht spürt die wachsende Distanz extrem. Der Klub hatte in dieser Saison, als zeitweise wieder mehr Publikum erlaubt war, große Probleme, die Fans zu mobilisieren. Gegen Union Berlin kamen nur 24.000 Zuschauende ins Stadion – 40.000 wären erlaubt gewesen.

Eintracht Frankfurt (SGE) hat „den Draht zur Basis nie abreißen lassen“

Hellmann ist gleichwohl der Überzeugung, dass die Eintracht irgendwann nach Corona wieder in einem ausverkauften Waldstadion spielen wird. „Wenn es ein Klub schafft, diese Emotionalität wieder zu wecken, dann die Eintracht. Wir haben den Draht zur Basis nie abreißen lassen.“ Die Eintracht werde es schaffen, „Stück für Stück wieder eine Vollauslastung des Stadions zu bekommen, aber das wird kein Selbstläufer und nicht auf Knopfdruck passieren.“

Für das Produkt Bundesliga, das betont Hellmann gebetsmühlenartig, sei die vorherrschende Langeweile an der Spitze Gift. „Wenn wir in neun Jahren und wahrscheinlich auch im zehnten Jahr denselben deutschen Meister haben, wird das im Ausland nicht mehr als spannender Wettbewerb wahrgenommen.“

Eintracht-Vorstand bedauert Abstieg von Traditionsvereinen

Auch den Abstieg der Traditionsvereine wie Schalke 04, Werder Bremen oder den Hamburger SV mit ihrer großen Emotionalität und den immensen Reichweiten beklagte er schon mehrfach. „Dass diese Zugpferde nicht mehr in der Bundesliga spielen, ist schmerzlich.“ Gleichwohl wolle er damit nicht die Leistung der sogenannten Kleinen herabwürdigen. „Jeder, der sich für die Teilnahme an der Bundesliga sportlich qualifiziert, hat den größten Respekt verdient.“ (Ingo Durstewitz)

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