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So viel Geld wie nie zuvor

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Abtritt nach der Krönung? Marius Wolf zieht es wohl von der Eintracht weg.
Abtritt nach der Krönung? Marius Wolf zieht es wohl von der Eintracht weg. © rtr

Die Eintracht steht nach dem Pokalsieg wirtschaftlich blendend da. Senkrechtstarter Marius Wolf zieht es allerdings wohl nach Dortmund - für kleines Geld.

Tränen, erzählte Axel Hellmann, seien in rauen Mengen geflossen. „Emotional ist der Pokalsieg das Größte, was ich mit Eintracht Frankfurt erlebt habe.“ Die Gefühle trugen den Eintracht-Vorstand davon,  in der Nacht zum Sonntag und später bei lichtem Tage. „Mit Kämpfern und Kriegern schlägst du im Finale eine Übermannschaft“, sagte Hellmann. „Das gelingt dir nur einmal im Leben.“

Axel Hellmann ist ein Planer und Weichensteller im Hintergrund, aber Zukunftsfragen wich er in den völlig verrückten letzten Tagen aus. Nur so viel: Durch den Pokalsieg und dem damit verbundenen Einzug in die Gruppenphase der Europa League werde man die eigene Entwicklung beschleunigen können. „Den nächsten Schritt können wir schneller machen.“

Schon vor dem Finale hat die Eintracht nur im Pokal mit einem Gewinn von fünf Millionen Euro gerechnet, als Sieger erhält der Klub 4,54 Millionen Euro obendrauf – davon sind allerdings die üppigen Organisationskosten für die Tage in Berlin sowie die Prämien für die Mannschaft abzuziehen. Sieben Millionen Euro dürften insgesamt dennoch hängenbleiben. Hinzu kommen jetzt die Einnahmen aus den internationalen Spielen. Die Uefa schüttet für die 48 Gruppenphasen-Starter insgesamt 399,8 Millionen Euro aus.

Jeder Verein erhält ein Startgeld in Höhe von 2,6 Millionen Euro, für einen Sieg werden 360 000 Euro, für ein Remis 120 000 Euro ausgezahlt, die Gruppensieger kassieren 600 000 Euro, die Zweiten 300 000. Maximal kann ein Verein 15,71 Millionen Euro erreichen. Hinzu kommen noch Einnahmen aus Ticketverkäufen (aufgrund der in Frankfurt großen Bedeutung der Euro League und des hohen Zuschaueraufkommens nicht zu verachten) und anderen TV-Töpfen. Auch die DFL verteilt Geld aus der Auslandsvermarktung. DFL-Chef Christian Seifert hat erst kürzlich vorgerechnet, dass ein Starter, der in der Gruppenphase zehn Punkte einspielt, aus diesem Pool über Jahre gesehen mit 18,5 Millionen Euro entlohnt wird. Ein ganz schönes Stück vom Kuchen.

Kölner Heintz im Gespräch

Zudem war es wichtig, dass sich die Eintracht wieder fürs internationale Geschäft qualifiziert hat, sonst wäre sie aus der TV-Fünfjahreswertung geflogen. Aus diesem internationalen Fernsehgeldtopf erhält die Eintracht seit ihrer Teilnahme 2013/14 jährlich rund 3,8 Millionen Euro. Diese Zahlung wäre nun weggefallen. Hinzu kommen zusätzliche acht Millionen Euro, mit der die Eintracht kalkulieren kann, weil sie in der nationalen TV-Tabelle vier Plätze gut gemacht hat.

Wirtschaftlich stehen die Hessen so gut da wie nie, das Eigenkapital beläuft sich, wie Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing der FR sagte, auf 28 Millionen Euro, der Lizenzspieleretat könnte die 50-Millionen-Schallmauer durchbrechen. In dieser Spielzeit lag er bei 45 Millionen. Das Investitionsvolumen kann sich – wie 2017 – auf rund 25 Millionen Euro belaufen, vielleicht sogar noch mehr, weil durch das jüngste Erfolgserlebnis der Spielraum ja größer geworden ist.

Auch zur neuen Saison ist wieder ein Umbruch zu erwarten, acht bis zwölf Spieler könnten den Verein verlassen, ebenso viele im Sommer wieder anheuern. Sicher ist, dass Torwart Lukas Hradecky gehen wird, wahrscheinlich zu Bayer Leverkusen. Auch Marius Wolf wird die Eintracht wohl verlassen. Der fast 23-Jährige hat konkrete Angebote von Borussia Dortmund und der TSG Hoffenheim vorliegen, beide treten in der kommenden Saison in der Champions League an, genauso wie der italienische Topverein AS Rom, der ebenfalls die Fühler nach dem Senkrechtstarter ausgestreckt hatte.

Marius Wolf aber tendiert nach FR-Informationen klar zu Borussia Dortmund, noch in dieser Woche könnte der Wechsel zum BVB über die Bühne gehen. Der Außenbahnspieler ist ein echtes Schnäppchen, kann dank einer Ausstiegsklausel für fünf Millionen Euro gehen. Überdies könnte Omar Mascarell den Klub verlassen, Real Madrid hat ein Rückkaufrecht für vier Millionen Euro. Auch die TSG Hoffenheim ist immer noch interessiert. Selbst ein Verbleib von Marco Fabian gilt als unsicher. Die Eintracht hofft auf eine gute WM des Mexikaners, um ihn gewinnbringend verkaufen zu können.

Und nach der Rückkehr von Fredi Bobic, der zurzeit in New York weilt, soll über die Zukunft von Kapitän Alexander Meier befunden werden. Die Sachlage ist klar: Meier würde gerne noch ein Jahr weiterspielen, die Sportliche Leitung hat Zweifel, doch es gibt intern genügend Fürsprecher. Vielleicht spricht sich auch der neue Trainer Adi Hütter für die Eintracht-Ikone aus. Ein Argument für Meier könnte sein, dass die Hessen durch die Europa League, die übrigens am 31. August ausgelost wird und am 20. September mit dem ersten Gruppenspiel beginnt, einen noch breiteren Kader braucht. Streichkandidaten sind Marc Stendera, Danny Blum, Branimir Hrgota, Daichi Kamada und Taleb Tawatha.

Als Neuzugang buhlt die Eintracht um den Kölner Verteidiger Dominique Heintz, der für etwas mehr als drei Millionen Euro zu haben wäre. Doch es gibt andere Interessenten, darunter Borussia Mönchengladbach. Das Transferkarussell, das ist sicher, wird erst jetzt so langsam Fahrt aufnehmen.   

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