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Vor dem Eröffnungsspiel: Warten auf weißen Rauch

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Von: Daniel Schmitt

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Eintracht Frankfurt strotzt vor Selbstvertrauen, freut sich auf den „coolen Auftakt“ gegen die Bayern und danach gegen Real Madrid. Trainer Oliver Glasner feilt noch an der Formation

Frankfurt – Bereits vor dem zweiten Pflichtspiel der Saison, und dem ersten, in dem wohl wirklich alle Frankfurter Fußballer unbedingt in der Startelf stehen möchten, schließlich geht es am Freitag (20.30 Uhr/Sat 1 und Dazn) in der Bundesliga gegen die Nonplusultra-Bayern, bekommt Eintracht-Frankfurt-Trainer Oliver Glasner eine komplizierte Denksportaufgabe gestellt. Wen aufstellen? Wen auf die Bank setzen? Den Pokalsiegern von Magdeburg vertrauen? Oder doch lieber die Mannschaft an die Gegebenheiten, den stärksten Gegner des Landes, anpassen?

Im Grunde geht es um die Besetzung des defensiven Mittelfelds, das so prächtig harmonierte in der ersten DFB-Pokalrunde gegen den einige Freiräume lassenden Zweitligisten. Djibril Sow als Stratege und Daichi Kamada als Spielmacher aus der Tiefe wussten Seite an Seite zu überzeugen – gerade der Japaner in allerbester Alex-Meier-Manier mit seinem mit der Innenseite erzielten Doppelpack.

In toller Frühform: Daichi Kamada.
In toller Frühform: Daichi Kamada. © IMAGO/Jan Huebner

Passt Eintracht Frankfurt die Aufstellung an den Gegner an?

Doch nun wartet ein anderer Gegner, eine höhere Qualität, die Münchner Offensivspieler halten sich ja gerne im Mittelfeldzentrum auf, rochieren viel, stiften Verwirrung beim Gegner. Wie dem also begegnen? Sebastian Rode, der Eintracht-Kapitän, der in seinem bisher letzten Pflichtspiel in Sevilla nicht weniger als eine Weltklasseleistung bot, scheint ein würdiger Widerpart.

Geschont im DFB-Pokal könnte er mit voller Kraft – zumindest bildlich gesprochen - die Bayern roden, sie zu Fall bringen. Glasner müsste dann aber auf einen seiner offensiver denkenden Profis verzichten, entweder ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub auf Mario Götze, was schwer vorstellbar ist, oder auf einen der beiden Besten der bisherigen fünf Wochen, Daichi Kamada und Jesper Lindström. Da will man nicht in der Haut des Trainers stecken. Einerseits. Andererseits. Haben sie sich ja alles selbst eingebrockt, die Frankfurter Macher. Müssen sie halt durch. Werden sie auch schaffen.

„Zum Glück“, sieht es Glasner von der positiven Seite, „muss ich nicht grübeln, wen ich überhaupt aufstellen kann.“ Da habe er genügend Auswahl, auch Kristijan Jakic sei noch ein Kandidat für die erste Elf, zudem eine Umstellung auf ein 3-5-2-System. „Viele Spieler sind sehr früh in sehr guter Form“, so Glasner, der mit sich, seinen Trainerkollegen und dem Analyseteam noch einmal die Köpfe rauchen lassen werde, um die erfolgsversprechendste Formation zu wählen, „und dann wird am Freitag irgendwann weißer Rauch aufsteigen“.

Eintracht Frankfurt: Ein Spiel fürs Fußballherz

Oliver Glasner macht in diesen Tagen einen gelassenen wie konzentrierten Eindruck, den Hype um die Eintracht nach ihrem internationalen Titel nimmt er natürlich sehr stark wahr, versucht ihn aber seit Vorbereitungsbeginn mehr und mehr in den Hintergrund zu drücken. „Hype hin oder her“, dies habe für Freitag keine Bedeutung. Die Vorfreude auf das Eröffnungsspiel ist dem 47-Jährige anzumerken, ja auch deutlich vernehmbar in seinen Worten: „Freitagabend, Primetime, ein Spiel gegen den deutschen Meister – Fußballherz, was willst du mehr?“ Selbst die Österreicher, so der Österreicher Glasner mit einem Lächeln im Gesicht, „bekommen das mit“.

Glasners Bilanz gegen die Münchner ist ausbaufähig. Sechsmal stand er gegen den FCB an der Seitenlinie, fünfmal gab es Niederlagen. Lediglich im vergangenen Herbst gelang mit Glück und Geschick, auch einer funktionierenden Taktik, ein Überraschungscoup. Doch die Zeiten haben sich geändert, vor allem bei der Eintracht, die natürlich weiterhin der Außenseiter ist, aber nicht mehr ganz so klar wie vor einigen Monaten. Der Europa-League-Sieg wirkt nach, die Spieler strotzen vor Selbstvertrauen, sind gefühlt schneller und größer als vor dem magischen Abend in Sevilla. Und die qualitativ guten Neuzugängen kommen obendrauf. „Wir hissen nicht vorher die weiße Fahne“, sagt Glasner, der den schwierigen Auftakt gegen die Bayern und im Supercup gegen Real Madrid als Lohn für die Arbeit und Ansporn fürs zukünftige Werkeln ansieht. München und Madrid? „Ganz cooler Auftakt.“ In der Tat.

Eintracht Frankfurts Trainer Glasner kennt Mané gut

Bei den Bayern trifft Glasner auf einen alten Bekannten, einen Weltstar, mit dem er einst zusammenarbeitete, als dieser noch nicht der global vermarktbare Fußballer war: Sadio Mané, die neue Attraktion der Liga. Als Co-Trainer von Roger Schmidt arbeitete Glasner mit Mané von 2012 bis 2014 in Salzburg zusammen. Die Erinnerungen beim Frankfurter Fußballlehrer sind noch präsent: „Er hatte unglaublich viel Talent, war sehr ehrgeizig. Eine solche Weltkarriere aber ist nicht immer vorhersehbar“, so Glasner, der sich auch daran erinnerte, dass Mané lieber Englisch statt Deutsch lernen wollte, um sich vorzubereiten auf einen Wechsel in die Premier League. Mit Erfolg.

Alles in allem sei der Transfer der Bayern gut für die Liga. „Jemandem vom FC Liverpool loszueisen, spiegelt die Attraktivität der Bundesliga wider.“ Trotz des Abgangs von Robert Lewandowski hätten die Bayern, die Glasner wenig überraschend für den Titelanwärter Nummer eins hält, kaum an Qualität verloren. „Wenn du fünf Tore gegen Leipzig im Supercup schießt, zeigt das, dass du nicht von Lewandowski abhängig bist.“ Es werde jedenfalls eine „richtig knifflige Aufgabe“. Aber auch eine schöne.

Dabei wohl wieder nicht zum Eintracht-Kader wird Jens Petter Hauge zählen. Der Offensivspieler hinkt hinter der internen Konkurrenz her, die Eintracht wäre nicht abgeneigt, dem Norweger mit einer Leihe zu mehr Spielpraxis zu verhelfen. Erst im Sommer war Hauge per verbindlicher Kaufoption für fast zehn Millionen Euro verpflichtet worden. Sein Vertrag läuft noch vier Jahre. Zudem stehen gegen die Bayern die drei Sommerzugänge Aurelio Buta, Jerome Onguene und Hrvoje Smolcic nicht zur Verfügung. Buta und Onguene sind verletzt, Smolcic wie schon im DFB-Pokal gesperrt. Er hatte in der kroatischen Liga zuletzt eine Gelbsperre aufgebrummt bekommen, die nicht verfällt, sondern auch in der Bundesliga abgesessen werden muss. Sachen gibt’s. (Daniel Schmitt)

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