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Zweimal Extraklasse: Filip Kostic (links) und André Silva sind zwei Garanten für den Frankfurter Höhenflug.
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Zweimal Extraklasse: Filip Kostic (links) und André Silva sind zwei Garanten für den Frankfurter Höhenflug.

SGE

Vorne hui, hinten hui: Bei Eintracht Frankfurt passt alles

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Das wuchtige Eintracht-Angriffsspiel ist ein Grund des Aufschwungs, doch den Boden dazu bereitet die immer besser werdende Abwehr

Wer sich dem erstaunlichen Aufschwung der Frankfurter Eintracht nähert und ihn ergründen will, bleibt sofort an den Entfesslungskünstlern in der Offensive hängen. Ganz klar. Da wird dann André Silva bedacht, der in dieser Saison schon beachtliche 17 Treffer und nach dem Restart in zehn Partien acht Tore erzielt hat. Der 25 Jahre alte Portugiese, Marktwert mittlerweile 37 Millionen Euro, gehört zu den Toptorjägern Europas, er wird im Sommer nur schwer zu halten sein, wenn die europäischen Topklubs mit fettem Salär locken. Die Eintracht würde dann aber, Corona hin oder her, rund 30 Millionen Euro einstreichen können.

Ähnliches gilt für Filip Kostic, der Wuchtbrumme auf links, der kaum zu stoppen ist für die Gegenspieler und in der derzeitigen Verfassung der stärkste Kostic ist, den es je gab. „Ich würde sagen, dass die aktuelle Phase meine beste ist“, sagt er selbst. Der Serbe mit Vertrag bis 2023 wird dieses Jahr 29, für ihn ist ein Wechsel nach dieser Saison vielleicht die letzte Chance, ans ganz große Geld zu kommen. Auch da würde die Eintracht richtig abkassieren. Der Frankfurter Bundesligist hat vorsorglich schon mal Christopher Lenz von Union Berlin verpflichtet – als Backup oder Ersatz?

Oder man spricht von Luka Jovic, den Starspieler von Real Madrid, der immer noch nur Joker ist und diese Rolle professionell annimmt. Oder von Amin Younes, 27, den klugen Dribbler mit den fiesen Haken, der im richtigen Leben so erfrischend lebendig und putzmunter ist wie auf dem Spielfeld.

Oder von Daichi Kamada, den filigranen Japaner, der immer so ein bisschen zwischen Genie und schlampertem Genie wandelt, momentan aber wieder für die Geistesblitze zuständig ist. Der Pass des 24-Jährigen am vergangenen Sonntag in Hoffenheim vor dem 3:1 auf Filip Kostic war eine Augenweide, „zum Niederknien“, wie die FR schrieb.

Den Boden im defensiven Mittelfeld bereiten der nicht alternde Makoto Hasebe mit seinem strategischen Geschick sowie der aufdrehende Marathonmann Djibril Sow.

Herauskommt, bitte sehr, eine explosive Mischung, ein Angriffsspiel voller Finesse, Wucht und Unberechenbarkeit. Das wiederum mündet in einem wundersamen Lauf und 25 Toren in den letzten neun Begegnungen, mehr als alle anderen, mehr als die Bayern (23).

Was so ein bisschen untergeht im Jubel-Trubel-Heiterkeit-Frankfurt, ist die Leistung der Defensivakteure. Die haben sich in neuer Konstellation nämlich ebenfalls gefunden und überzeugen durch rechtschaffene und beharrliche Abwehrarbeit.

Martin Hinteregger hält den Laden zusammen. Coach Adi Hütter hält größte Stücke auf seinen Landsmann, sieht in ihm einen Spieler auf Champions-League-Niveau. Der 28-Jährige, kein aalglatter Typ, wächst an seinen Aufgaben und steigt in der Hierarchie auf. „Die Mannschaft und der Trainer fordern von mir, mehr Verantwortung zu übernehmen“, sagt er. „Das spornt mich an. Je mehr Verantwortung ich habe, desto besser bin ich.“ Auch fußballerisch ist der Helikopterpilot und passionierte Ziehharmonikaspieler gut dabei, seine langen Diagonalbälle sind gefürchtet, mittlerweile spielte er auch scharfe, flache Pässe vertikal durchs Mittelfeld.

„Witzige Konstellation“

An seiner Seite blüht der junge Franzose Evan NDicka auf, noch so ein Verkaufskandidat, der auf dem Zettel einiger Topklubs steht. Hütter war es noch im alten Jahr ein tiefes Bedürfnis, den talentierten Linksfuß einzubauen, weil so viel Potenzial einfach nicht auf der Bank versauern dürfe und die Eintracht mit ihm auch irgendwann mal viel Geld verdienen möchte. Ndickas Marktwert beträgt 22,5 Millionen Euro – in dieser Größenordnung dürfte sich auch eine etwaige Ablösesumme bewegen.

Ndicka hat sich enorm weiterentwickelt, er dreht, das ist entscheidend, mittlerweile stets nach vorne auf, wenn er hinten den Ball bekommt. Das heißt, er denkt offensiv, will mitgestalten und den Ball verteilen. „Es hat mich gestört, wenn er zögerlich und verhalten gespielt hat“, sagt Trainer Hütter. Es hat einige Zeit gebraucht, um die neue Denkweise zu verankern, vorher hat er, und nicht nur er, den Ball häufiger quer oder zurück zu Torwart Kevin Trapp gespielt.

Das hat natürlich auch mit gewachsenem Selbstvertrauen und dem aktiven Spielstil der Mannschaft zu tun. Ndicka ist deutlich offensiver als früher, marschiert mit nach vorne, sein „Durchbruch im Spiel gegen Schalke war genial“, sagt Hütter. Und in Hoffenheim machte er prompt sein erstes Saisontor per Kopf, das wichtige 2:1. „Überragend“, lobt Nebenmann Hinteregger. „Hut ab.“

Und dann ist da ja noch der Brasilianer Tuta, ebenfalls 21, der den abgewanderten Kapitän David Abraham tadellos ersetzt hat. Das war in dieser Form nicht zu erwarten und hat selbst die Sportliche Leitung ein wenig überrascht. „Ich habe eine Riesenfreude daran, wie schnell das ging“, sagt Hütter.

Martin Hinteregger findet die neue Abwehrkette ungewöhnlich, aber ganz dufte. „Ein Franzose, ein Brasilianer und ein Österreicher – das ist eine witzige Konstellation“, sagt er. „Aber wir verstehen uns richtig gut und vertrauen uns zu 100 Prozent.“

Das führt dazu, dass die Eintracht in den letzten acht Partien nur noch sieben Tore gefangen hat (zuvor 22 in zwölf Partien) und Keeper Kevin Trapp, immerhin Nationaltorwart, sich nur selten auszeichnen kann. Das Spiel findet ja auch meistens in der Hälfte des Gegners statt.

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