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Hütter mit dem heutigen Leipziger Sabitzer zu Salzuburger Zeiten.

SGE gegen Leipzig

Volle Kapelle gegen den Stress

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Eintracht Frankfurt will in Leipzig ein Abrutschen in der Tabelle verhindern.

Information ist alles, auch in der Fußball-Bundesliga, wo mitunter Drohnen über durch Sichtblenden abgesperrte Trainingsplätze sausen, um die neuesten Neuigkeiten des nächsten Gegners einzufangen. Oder, eher altmodisch, Spione werden, als Kiebitze getarnt, losgeschickt, die letzten Infos herauszufinden, brandheiß natürlich. Adi Hütter, der Trainer von Eintracht Frankfurt, braucht all das nicht, er braucht noch nicht einmal einen Spion. „Ich glaube zu wissen“, sagt der Fußballlehrer einen Tag von dem mal wieder nicht ganz unwichtigen Spiel der Eintracht bei RB Leipzig, „wie RB Leipzig gegen uns spielen will.“

Das hat zum einen damit zu tun, dass RB Leipzig ein Ableger von RB Salzburg ist (oder umgekehrt), und dass Adi Hütter vor gar nicht langer Zeit die Fußballer aus Salzburg zum Double coachte und er folglich eine Reihe von Spielern aus Salzburg, die heute in Leipzig spielen, noch bestens kennt. Kevin Kampl zum Beispiel, auch Marcel Sabitzer, Stefan Ilsanker, Peter Gulacsi oder Konrad Laimer (siehe FR vom 8. Februar), deren Entwicklung er weiterhin verfolgt. Und natürlich gibt es, aller verschlossenen Türen und abgeriegelter Sportanlagen zum Trotz, in der Bundesliga nur noch sehr wenige Geheimnisse. Von daher ist RB Leipzig, angeleitet von Ralf Rangnick, einst auch Mastermind in Salzburg, für Hütter zwar kein offenes Buch, aber überraschen dürften die Sachsen die Frankfurter eigentlich nicht: „Powerfußball, Stressfußball – das ist es, was RB Leipzig auf den Platz bringt.“ Und darauf müsse Eintracht Frankfurt „Antworten finden“.

Leipzig gegen Frankfurt, Vierter gegen Fünfter – das ist „ein richtungsweisendes Spiel“, sagt Adi Hütter. Es geht darum, oben dran zu bleiben, es geht darum, den Abstand zu den Widersachern, deren heißen Atem man spürt, auf Distanz zu halten, es geht darum, nicht abzurutschen und ins Hintertreffen zu geraten. Das ist nicht leicht, oben ist die Luft bekanntlich dünn, und Eintracht Frankfurt befinde sich „zwischen lauter Top-Mannschaften“, findet der österreichische Fußballlehrer. Er findet das gut, na klar.

Adi Hütter: „Nicht der absolute Favorit“

Der 48-Jährige findet auch gut, dass sich einige Spieler aus seiner Mannschaft, was die Zielsetzung betrifft, ziemlich weit aus dem Fenster lehnen. Filip Kostic zum Beispiel, aber nicht nur er, reden ganz offen von der Champions League und wie toll das wäre, könnte sich Eintracht Frankfurt für diesen Wettbewerb qualifizieren. „Spieler dürfen träumen“, und es sei auch richtig und wichtig, sich hohe Ziele zu setzen. Allerdings dürfe man die Realität nie aus den Augen verlieren. „Reden ist das eine, die Leistung auf dem Platz das andere“, sagt Hütter, der viel lieber den Ball flach halten möchte. „Ich weiß, wo wir hergekommen sind.“ Außerdem sei die Saison noch ziemlich lang.

In Leipzig zum Beispiel „sind wir sicher nicht der absolute Favorit“, meint der Frankfurter Coach. Die Sachsen seien momentan in bestechender Form, haben zuletzt in drei Spielen kein Gegentor kassiert, auch die Tabelle „sagt einiges aus“: Als Vierter hat RB Leipzig bereits fünf Zähler Vorsprung auf die Hessen – und fünf Punkte trennen Eintracht Frankfurt auch nur vom Tabellenelften. Die Eintracht werde, um halbwegs erfolgreich durch den Samstagnachmittag zu kommen, schon an ihre Leistungsgrenze heranreichen müssen, glaubt Hütter. „Auf Kleinigkeiten kommt es an.“ Denn jeder Ballverlust nutze der Gegner sofort zum rasanten Umschaltspiel. Aber darin sind die Frankfurter so schlecht ja auch nicht, selbst in der Fremde nicht. „Auswärts ist unsere Bilanz ganz gut“, sagt Hütter, 15 Punkte in zehn Spielen haben die Frankfurter aufs Konto geschaufelt, 17 Treffer erzielt, Platz fünf. Allerdings hat es Eintracht Frankfurt in den letzten 15 Jahren nicht geschafft, die ersten vier Spiele der Rückrunde ungeschlagen zu überstehen.

Personell kann der Frankfurter Coach weitgehend aus dem Vollen schöpfen. Kapitän David Abraham ist allerdings erwartungsgemäß nicht dabei, sein Einsatz selbst am kommenden Donnerstag in Charkiw gegen Schachtjor Donezk ist unwahrscheinlich. Die sehr hartnäckige Wadenblessur lässt noch kein geordnetes Training zu. Martin Hinteregger, der Neue, wird, obgleich ein Linksfuß, rechts verteidigen und erneut den Vorzug vor Marco Russ erhalten, „der mich noch nie enttäuscht hat“ (Hütter), aber Schnelligkeitsdefizite aufweist. Und das könnte sich gegen flinke Leipziger als nachteilig herausstellen.

Manches spricht auch dafür, dass Hütter weiterhin mit voller Kapelle den Leipziger Stressfußballern begegnen will. Mit seinen drei Stürmern Ante Rebic, Luka Jovic und Sebastien Haller sei er sehr zufrieden, bedeutetet er, und es wäre doch „schade, einen draußen zu lassen“. Gerade für Linksaußen Rebic, der eine eher unbefriedigende Vergangenheit in Leipzig hat (in der Saison 2014/15 kam er in Leipzig auf zehn Einsätze in der zweiten Liga), sei es ein „spezielles Spiel“, sagt Hütter, der durchaus noch Luft nach oben beim kroatischen Vize-Weltmeister sieht. Der erste Ballkontakt könnte sauberer sein und ein wenig mehr Torgefahr könnte der 25-Jährige trotz seiner bislang sieben erzielten Tore ebenfalls entwickeln. Auch für diese Erkenntnis benötigt Adi Hütter keinen Spion.

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