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Beschwingten Schrittes unterwegs: Axel Hellmann.

Eintracht Frankfurt

Mit Vollgas in die Zukunft

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Neuer Vermarktungschef Arnfried Lemmle verspricht: "Einige werden mit den Ohren schlackern."

Der Neuzugang von der TSG Hoffenheim, in feinen Zwirn gewandet, ist keiner, der sich in der Defensive verschanzt. Das Gegenteil ist der Fall, und das machte Eintracht-Vorstand Axel Hellmann recht schnell deutlich: „Er kommt über die Vorwärtsverteidigung.“

Das kann man so sagen, auch wenn es natürlich metaphorisch gemeint war. Arnfried Lemmle, neuer Bereichsleiter Sales und Marketing des Bundesligisten aus dem Hessischen, gab denn auch gleich mal die Richtung vor, in die er den Verein in Zukunft schieben will. „Ich denke, Eintracht Frankfurt wird in den kommenden Monaten und Jahren extrem aufhorchen lassen.“ Und auch das noch: „Einige in der Liga werden mit den Ohren schlackern, was hier geschieht.“ An Selbstvertrauen mangelt es dem Mann aus Heilbronn nicht. 

Lemmle wird ein Team anführen, das sich darum kümmern soll, Eintracht Frankfurt ab 2019 in Eigenverantwortung zu vermarkten. Der Vertrag mit dem bisher zwischengeschalteten Vermarkter Lagardère wird im kommenden Sommer enden, eigentlich wäre er noch bis 2020 gelaufen, doch die Eintracht hat sich dazu entschieden, sich ein Jahr früher freizukaufen. Nicht ohne Grund. Der Bundesligist hofft auf diesem Wege, sehr viel mehr Geld für sich abzwacken zu können. Bisher musste die Eintracht aufgrund der 2005 vertraglich vereinbarten Zusammenarbeit jährlich bis zu sechs Millionen Euro an Provision abdrücken. Das wird sie in Zukunft sparen. 

Arnfried Lemmle neuer Vermarktungschef

Natürlich wird sie in Personal und Strukturen investieren müssen, bald werden 30 Mitarbeiter in diesem Bereich ihr Knowhow einbringen, vor kurzem waren es noch deren zwölf. Vorstand Hellmann glaubt, dass per annum rund drei Millionen Euro zusätzlich hängenbleiben werden, aber das soll nicht das Ende der Fahnenstange sein: „Perspektivisch glaube ich an mehr.“ 

Der weitsichtige Marketingvorstand hat diesen Schritt akribisch vorbereitet, seit zweieinhalb Jahren tüftelt er an der Umsetzung. Für ihn ist die Emanzipierung auf diesem Sektor unabdingbar, um den Wettbewerbsnachteil peu à peu ausgleichen zu können. Borussia Mönchengladbach etwa habe in den vergangenen zwölf Jahren pro Jahr sechs bis acht Millionen Euro netto mehr eingenommen, also fast 96 Millionen Euro mehr in die Mannschaft pumpen können. Das ließ sich zumeist auch im Klassement ablesen. 

Fachkraft Lemmle, zuletzt in Hoffenheim tätig, soll die Eintracht noch mal auf ein höheres Level hieven. Zusätzliche Erlöse, befindet er, seien gerade bei der Digitalisierung und Internationalisierung zu erzielen, die klassischen Werbemaßnahmen seien eher ausgereizt. „Es gibt ganz viele Spielfelder“, sagt Lemmle. Es wird in Zukunft um virtuelle Werbung gehen, um neue Märkte, auch E-Sports spielt eine Rolle. Lemmle orientiert sich nicht nur, aber auch an den Vereinigten Staaten, die ihre Sportarten, „etwa die NFL“, herausragend gut vermarkten würden.

In der Eintracht schlummere eine Menge Potenzial, das schon gehoben wurde, aber nicht in dem Maße, in dem es möglich sei. „Da sehe ich eine Riesenchance.“ Er habe schnell gespürt, dass der Klub „von einer wahnsinnigen Leidenschaft beseelt“ sei und „die Marke eine besondere Strahlkraft“ habe. Das sei der Hauptunterschied zur TSG Hoffenheim. „Das hier ist eine andere Dimension.“ Der Verein habe „eine höhere Attraktivität und eine andere Wucht. Für mich ist die Eintracht eine der prominentesten Klubmarken in der Bundesliga.“ 

Dass sich die Kapazität für die Eintracht entschieden habe, erklärt Hellmann mit dem speziellen Reiz. „Er konnte sich dem Eintracht-Magnetismus nicht entziehen“, sagt der 47-Jährige lächelnd. Aber wirtschaftlich sei dieser „Magnetismus noch nicht komplett entfaltet.“ Das ist die Aufgabe von Arnfried Lemmle, der sich dem Projekt voll verschrieben hat und vor allem einer Frage nachgehen will: „Wo gibt es Geschäftsfelder, um den Klub auf eine neue Stufe zu hieven?“ Denn die Ohren der Konkurrenz schlackern ja nicht einfach so.

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