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Vielflieger im Jetlag-Kampf

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Von: Ingo Durstewitz

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Hart, aber herzlich: Nelson Mandela, Taleb Tawatha und Sebastien Haller (von links).
Hart, aber herzlich: Nelson Mandela, Taleb Tawatha und Sebastien Haller (von links). © Jan Hübner

Eintracht Frankfurt will den 13-tägigen USA-Trip mit aller Vorsicht angehen.

Niko Kovac ist ein perfektionistisch angehauchter Fußballlehrer. Der Eintracht-Trainer achtet auf Disziplin, Ordnung und Pünktlichkeit, natürlich auf die rechte Einstellung und das notwendige Arbeitsethos. König Zufall bekämpft er mit allem, was er hat, auch wenn er ihn nicht immer besiegen kann. In den Trainingseinheiten lebt er diesen Willen und diese Verbissenheit vor, selbst bei kleinen Spielformen unterbricht er die Übungen und weist seine Spieler auf Fehler hin. „Lasst den Ball unten“, ruft er oft. Passschärfe und Ballmitnahme sind ihm wichtig. „Im Fußball haben wir keine Zeit“, bedeutet er seinen Mannen auf dem Trainingsplatz in vernehmbarem Ton. „Es geht nur, wenn wir sauber spielen.“

Seine Spieler werden auch in dieser Vorbereitung eher weniger zu lachen haben. Das Pensum ist immens, die Umfänge entsprechend groß. Das kennt man in Frankfurt, seit Niko Kovac das Sagen hat. Auch gestern stand nach der 75-minütigen Einheit mit dem Ball noch ein 40-minütiger Waldlauf an. Die Profis ziehen mit, ohne zu murren. „Es gibt keine anderen Lösungen, wenn du erfolgreich sein oder zumindest fit sein willst“, sagt Neuzugang Gelson Fernandes.

Niko Kovac kennt die Risiken

In der präsaisonalen Phase in diesem Jahr kommt indessen eine Kleinigkeit hinzu, die das gesamte Programm doch ein weniger komplexer werden lässt: Die morgen beginnende Reise in die USA. 13 Tage wird sich der Eintracht-Tross in Nordamerika vorbereiten. Die Zeitverschiebung beträgt neun Stunden – kein Pappenstiel. Kovac kennt die Risiken, auch für den „Biorhythmus“. Für den Coach ist es eine „neue Erfahrung“, die Strapazen, auch durch die Zeitumstellung, werde man „schon merken“, sagt er. „Aber sehr viel mehr, wenn wir wieder zurückfliegen – Richtung Westen ist es sehr viel leichter als umgekehrt“.

Natürlich hat die Eintracht nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen ein Trainingsprogramm ausgetüftelt, um die Belastungen für den Körper so niedrig wie möglich zu halten. Generell werde man den Trip mit Vorsicht angehen. „Durch die Anzahl der Flüge und die Zeitumstellung müssen wir aufpassen, dass wir nicht überpacen.“

Das Programm in den Staaten ist vollgepackt. Am Samstag steht das erste Testspiel gegen die Seattle Sounders an (12 Uhr Ortszeit), ab Sonntag schlägt man dann für vier Tage ein Camp in Chula Vista auf. Im dortigen Olympiastützpunkt herrschten, immerhin, „optimale Bedingungen. Dort gibt es nichts, was es nicht gibt. Dort wird uns alles bereitgestellt.“

Es wird die einzige Zeit sein, in der die Eintracht ihrem Team einen geregelten Ablauf anbieten kann. Am 14. Juli fliegt die Entourage weiter nach San Jose, wo am selben Tag das Spiel gegen die Earthquakes (19.15 Uhr) ausgetragen wird. Zwei Tage später geht es weiter nach Ohio, wo die Hessen am 17. Juli auf Columbus Crew (19.30 Uhr) treffen werden. Einen Tag später steht der Rückflug an. Kovac erachtet die USA-Reise mit allen Begleitumständen als „schwierig“, freut sich aber  dennoch darauf. Den Weg des Klubs, der nach Internationalisierung strebt, unterstützt er in vollem Umfang. „Wenn ich mir aussuchen könnte, ob wir nach China oder Amerika fliegen, dann würde ich die USA wählen. Dort weiß ich, was mich erwartet.“

Oczipka im Schalke-Visier?

Als Ausrede wird er den Trip nicht gelten lassen. „Es wird nicht der ausschlaggebende Grund sein, ob wir fit oder nicht fit in die Saison gehen“, sagt er und schiebt nach: „Wir werden fit sein.“ Die Saison startet mit der Partie im DFB-Pokal beim TuS Erndtebrück, die am Samstag, 12. August (15.30 Uhr), ausgetragen wird.

Marc Stendera übrigens wird die Reise nun doch mit antreten, er hat sehr schnell gute Fortschritte gemacht. Der dritte Torwart Leon Bätge indes bleibt zu Hause, er hat sich einen Teilriss des Syndesmosebands im Sprunggelenk zugezogen und fällt drei Monate aus. Auch bei Jan Zimmermann, der Nummer zwei, ist unklar, ob er wegen einer aufgeplatzten Operationsnarbe mit an Bord sein wird.

Bastian Oczipka indes ist natürlich dabei. Der Linksverteidiger soll aber nach einem Bericht von Sky Begehrlichkeiten von Schalke 04 geweckt haben. Als Ablösesumme sind 3,5 Millionen Euro im Gespräch. „Das ist mir neu“, sagt Kovac. Mit Oczipka laufen Gespräche darüber, seinen in einem Jahr auslaufenden Vertrag zu verlängern. Womöglich ist er auch ein Anwärter aufs Kapitänsamt, falls Alexander Meier die Binde aufgrund seiner Krankengeschichte abgeben muss. „Ich bin mir sicher, dass Basti im nächsten Jahr bei uns spielt. Ich möchte ihn gerne halten“, befindet Kovac. „Es sei denn, jemand schüttet uns mit 100 Millionen Euro zu.“ Das wird eher nicht passieren.

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