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Auf ein Wort: Der Schlappekicker-Vorsitzende Arnd Festerling (links) im Gespräch mit Eintracht-Aufsichtsratschef Philip Holzer.
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Auf ein Wort: Der Schlappekicker-Vorsitzende Arnd Festerling (links) im Gespräch mit Eintracht-Aufsichtsratschef Philip Holzer.

Schlappekicker zu Gast bei der SGE

Eintracht Frankfurt: Krösches Vertrauen in die eigenen Ideen

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
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Der Schlappekicker zu Gast bei der Eintracht: Der Frankfurter Sportvorstand Markus Krösche will sich von manch öffentlicher Kritik nicht treiben lassen.

Mit der Wucht dieses Vereins, der Vehemenz, mit der ein Traditionsklub wie Eintracht Frankfurt in der Stadt am Main und auch weit darüber hinaus wahrgenommen wird, musste sich der immer noch recht neue Sportchef der Fußballer aus dem Herzen Europas erst einmal arrangieren. Markus Krösche, seit bald einem halben Jahr sich als Vorstand verantwortlich zeichnend für die sportlichen Belange des Fußballbundesligisten, gibt das offen zu. „Ehrlicherweise“, sagt der 41-Jährige, „musste ich mich wirklich an diese Intensität gewöhnen.“ Die Einflüsse von außen, die Meinungen von Fans und Medien, seien zwar einerseits schön, „ich mag die Affinität und Emotionalität der Menschen zum Klub“, andererseits habe er das in dieser geballten Form bisher schlicht noch nie erlebt.

Ob nun als Spieler und Manager in Paderborn, als Co-Trainer in Leverkusen, als zweiter Mann der Sportlichen Führung in Leipzig - überall ließ es sich für Krösche im Vergleich zu seinem Frankfurter Wirken doch einigermaßen ruhig und ablenkungsfrei werkeln. Doch mittlerweile, sagt er, „bin ich angekommen.“

Im Eintracht-Museum an der Frankfurter Arena stellten sich der Sportvorstand sowie der Frankfurter Aufsichtsratvorsitzende Philip Holzer vor knapp 40 Mitgliedern und Freunden des Schlappekickers, am Montagabend den Fragen von FR-Sportredakteur Ingo Durstewitz sowie jenen des Schlappekicker-Vorsitzenden und ehemaligen FR-Chefredakteurs Arnd Festerling - und sie gaben sehr ehrliche Antworten.

Gut gelaunt unter 3G-Regeln: FR-Sportchef Jörg Hanau (von links), Philip Holzer, Markus Krösche und FR-Chefredakteur Thomas Kaspar.

Er, Markus Krösche also, der gerade erst wieder in dieser Last-Minute-Woche mit zwei spät errungenen Siegen sowie einem Remis durch ein „Wechselbad der Gefühle“ gegangen war, habe seit seiner Ankunft in Frankfurt durchaus Wochen und Monate mitgemacht, die „nicht so einfach waren“. Der sportliche Umbruch vom Vorstand über den Trainer bis hin zu Teilen der Mannschaft ging ja nicht einher mit einem fußballerischen Fortschritt. Im Gegenteil. Im Vergleich zur Vorsaison ist das, was auf dem Rasen geboten wurde und wird, mit deutlich mehr Bauchgrummeln zu betrachten als vorher, wenngleich in Europa der Einzug in die K.o-Runde eingetütet und in der Liga nur ein Zähler weniger auf dem Punktekonto verbucht worden ist als zum identischen Zeitpunkt der vergangenen Runde. „An der Art und Weise müssen wir arbeiten“, will Krösche nichts beschönigen, „aber manchmal zählen im Fußball die Ergebnisse.“ Und die stimmten zuletzt.

Der auch über die Stadtgrenzen hinweg einflussreiche Aufsichtsratschef Holzer, seit Jahren schon ein engagiertes Schlappekicker-Mitglied und hauptverantwortlich für die Anstellung Krösches als Nachfolger von Fredi Bobic, erneuerte daher auch seine vor Monaten getroffene Einschätzung, wonach Krösche ein „absoluter Glücksfall“ für Eintracht Frankfurt sei. „Markus macht gute Arbeit“, hob Holzer hervor, „die Zusammenarbeit ist hervorragend.“ Auch der Austausch über sportliche Entwicklungen sowie manch Schwierigkeiten sei stets gut, ehrlich und immer im Fluss. Das nennt man wohl Rückendeckung vom Chef.

Und so platzierte Krösche auch selbstbewusst einige Themen, die offenbar in ihm unangenehm schlummerten, die ihn gar zuletzt verärgert hatten, wie er es selbst nannte. Zu Ben Manga zum Beispiel habe er entgegen eines Medienberichts ein vertrauensvolles Verhältnis. „Wir sind nicht zerstritten. Ben ist einer meiner engsten Ansprechpartner, wir verstehen uns nicht nur fachlich, sondern auch privat sehr gut.“ Manga, im Sommer vom Kaderplaner zum Technischen Direktor aufgestiegen, habe eine unglaubliche Erfahrung und Expertise.

Verbaler Schlagabtausch: Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche (links) stellt sich den Fragen von FR-Eintracht-Reporter Ingo Durstewitz.

Auch die aus Krösches Sicht übereilt getroffene Kritik an Neuzugängen wie Jesper Lindström oder Jens Petter Hauge ist ihm merklich ein Dorn im Auge. Ohne die beiden Profis namentlich zu nennen, stellt er sich doch schützend vor sie. Eine von außen getroffene Einstufung von jungen Spielern als bundesligauntauglich nach nur drei, vier Monaten in einer für sie unbekannten Spielklasse sei „nicht sachlich und unfair“. Natürlich, das weiß auch Krösche, lieferten die beiden Skandinavier bisher nicht so ab, wie es sich wohl auch der Klub erhofft hatte, „aber Anpassungsprobleme sind normal“. Selbst bei wesentlich teureren und erprobteren Millioneneinkäufen wie dem Dortmunder Donyell Malen oder Leipzigs André Silva sei das zu beobachten. „Silva war in Frankfurt der Hero, in Leipzig hat er bis jetzt nicht so viel gespielt.“

Das erste Halbjahr bei einem neuen Klub, in einem neuen Land, so Krösche, sei eines zum Ankommen. Die Mannschaft, die Stadt, das Umfeld kennenlernen, auch die Sprache. Im zweiten Halbjahr gehe es schließlich darum, „einen Schritt in die richtige Richtung zu machen“. Diese Zeit werde die Eintracht jungen Spielern geben, zumal die Adaption bei Angreifern oft ein bisschen länger dauere als bei manch Defensivkraft. „In der Offensive geht es noch mehr um einstudierte Automatismen und Timing.“

Krösches Boss, Philip Holzer, ist gar überzeugt, dass beispielsweise Jesper Lindström „noch einige Tore für uns schießen und viele weitere vorbereiten wird.“ Wie gut der Aufsichtsratvorsitzende auf dem Laufenden gehalten wird, wie eng der Austausch mit der Sportlichen Führung ist, lässt in diesem Kontext ein Halbsatz erahnen. Das Fliegengewicht Lindström nämlich, so Holzer, „habe ja immerhin auch schon ein Kilo Muskelmasse zugenommen.“

Die Grundproblematik der wechselhaft, durchwachsenen Runde will Krösche sowieso nicht an einzelnen Spielern festmachen. Viel eher seien die Veränderungen für das Gros des Teams einfach sehr groß gewesen. Krösche jedenfalls sagt: „Die Mannschaft kommt aus drei Jahren unter Adi Hütter, aus einem intuitiveren Ansatz des Handelns.“ Hütter-Nachfolger Oliver Glasner arbeite „sehr detailliert“, taktischer, weniger geradlinig, und „jetzt denkt die Mannschaft manchmal auf dem Feld erst mal nach, bevor sie handelt.“ Diese Zeit habe man in der Bundesliga aber nicht.

Der Schlappekicker hilft seit 70 Jahren Sportlerinnen und Sportler, die unverschuldet in Not geraten sind. Zudem fördert die FR-Aktion Sportvereine und -initiativen, die sich in besonderer Weise gesellschaftlich engagieren.

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Der Prozess, das Denken und Handeln effektiver in Einklang zu bringen, brauche jedoch Zeit, „dafür brauchen Oliver und die Jungs einfach Spiele und Trainingseinheiten“. Aufgrund der europäischen Belastung sei letzteres rar gesät, „was den Prozess natürlich noch zusätzlich etwas verlangsamt.“ Grundsätzlich wirkt Krösche dieser Tage, in denen er sich nicht nur bei der Schlappekicker-Veranstaltung, sondern auch in mehreren TV-Interviews vermehrt in der Öffentlichkeit äußert, keineswegs beunruhigt. Er vertraut Trainer wie Mannschaft, das Binnenklima stimmt offenbar. Natürlich habe das Team durch die vergangenen Wochen „einen Rucksack auf“, sagt Krösche, „aber der Wille und die Mentalität sind da.“

Mögliche Winterneuzugänge will der Sportvorstand zwar nicht ausschließen, aber zu diesem Zeitpunkt Mitte November auch nicht definitiv bejahen. „Da sind wir noch nicht so weit, die ganz große Analyse steht noch an.“ Sie sollte gewiss bald geführt werden, Ansatzpunkte für möglichen Nachbesserungen sind allemal vorhanden.

Markus Krösche, das wurde klar, glaubt an den eingeschlagenen Weg, an den von ihm so oft benannten Prozess, der im besten Fall in absehbarer Zukunft bessere Leistungen zu Tage fördert. Der Sportvorstand jedenfalls will sich von der Wucht des Vereins, von der Intensität der äußeren Einflüsse nicht treiben lassen.

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