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Kein Durchkommen: Die Eintracht errumpelt sich 2015 ein 0:0.

Es war einmal

Mit dem Bus vors Tor

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Eintracht-Trainer Veh begegnet den Bayern mit totaler Defensive, ermauert einen Punkt und ruft schon früh den Abstiegskampf aus.

Johannes Flum war es, der clevere und nette Flumi, der einen doch recht gewagten Vergleich anstellte. „Es ist wie das magische Dreieck früher in Stuttgart mit Balakow, Elber und Bobic. Jetzt haben wir die drei da vorne.“ Die Eintracht war gerade, im Spätsommer 2015, mit 4:1 über den VfB Stuttgart und 6:2 über den 1.FC Köln hinweggefegt, die drei da vorne, das waren Alex Meier, Haris Seferovic und Luc Castaignos, sie wirbelten die Bundesliga durcheinander, und auch der wortgewaltige Marco Russ war mal wieder von den Socken: „Die drei sind eine Gewalt da vorne. Haris hält die Bälle unfassbar gut. Luc ist raketenschnell. Und über Alex muss man ja nicht mehr groß reden.“ Nun ja. Das mit dem magischen Dreieck ist ja aktuell wieder schwer in Mode, das damalige Dreigestirn, zumal mit einem doch eher limitierten Stürmer wie Castaignos, in diesen Rang zu heben, war vielleicht etwas voreilig, nahezu absurd. 

Es hat dann auch nicht lange gedauert, nicht mal sechs Wochen, da waren die Frankfurter entzaubert, von Magie keine Spur mehr, Tristesse hatte sich über den Stadtwald gelegt. Und Trainer Armin Veh, der mit großen Ambitionen in den Schoß seiner alten Liebe zurückgekehrt war, rief nach dem blamablen Pokal-Aus bei Erzgebirge Aue den Abstiegskampf aus. „Wir müssen darum kämpfen, drei Mannschaften hinter uns zu lassen“, sagte Veh. Das kam doch einigermaßen überraschend. „Ich sehe, was wir gezeigt haben, und ich sehe, welche Aufgaben noch vor uns liegen. Wir wollen mehr, können aber nicht. Wir sind nicht stabil. Und große Sorgen mache ich mir, weil wir ganz wenige Torchancen herausspielen“, befand der Coach. „Die Krise bei Eintracht Frankfurt“, schrieb die FR, „scheint größer als gedacht, wenn die Ziele des Klubs, die deutlich höher gesteckt waren, bereits nach zehn Spieltagen so radikal nach unten korrigiert werden müssen.“ Und dann, mitten hinein in diese sich dem Tiefpunkt nähernde Stimmung, kam ausgerechnet der FC Bayern nach Frankfurt. 

Veh wählte, nur drei Tage nach der „beschämenden Leistung“ im Pokal in Aue, eine Taktik, die so gar nicht seinem Naturell entsprach: Er parkte, mal salopp formuliert, den Mannschaftsbus vor dem eigenen Tor, verbarrikadierte den Kasten mit allem, was sich bewegen konnte. Das Endergebnis war ein 0:0, immerhin. Die Eintracht war die einzige Mannschaft, die den Bayern einen Punkt abnehmen konnte. Doch die Art und Weise war bedenklich, sehr viel destruktiver und defensiver kann eine Mannschaft nicht spielen. „Das ist ja kein Fußball“, motzte Arturo Vidal. 

Armin Veh war derweil stinksauer über die Stimmung, die im Umfeld erzeugt wurde. „Ich weiß nicht, ob man Sechster, Siebter oder Fünfter werden muss. Das ist mir zu krass hier. Das ist wie eine Glocke auf der Mannschaft. Es ist gefährlich, eine solche Stimmung zu erzeugen, die meiner Mannschaft nicht gut tut. Wenn man unbedingt will, dass wir unter die letzten Drei rutschen, dann ist man da auf einem guten Weg“, zischte er mit beißendem Spott in der Stimme. Es klang wie eine Abrechnung. 

Vehs Prophezeiung sollte sich bewahrheiten, die Eintracht rutschte tatsächlich immer weiter ab, hielt die Klasse aber in der Relegation gegen den 1.FC Nürnberg. Veh war da schon lange kein Trainer mehr, zu viele Niederlagen hatten ihm den Job gekostet. Fast schien es, als hätte er es vorher geahnt, im Herbst 2015 schon. 

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