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Kann es auch elegant: Timothy Chandler bei der Fußarbeit.
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Kann es auch elegant: Timothy Chandler bei der Fußarbeit.

SGE

Eintracht Frankfurt: Timothy Chandler will bei der SGE nicht der Kindergarten-Cop sein

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Der ewige Timothy Chandler hat andere Ambitionen als den Kindergarten-Cop bei Eintracht Frankfurt zu geben.

Frankfurt – Natürlich hat Timothy Chandler für die neue Saison unter neuer Führung andere Ziele als, sagen wir, den Kindergarten-Cop zu geben. Dabei würde sich das durchaus anbieten, die Mannschaft von Eintracht Frankfurt ist zumindest in diesen Tagen, da sich die Nationalspieler noch von den Strapazen der EM erholen, durchaus jung an Jahren, gerade weil der neue Coach Oliver Glasner den Trainings-Kader durch eine gute handvoll A-Jugendlicher kräftig aufgeforstet hat.

Und denen muss halt ein alter Fahrensmann, wie Timothy Chandler einer ist, mitunter sagen, dass die Kickschuhe abgeklopft gehören, ehe es in die Kabine geht. „Sonst gibt es was auf die Löffel“, sagt Chandler mit einem Augenzwinkern. Aber eigentlich braucht der Deutsch-Amerikaner, seit mehr als 16 Jahren im Klub, pädagogisch gar nicht so viel einzuschreiten, die Jungs, sagt er, seien alle schwer in Ordnung. „Integration ist bei uns ganz simpel, wir nehmen Neue und Junge einfach auf.“

Viererkette bei Eintracht Frankfurt geplant

Timothy Chandler, der im Alter von elf Jahren von Oberau an den Riederwald kam und bis auf einen vierjährigen Abstecher beim 1. FC Nürnberg seine komplette Karriere bei seinem Herzensklub in Frankfurt verbracht hat, geht mittlerweile in seine 13. Bundesligasaison. Der Mann, 29-facher US-Nationalspieler zudem, weiß also, was in den nächsten Wochen auf ihn und die Kameraden zukommt, selbst wenn die Eintracht in dieser Vorbereitung auf ein externes Trainingslager verzichtet und sich lieber im Schatten des Stadtwaldes auf die neue, beschwerliche Runde einstimmt.

Und doch ist wieder einiges anders: Es ist ein neuer Übungsleiter da, auch die Co- und Assistenztrainer sind andere, und alle bringen neue Ideen mit und ein, verändern Abläufe, gewohnte Laufwege. Und schon jetzt, nach der ersten Trainingswoche auf dem Platz, kann Chandler die Handschrift des neuen Übungsleiters erkennen. Glasner, sagt der 31-Jährige am Rande der gestrigen Einheit, verlangt viel, „auch viel für den Kopf“. Neue Übungen, intensive Einheiten, das meiste mit dem Ball, gestern etwa lag der Schwerpunkt auf dem Torabschluss.

Offensichtlich ist: Oliver Glasner versucht bei Eintracht Frankfurt ein neues Spielsystem einzustudieren und tendiert zu einer anderen Defensivstrategie als zuletzt. Zudem: „Er legt großen Wert darauf, wie wir anlaufen, wie wir den Gegner unter Duck setzen können oder welche Räume wir zumachen müssen.“ Chandler, der über den Tellerrand hinausblickt, hat Oliver Glasner ja auch schon beim VfL Wolfsburg beobachten können. Und da habe man gesehen, dass Oliver Glasner „jemand ist, der einen genauen Plan hatte“. Den hat er auch für die Eintracht, vieles wirkt strukturiert, Trainingspläne sind schon für die nächsten Wochen konzipiert. Das alles, findet Timothy Chandler, mache bislang einen guten Eindruck. Dazu „ist die Stimmung bei uns sehr, sehr gut“. Was auch sonst?

Fußballerisch wird der Coach von der grundsätzlichen Ausrichtung nichts „Gravierendes“ ändern. „Kreativität und Unberechenbarkeit“ wolle man beibehalten, an der offensiv ausgerichteten Spielweise will der 46 Jahre alte Österreicher nicht rütteln, wäre ja auch ungewöhnlich, weil diese Mannschaft auf Sturm und Drang gepolt ist. Wenn nicht alles täuscht, wird Oliver Glasner mit einer Viererabwehrkette versuchen, bei den Hessen „den Laden mehr dicht zu bekommen“, wie er betont.

In diesen Tagen, bestätigt Chandler, habe man verstärkt in einem 4-4-2-System trainiert, ohne die andere Variante mit fünf Akteuren in einer defensiven Anordnung zu vernachlässigen. Und diese jetzt einstudierten neue Trainingsinhalte soll die Mannschaft am Samstag beim ersten Testspiel der Saison, gegen den Drittligisten SV Wehen Wiesbaden, auch auf den Platz bringen.

Wenn der Kessel bei Eintracht Frankfurt brennt

Timothy Chandler, mittlerweile unter den Top 50 der Frankfurter Rekordspieler mit mehr als 300 Pflichtspielen für die Hessen, sieht seine künftige Rolle aber selbstverständlich nicht in dem eingangs beschriebenen Kindergarten-Cop oder als Gute-Laune-Onkel. Er wolle, sagte er bei seiner Vertragsverlängerung um drei weitere Jahre Anfang Mai, „noch viele schöne Spiele“ mit der Eintracht bestreiten.

Einen Stammplatz hat der ewige Optimist nicht im Team. In der letzten Saison kam er auf 15 Einsätze, machte aber nur eine Partie über die vollen 90 Minuten, stand lediglich dreimal in der Startformation. Sehr viel besser sind seine Perspektiven für die neue Runde nicht geworden, zumal in Danny da Costa ein weiterer Konkurrent für hinten rechts zurückgekommen ist. Aber Chandler kann notfalls innen verteidigen oder links spielen.

Jetzt freut sich der junge Familienvater erst einmal darüber, dass wieder Zuschauer, wenn auch nur eine bestimmte Anzahl, in die Stadien dürfen. „Das wird ein unglaubliches Gefühl, wenn der Kessel wieder brennt“, hofft er. Endlich wieder Lärm im Stadion, sonst „hast du immer nur dich selbst reden gehört“. Das ist fast wie beim allerersten Bundesligaspiel. Und da bekommt selbst der Routinier leichtes Herzklopfen. (Thomas Kilchenstein)

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