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Danny Da Costa (l) freut sich über sein Tor zum 1:0.

Eintracht gegen Leverkusen

Nur im Vorwärtsgang

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen liefern sich ein faszinierendes Offensivspektakel, weil beide Teams mit offenem Visier kämpfen

Es lief schon längst die vierminütige Nachspielzeit, als Kevin Volland den Ausgleich zum 2:2 auf dem Fuß hatte. Eigentlich lässt sich der frühere Nationalspieler solch eine Gelegenheit nicht entgehen, gerade gegen Eintracht Frankfurt pflegt der Leverkusener Stürmer gerne zu treffen. Doch er hatte da, Sekunden vor dem Ende, die Rechnung ohne Kevin Trapp gemacht: Wie ein Panther schnellte der Torwart der Eintracht auf den Ball zu, reaktionsschnell warf er sich in den Schuss und wehrte ihn tatsächlich noch ab. Kurz darauf war eine unglaublich packende, hochinteressante Partie zu Ende: Eintracht Frankfurt hatte Bayer Leverkusen mit 2:1 (1:0) in die Knie gezwungen. „Es war ein absolut tolles Fußballspiel“, resümierte Eintracht-Trainer Adi Hütter hinterher. Und hatte absolut Recht.

Und doch war es eine letzte Volte in einem faszinierenden Spiel, dass ausgerechnet der Frankfurter Schlussmann zum entscheidenden Mann avancierte. Ein Torwart, der den Unterschied machte in einem Spiel, das hin und her wogte und gut und gerne auch 5:3 oder 6:4 hätte ausgehen können - und keiner hätte sich gewundert. „Das Spiel stand immer Spitz auf Knopf“, ließ sich hinterher Eintracht-Sportvorstand vor den Kameras von Sky aus. „Wir haben unheimlich viel Mentalität gezeigt.“

Offener Schlagabtausch

Es war ein Spiel, das man lange nicht mehr im Stadtwald gesehen hatte, ein offener Schlagabtausch zwischen zwei Mannschaften, die mit offenem Visier kämpften. Es war genau das Offensivspektakel, das sich alle von dieser Partie erhofft hatten. Abwarten? Abtasten? Verhalten? Nichts da. Von der ersten Minute an gab es für beide Teams nur eine Richtung: nach vorne, dort, wo des Gegners Tor steht. Beide Mannschaften suchten von Anfang an ihr Heil in bedingungsloser Offensive, Angriff ist die beste Verteidigung - nach diesem Motto verfuhren beide Mannschaften, und heraus kam ein feines Offensivspektakel. Es war die reine Lust, diesen beiden Teams bei der Arbeit zuzusehen, eine Demonstration mutigen, attraktiven Fußballs.

Dass beide Klubs noch am Donnerstag international unterwegs gewesen waren, fiel überhaupt nicht ins Gewicht - es wurde von Anfang an Vollgas gegeben. Vor allem die Hessen attackierten ständig, gingen immer wieder vorne drauf, ließen den Leverkusenern keine Sekunde Ruhe. „Heute haben wir ein super Spiel gemacht“, fand auch der kleine Mijat Gacinovic Gefallen an den 90 Minuten Powerfußball. „Wir haben so gespielt wie wir auch in Zukunft spielen müssen. Dann können wir jeden schlagen.“ Am Mittwoch reisen die Frankfurter, mittlerweile mit drei Punkten Vorsprung auf Platz fünf gelistet, nach Mainz, am kommenden Samstag kommt der FC Bayern München ins Stadion.

Eines der größten Komplimente zollte ausgerechnet Bayer-Trainer Heiko Herrlich. „Wir haben gegen eine Topmannschaft gespielt, die gefühlt ihre beste Saison seit Jahren spielt.“ Auch er sprach wie Hütter von einem gerechten Ergebnis. „Die Frankfurter waren einen Tick aggressiver als wir.“

Torschrei auf den Lippen

Es war noch keine Minute gespielt, da hatten die Frankfurter Anhänger schon den Torschrei auf den Lippen. Ante Rebic, brillant von dem früh verwarnten Jetro Willems auf die Reise geschickt, stand zentral vor dem Tore, das vom ehemaligen Frankfurter Lukas Hradecky gehütete wurde, doch der Kroate konnte sich nicht zu einem Schuss entscheiden, er wollte Sebastien Haller in Szene setzte, doch seine Hereingabe wurde abgeblockt. Es war das der Auftakt zu einem wahren spielerischen Feuerwerk. Dass es nach 45 Minuten lediglich 1:0 für die Eintracht stand, war eigentlich ein Witz, 4:2 oder 5:3 wäre das angemessenere Ergebnis gewesen. Weil beide nur den Vorwärtsgang kannten, gab es natürlich auch große Lücken in der Defensive.

Praktisch im Minutentakt gab es Torchancen, auf beiden Seiten. Die Eintracht hatte mehr vom Spiel, war die Mannschaft mit mehr Ballbesitz, Bayer Leverkusen agierte einen Tick defensiver und lauerte immer wieder auf Konter. Allein Julian Brandt scheiterte mit seinen Versuchen (15. und 18.) jeweils an Kevin Trapp. Dazu wurde ein Treffer von Karim Bellarabi (19.) nach Videobeweis wegen Abseits von Aleksandar Dragovic zu Recht nicht gegeben. Auf der anderen Seite hätten der dieses Mal auch offensiv starke Gelson Fernandes (12.) treffen können oder Haller (21.). Der Führungstreffer von Danny da Costa, bei Bayer Leverkusen fußballerisch groß geworden, stand sinnbildlich für das spielerische Potenzial der Hessen. Über acht Stationen lief der Ball, ehe der Rechtsverteidiger die Kugel nach Vorarbeit von Willems und Filip Kostic über die Linie drückte. Und der überragende Kostic war es auch, der nach 57 Minuten nach Vorarbeit von Haller das 2:0 besorgte.

Im Grunde musste sich Eintracht Frankfurt nur vorwerfen lassen, nicht noch das dritte und damit beruhigende Tor erzielt zu haben. Möglichkeiten dazu hatten sie in Hülle und Fülle, vor allem Ante Rebic ließ für einen Stürmer seiner Klasse zu viele Gelegenheiten aus. Und deshalb geriet der Sieg nach dem Anschlusstreffer von Karim Bellarabi (65.) am Ende, als Herrlich seine komplette Offensivabteilung aufs Feld schickte, noch mal ins Wanken.

Die Eintracht hat mit diesem Sieg auch ihr kleine Delle ausgebeult. Dabei spielte der Erfolg im eigentlich unwichtigen Spiel am Donnerstag bei Lazio Rom eine große Rolle. „Das war eine Initialzündung“, sagte Danny da Costa, „diesen Schwung haben wir mitgenommen, dieser Sieg nach einem Rückstand hat uns gut getan“. Und jetzt sieht der Rechtsverteidiger auch den beiden letzten Partien „sehr optimistisch“ entgegen. „Wir haben eine sehr gute Mannschaft und sehr viel Qualität.“ Vor allem nach vorne. Und hinten steht im Ernstfall halt noch Kevin Trapp.

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