+
Auf ihm und seinen Ideen ruhen derzeit die Frankfurter Hoffnungen auf ein Happy End: Marc Stendera, der Spielmacher, kehrt nach seiner Gelbsperre ins Team zurück.

Eintracht Frankfurt

Vier aus elf

  • schließen

Warum es bei Eintracht Frankfurt jetzt auf das Quartett Hradecky, Meier, Stendera und Seferovic ganz besonders ankommt.

Vor einer guten Woche ist Marc Stendera 20 Jahre alt geworden. Im ganzen Team von Eintracht Frankfurt sind nur zwei Profis jünger, Luca Waldschmidt ist 19, und David Kinsombi, 20, aber zwei Tage jünger als der gebürtige Kasselaner. Aber sein jugendliches Alter sieht man Marc Stendera nicht an. Das liegt am respektablen Vollbart, der ihn älter erscheinen lässt. Das liegt aber mindestens genauso daran, dass Stendera vom ganzen Auftreten her nicht an einen Profi im Anfangsstadium seiner Karriere erinnert. Manchmal, wenn man Stendera zudem reden hört, glaubt man, einen alten Hasen vor sich zu haben. Und, das wichtigste überhaupt: Marc Stendera spielt Fußball wie ein gestandener Bundesligakicker mit bald 150 Spielen auf dem Buckel. Dabei hat er erst 48 absolviert.

Es ist noch nicht lange her, da hat der Frankfurter Trainer Armin Veh gesagt, in zwei Jahren führe dieser Bengel die Mannschaft. Vor kurzem hat er sich korrigiert: Zwei Jahre brauche er sicher nicht mehr. Inzwischen ist es so, dass Veh ein Gutteil seiner Hoffnungen auf ein gutes Ende des Spiels am Samstag gegen Werder Bremen und vielleicht auch dieser bislang missratenen Saison auf Marc Stendera setzt. Veh nennt ihn „Schlawiner“, weil er dazwischenfunkt, nicht verlieren kann, weil er clever ist in Zweikämpfen, giftig ist und mit allen Wassern gewaschen. Veh hält große Stücke auf den U-19-Europameister, er ist im Grunde der einzige, der dank seiner fußballerischen Fertigkeiten die Pässe in die Schnittstelle der gegnerischen Abwehr spielen kann.

Mehr mit sich zu tun

Auffällig war auch, dass Armin Veh bei seiner Standpauke in der vergangenen Woche den jungen Mann aus Kassel explizit ausnahm. Veh weiß, warum.

Denn in der momentanen prekären Situation kann Armin Veh im Grunde nur auf vier Spieler wirklich zählen. Neben Stendera sind das Alexander Meier, Haris Seferovic und Lukas Hradecky. Dieses Quartett muss das Korsett der Mannschaft sein, von diesen großen Vier ist am ehesten zu erwarten, dass sie funktionieren und dem Druck standhalten. Diesen Vier kann Veh vertrauen, auf sie kann er sich verlassen. Meier, den Veh jüngst ebenfalls in die Pflicht genommen hat, hat eine Reaktion in Dortmund gezeigt, er ist vorangegangen, hat versucht, Verantwortung zu übernehmen. Veh ist das natürlich nicht verborgen geblieben, er hat seinen Kapitän zurück ins Boot geholt, hat in dieser Woche einiges mit ihm besprochen, hat ihn eingebunden. Ohnehin zeigte Meier im Training sehr ansprechende Leistungen, er traf auch wieder häufig.

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

Haris Seferovic, das Enfant terrible im Sturm, ist ohnehin eine Nummer für sich. Psychischer Druck scheint an ihm abzuperlen, er ist einer der wenigen, der zumindest ansatzweise zeigt, zu was er imstande ist. Dazu ist er für jeden Gegner unberechenbar. Schließlich kehrt offenbar auch seine Torgefährlichkeit zurück; in Mainz traf er ins Tor, in Dortmund bereitete er vor. Lukas Hradecky, der Vierte im Bunde, hat bislang eine sehr stabile Runde gespielt, im Grunde ist ihm allenfalls eine Teilschuld an zwei Toren anzukreiden, am 0:2 gegen Ingolstadt und am 0:1 gegen Leverkusen. Ansonsten ist er im Kasten eine sichere Bank, zudem mental stark und einer, der vorangeht. Und keine Angst kennt.

Und sonst? Der Rest des Teams, das für die wegweisende Partie gegen Werder Bremen in Frage kommt, wirkt gegenwärtig doch sehr labil, verunsichert, man weiß nicht so richtig, was man von ihnen erwarten darf. Makoto Hasebe zum Beispiel, der rechte Verteidiger, hat keine gute Saison gespielt. Unerklärliche Fehlpässe, Unsicherheiten prägten sein Spiel, dabei lieferte er in der letzten Saison konstant gute Leistungen ab. Aleksander Ignjovski, der diese Position ebenfalls bekleiden kann, kann in puncto Einsatz und Aggressivität keiner etwas vorwerfen. Aber spielerisch ist er arg limitiert, besondere Impulse sind von ihm nicht zu erwarten.

Aigner mit Problemen

Die Innenverteidigung mit David Abraham und Carlos Zambrano erscheint halbwegs sicher, auch wenn etwa Zambrano, sollte er nach seinem Muskelfaserriss tatsächlich spielen können, im Spiel gegen Darmstadt einen Blackout hatte und seinen ihm zugeteilten Gegenspieler Sulu einfach laufen ließ. Deswegen hatte die Eintracht verloren. Dennoch gibt es im zentralen Deckungsverband noch die geringsten Baustellen. Der linke Verteidiger Bastian Oczipka hingegen läuft seit Wochen komplett seiner Form hinterher. Das ist nicht der Oczipka, den man kannte. Er ist einer, der offensichtlich besonders unter dem Druck leidet. Er hat mehr mit sich zu tun als mit Ball und Gegner. Das Dortmund-Spiel hat zudem gezeigt, dass auch Constant Djakpa nicht unbedingt eine Option ist.

Marco Russ, den Veh in dieser Woche im Training im defensiven Mittelfeld einsetzte, hat zumindest den Willen und entwickelt eine gewisse Torgefahr. Ob er nach seinem Muskelbündelriss, fehlender Spielpraxis und Tempodefizit Akzente setzen kann, ist offen. Es kann klappen. Muss aber nicht. Ein weiterer unsicherer Kantonist ist Stefan Aigner auf rechts. Ihm gelingt derzeit so gut wie nichts, seine Formkrise währt ebenfalls fast die komplette Hinrunde, er ist noch ohne Tor und verkrampft zunehmend. Der Wille ist da, darauf bauen lässt sich indes nicht. Bliebe der linke Problem-Flügel: Mijat Gacinovic oder Luca Waldschmidt, junge Leute, die das Zeug haben, Bundesligaspieler zu werden. Aber gerade von ihnen zu erwarten, dass sie in der Krise die Mannschaft mitreißen, wäre verwegen.

Womit Armin Veh als sicheres Fundament nur die Big Four bleiben. Sie müssen die anderen mitreißen, müssen Vorbild sein, müssen Verantwortung übernehmen. Damit die anderen an ihnen wachsen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare