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Dynamisch und einfach gut: Christian Günter. dpa
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Dynamisch und einfach gut: Christian Günter. dpa

Eintracht-Gegner SC Freiburg

Christian Günter: Vom Grünschnabel zur Wuchtbrumme

  • Jakob Böllhoff
    VonJakob Böllhoff
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EM-Fahrer Christian Günter verkörpert wie kaum ein anderer die Werte des SC Freiburg.

Christian Günters erstes Länderspiel ist nicht als Freudenfest in die Annalen des Deutschen Fußball-Bundes eingegangen. Es war ein Test vor der WM 2014, als der Freiburger Fußballprofi beim 0:0 gegen Polen debütierte, wie zehn andere Nationalspieler. Ein gelangweiltes Hamburger Publikum pfiff die jüngste Startelf der deutschen Länderspielgeschichte (21,87 Jahre im Schnitt) gnadenlos aus, und hinterher schrieb der „Kicker“ von einem „bedenklichen Etikettenschwindel“, die „Welt“ vom „absurdesten Länderspiel des Jahres“ und die Frankfurter Rundschau, etwas milder, vom „müden Schaulaufen der Grünschnäbel“.

Günter, damals 21 Jahre alt, ist es natürlich nicht schwer gefallen, all das nicht persönlich zu nehmen. Aushalten - das ist einer der Punkte, die sein Freiburger Trainer Christian Streich nennt, wenn er über den Werdegang seines Linksverteidigers sprechen soll. „Er hat Phasen ausgehalten, wo es bei ihm noch nicht gut lief. Er hat immer an sich geglaubt, aber immer auch extrem an sich gearbeitet, und das ist der Grund, warum er steht, wo er jetzt steht.“ Mitten in einer stattlichen Profikarriere nämlich und im deutschen Kader für die anstehende Europameisterschaft.

Günter, 28 Jahre alt inzwischen, hat einen langen Anlauf genommen bis hierhin. Von seinem Heimatklub FV Tennenbronn wechselte der Schwarzwälder mit 13 in die Jugendabteilung des SC Freiburg. Durchlief alle Jugendteams, und obwohl der Mann, den in Freiburg alle nur Günni nennen, noch in der B-Jugend häufig auf der Bank saß, hörte man alsbald das typische Raunen in der Nachwuchsakademie: Da ist einer, der schafft’s, der schafft’s nach oben.

Sie waren sich eben sicher. „Da sieht man mal wieder“, sagt Christian Streich, der Günter von Anfang an begleitete, als Leiter des Talentzentrums, als Trainer in der U19, ab 2012 schließlich im Profiteam: „Mentalität, Einstellung und Durchhaltevermögen schlagen Talent.“ In der Jugend pendelte Günter aus Tennenbronn nach Freiburg, 1:15 Stunde pro Weg; nach seinem Realschulabschluss absolvierte er in St. Georgen eine Ausbildung zum Industriemechaniker.

Verehrer bei den Bayern

Es ist auch diese Vita, die ihn zu einer Verkörperung seines Klubs werden ließ, der wie Günter für Bodenständigkeit, Fleiß, Loyalität steht. In der A-Jugend wollte ihn FC-Bayern-Manager Christian Nerlinger nach München holen, und Günter war stolz, lehnte aber ab mit Verweis auf seine Freiburger Verpflichtungen. Seinen Vertrag beim Sport-Club hat er jüngst wieder verlängert, obwohl auch größere Klubs Interesse hatten am dynamischen Außenbahnspieler. Es sei ein Privileg, in der Heimat Profifußballer sein zu können, betonte Günter, der beim Sprechen genau so klingt, wie man das von einem Schwarzwälder erwartet und also einer jener Menschen ist, die sich bei Jogi-Löw-Imitationen nicht die Zunge verknoten.

Günters EM-Nominierung mag überraschen, unlogisch ist sie nicht. Er hat mit seinen Tempoläufen über den Flügel, seiner Power maßgeblichen Anteil daran, dass die Freiburger den starken achten Platz der vergangenen Saison in dieser Saison wiederholen könnten. Sogar Rang sieben und damit die Conference League wäre noch drin, würde das Streich-Team in Frankfurt gewinnen, während Mönchengladbach, Union Berlin und der VfB Stuttgart gleichzeitig patzen.

Sehr wahrscheinlich ist das nicht. Aber irgendwie würde es gerade passen, zum SC Freiburg und zu Christian Günter, der nie verletzt ist und neuerdings sogar Tore schießt, drei in den vergangenen fünf Spielen, zuletzt nach einem unnachahmlichen Sprint beim 2:2 gegen den FC Bayern. Dort hat er weiterhin Verehrer, die auch seiner zukünftigen Karriere beim DFB zuträglich sein könnten. Beeindruckend, wie Günter „die linke Außenbahn rauf- und runtermarschiert, defensiv Zweikämpfe gewinnt und sich immer wieder vorne einschaltet, die Flanke oder den letzten Pass spielt“, sagte FCB-Coach Hansi Flick, Löws designierter Erbe als Bundestrainer nach der Europameisterschaft.

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