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Eintracht Frankfurt hat viel Arbeit, aber wenig Trainingszeit

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Von: Daniel Schmitt

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Übung macht den Meister: Eintracht-Verteidiger Tuta.
Übung macht den Meister: Eintracht-Verteidiger Tuta. © IMAGO/Kessler-Sportfotografie

Eintracht Frankfurt wird in den kommenden drei Wochen fleißig üben müssen, um sich zu verbessern – danach wird Training zum raren Gut.

Frankfurt – Jürgen Klopp, einer der besten seines Fachs, zweifacher Welttrainer immerhin, setzt sich seit Jahren für seine Spieler ein - und gegen deren körperliche Überforderung. Zu viele Wettbewerbe, zu viele Partien, und überhaupt: viel zu viel von allem. „Es gibt eine Richtung, wohin das führt, und das ist gegen die Wand“, wiederholte er dieser Tage seine Kritik in einem Interview des „Kicker“. Und wenn er dann diesen Missstand anspreche, so Klopp, „kommt Aleksander Ceferin aus der Ecke und macht eine polemische Aussage, dass andere Leute mehr arbeiten müssten.“ Aleksander Ceferin, der Uefa-Präsident und Liebhaber des prall gefüllten Spielplans. Rollende Fußbälle am besten an 365 Tagen im Jahr. Morgens, mittags, abends, gerne auch nachts. Immer halt.

So wie für den Rest des Jahres. Die Klimaanlagen-WM in Katar, Mitte November bis Mitte Dezember, staucht den Spielplan der europäischen Ligen noch mehr zusammen als ohnehin. Eintracht Frankfurt zum Beispiel stehen in den kommenden drei Monaten bis zur WM-Pause noch acht Englische Wochen bevor, beginnend Anfang September mit der ersten Champions-League-Partie der Klubhistorie, gefolgt von weiteren Spielen in der Königsklasse, im DFB-Pokal und der Bundesliga in den jeweiligen Wochenmitten. Dazu gesellt sich eine neuntägige Abstellungsperiode der Nationalspieler für deren Landesauswahlen, in der der Frankfurter Kader – wie bei vielen anderen Konkurrenten - arg gerupft sein wird. Heißt im Umkehrschluss: Eintracht-Trainer Oliver Glasner stehen bis zur WM 2022 lediglich drei Wochen mit maximaler Trainingszeit zur Verfügung. Sie beginnen nach zwei freiwillig übungsfreien Tagen exakt an diesem Mittwoch.

Eintracht Frankfurt: Wann soll eine neue Taktik trainiert werden?

Zwischen den Ligaspielen am Sonntag (21. August) gegen Köln sowie danach gegen Bremen und Leipzig können die Frankfurter jeweils eine Woche lang üben. Anschließend geht es mit Partien im Drei- oder Vier-Tagesrhythmus weiter. Mit Reisen über den europäischen Kontinent, mit etlichen Übernachtungen in Hotels, mit wenig Training im heimischen Stadtwald.

„Wir haben mit Filip Kostic einen sehr wichtigen Spieler verloren“, sagte Eintracht-Mittelfeldmann Djibril Sow zuletzt nach dem Remis in Berlin, „und wir hatten keine Zeit, eine neue Taktik zu trainieren.“ Ein nachvollziehbares Problem, eines aber, das sich in den kommenden Monaten kaum beheben lassen wird. Liefert der Kostic-Verkauf doch eigentlich diverse Anhaltspunkte, vielleicht besser das Spielsystem zu verändern, von möglichen kleineren Anpassungen in der offensiven Aufstellung bis hin zu größeren mit der etwaigen Umstellung auf eine Viererabwehrkette, sollte dabei aber immer bedacht werden: Wann das alles einstudieren? Im Flieger? In der Eistonne? Auf der Massagebank? Beim Auslaufen? Einfach während der Spiele?

Enge Taktung macht es Eintracht Frankfurt nicht leicht

Selbstverständlich ist die Eintracht nicht alleine mit diesen Fragen und wird in den Sport betreffenden Positionen des Klubs (Manager, Trainer, Spieler) gut genug bezahlt, um für derlei Schwierigkeiten die Lösungen zu finden. Leicht aber macht die enge Taktung es ihnen nicht.

Sorgen um Touré

Die Oberschenkelverletzung von Almamy Touré, zugezogen im Spiel bei der Hertha, wird dem Vernehmen nach eine wochenlange Pause für den Eintracht-Verteidiger nach sich ziehen. Die „Bild“ berichtet gar von zwei Monaten, die Eintracht bestätigte dies aber noch nicht, verwies auf nähere Auskünfte an diesem Mittwoch. Da noch weitere Abwehrleute verletzt fehlen, könnten die Hessen auch für die Defensive auf dem Transfermarkt noch mal aktiv werden. (FR)

Ein Luca Pellegrini zum Beispiel, der Kostic-Ersatz aus Italien, der in dieser Woche erstmals mit der Frankfurter Mannschaft üben darf, wird sich gewöhnen müssen ans für ihn unbekannte Umfeld. Ihm wird Zeit zur Adaption zugestanden werden müssen – an die Stadt, an den Verein, an die Mitspieler, an die Spielidee des Trainers.

Eintracht Frankfurt muss Verlust von Leistungsträgern stets einkalkulieren

Auch einem jungen Mann wie Tuta (23), um exemplarisch einen weiteren Profi herauszupicken, sollte eigentlich die nötige Geduld entgegengebracht werden, um ihn in seine Rolle als Abwehrchef hineinwachsen, um ihn aus Fehlern, aus Wacklern wie zuletzt, lernen zu lassen. Das ist ganz normal, so etwas wird die Eintracht als aufstrebender Mittelklasseklub auch künftig immer einpreisen müssen. Sie sollte und will geduldig bleiben, selbst wenn es das Umfeld nicht immer ist.

Genauso wird sie den Verlust von Leistungsträgern stets einkalkulieren müssen. Das ist Teil ihres Geschäftsmodells. Die andauernden Spekulationen um Verbleib oder Verkauf von Spielern und deren mögliche personellen Alternativen sind nervig, aber sie gehören dazu, sie werden erst Anfang September mit dem Ende der Transferphase vorüber sein. Und selbst dann nur für kurze Zeit, der Winter naht schließlich.

Junior Dina Ebimbe offenbar kurz vor Wechsel zu Eintracht Frankfurt

Aktuell deutet viel darauf hin, dass sich die Hessen im zentralen Mittelfeld verstärken: Junior Dina Ebimbe, 21-jähriger Franzose, soll als Alternative zu Djibril Sow, Kristijan Jakic und Sebastian Rode kommen. Mit dem Spieler sind sich die Frankfurter längst einig, mit dessen aktuellem Arbeitgeber, Paris Saint-Germain, soll es nun einen Durchbruch gegeben haben. Die Ablöse soll bei etwa sechs Millionen Euro liegen, anfangs hatte der Topklub für seinen Ergänzungsspieler rund zehn Millionen gefordert. Ebimbe, aufgewachsen im Großraum Paris wie gefühlt jedes französische Talent, gilt als laufstark, fußballerisch ordentlich dabei, er nimmt die Zweikämpfe an. Dennoch wird auch er seine Entwicklungszeit brauchen, ist keiner, der aus dem Stegreif die komplette Saison als Stammkraft absolviert.

Was Hoffnung macht aus Eintracht-Sicht: Hatte Oliver Glasner am Anfang des Jahres angekündigt, dass seine Mannschaften erfahrungsgemäß mit viel Training ihre Performance verbessern, trat genau dies im Frühjahr nicht ein. Die besten fußballerischen Phasen hatten die Hessen dagegen, als sie im Dauereinsatz waren. Im Herbst 2021, als sich Spiel an Spiel und Sieg an Sieg reihten sowie in der Endphase der vergangenen Saison, als der europäische Titel inmitten Englischer Wochen errungen wurde. Werden Trainer wie Oliver Glasner und Jürgen Klopp zwar ungern hören, doch: Übung macht offenbar nicht immer den Meister. (Daniel Schmitt)

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