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Kaum zu bremsen auf seiner neuen Position: Filip Kostic (re.)

Eintracht gegen VfB

Der Wachmacher

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Auf Eintracht Frankfurt wartet beim VfB Stuttgart eine ähnliche Partie wie in Nürnberg.

Reichlich Betrieb herrschte am Mittwoch auf dem Stadiongelände im Stadtwald, und das lag nicht daran, dass die Profikicker von Eintracht Frankfurt nach einem freien Tag wieder den Ball rollen ließen. Viel mehr war der äthiopische Premierminister Abiy Ahmed im Rahmen seines Deutschlandbesuchs zu einer Kundgebung ins Stadion gekommen und hatte zu seinen schätzungsweise 20 000 Landsleuten gesprochen. Bis dahin freilich hatte die Eintracht ihr Tagwerk weitgehend erledigt; ohnehin ist der Fokus schon längst auf den morgigen Freitag gerichtet, dem zweiten Auswärtsspiel hintereinander, gegen den VfB Stuttgart, um 20.30 Uhr. 

Es ist keine ganz leichte Aufgabe, in diesen Tagen in Stuttgart zu spielen, wo derzeit einiges schiefläuft und bereits der zweite Trainer das Sagen hat. Markus Weinzierl hat jetzt nach zwei Partien das Ruder des schwächelnden VfB nicht wirklich herumreißen können, zwei 0:4-Klatschen gegen Borussia Dortmund zu Hause und bei der TSG Hoffenheim haben die Brüste der Schwaben nicht gerade schwellen lassen. Allerdings muss man auch die Frage stellen, ob es von Seiten der Stuttgarter angesichts dieser Aufgaben besonders geschickt war, ausgerechnet vor solch zwei Brocken den Trainer zu wechseln. Ein bisschen ist Weinzierl also schon verbrannt. 

Als gesichert gilt aber auch: Will der Verein für Bewegungsspiele, aktuell Tabellenletzter mit fünf Punkten und 6:21 Toren, den Anschluss nicht frühzeitig verlieren, sollte am Freitagabend schon ein Sieg her. Wenn nicht gegen Eintracht Frankfurt zu Hause, gegen wen dann sonst? Zumal die Hessen in der Vergangenheit zuweilen bestens dazu getaugt haben, schwächelnde und schwer beladene Klubs selbstlos auf die Beine zu helfen, gerne in Stuttgart. Etwa im März 2015, als die extrem abstiegsbedrohten Schwaben trotz 1:0-Führung der Hessen noch mit 3:1 siegten - und noch heute nicht wissen, wie das passieren konnte. Armin Reutershahn, seinerzeit Co-Trainer beim VfB, sagte später: „Wir waren doch so gut wie abgestiegen.“

Nun steht da mittlerweile eine andere Eintracht-Mannschaft mit einer anderen Mentalität auf dem Rasen, eine Mannschaft, die beißt, nicht aufgibt und bis zum Schluss alles in die Waagschale wirft. Bestes Beispiel war die jüngste Partie gegen Neuling 1. FC Nürnberg. Trotz schwächerem Spiel und knapper Regenerationszeit raffte sich das Team noch zu einem Schlussspurt auf, der mit dem späten 1:1-Ausgleich belohnt wurde. 

Und: Allenthalben und an vorderster Front von Torwart Kevin Trapp wurde nichts beschönigt, wurde Klartext geredet und Selbstkritik geäußert. Und wenn sich der Schlendrian nach fünf Pflichtspielsiegen in Folge eingeschlichen haben sollte, so kann die Partie in Nürnberg durchaus auch als Wachmacher interpretiert werden: Mit angezogener Handbremse kommen die Hessen nicht zum Erfolg, sie müssen ihn sich schon hart erarbeiten.

Und mit einiger Gewissheit können die Frankfurter davon ausgehen, dass der VfB Stuttgart in puncto Leidenschaft und Einsatzbereitschaft dem 1. FC Nürnberg in nichts nachstehen wird. Eintracht Frankfurt sollte also gewarnt sein. 

Selbst wenn ein Sieg in Nürnberg verpasst wurde, so ist die Ausgangslage der Hessen weiterhin gut; ein Erfolg in Stuttgart würde die Frankfurter im oberen Drittel halten, noch immer surft die Mannschaft auf einer Welle, und der Blick ist eher nach oben denn nach unten gerichtet. Und: Es liegen mittlerweile Welten zwischen der Eintracht-Mannschaft, die zu Beginn der Saison (noch mit Viererabwehrkette) agierte und jener Mannschaft, die ab Mitte/Ende September zu einem kleinen Höhenflug ansetzte. Die Umstellung auf Dreierkette und die nahezu ungebremste Wucht einer trefflichen Angriffsreihe, die für Furore sorgt, sind die entscheidenden Gründe für den Frankfurter Flow. 

Dazu gehört aber auch die Entdeckung Filip Kostic, der sich auf seiner neuen Position, links hinten, zu einem echten Aktivposten entwickelt hat. Seit der Partie gegen RB Leipzig, als er der blanken Not gehorchend, erstmals Linksverteidiger spielte, liefert der als launenhaft verschriene Serbe prima Leistungen ab, vor allem überzeugt der gelernte Angreifer in der Defensive - und das ist die eigentliche Überraschung. Schließlich kann der Mann, aus der eigene Abwehr kommend, bei Gegenstößen seine Schnelligkeit bestens einbringen. „Ich brauche eben eine gute Mannschaft, um mein Spiel zu machen. Und die habe ich jetzt“, stichelte er jetzt in „Sportbild“ gegen seine alten Klubs Hamburger SV und – VfB Stuttgart. Für Kostic, der 2014 vom damaligen VfB-Boss Fredi Bobic nach Stuttgart geholt wurde, ist es auch eine Reise in die Vergangenheit. Und keine, die mit schönen Erinnerungen verbunden ist - mit Stuttgart stieg er ab.

Seinerzeit im März 2015 übrigens sorgte Kostic für den Umschwung: Er kam ins Spiel, als der VfB noch 0:1 hinten lag. 

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