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Voller Adrenalin: Torwart Lukas Hradecky.

Eintracht Frankfurt

Versuch und Irrtum

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt sollte die Rückrunde mit Risikobereitschaft und Offensivgeist angehen, alles andere hat zu nichts geführt – Neuzugang Marco Fabian könnte dabei helfen.

Die erste Halbserie dieser Saison, daran ändert auch der halbwegs versöhnliche Abschlusserfolg gegen matte Bremer nichts, war für Eintracht Frankfurt eine zum Vergessen. Der Traditionsklub aus dem Hessischen ist nach der soliden letzten Runde mit einem neunten Platz und 43 Punkten mit nachvollziehbaren Ambitionen angetreten, wollte sich in aller Harmonie so ein bisschen aufhübschen und hinter den großen Sechs in Stellung bringen. „Wir wollen versuchen, weiter vorne mitzuspielen und die europäischen Plätze nicht aus den Augen zu verlieren“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner. Das war Anfang Oktober. Mittlerweile versuchen die Frankfurter nur noch, drei Mannschaft hinter sich zu lassen, irgendwie.

Der Erfolg gegen Bremen war da sicherlich ein erster Schritt in die richtige Richtung, und zwar nicht allein wegen der drei (tabellarisch) eminent wichtigen Punkte. Dass nun zumindest die berechtigte Hoffnung besteht, das nach unten korrigierte Klassenziel erreichen zu können, hängt vor allem mit dem Auftreten der Mannschaft zusammen. Gegen Werder, das war weithin sichtbar, wollten die Hessen diesen Dreier nach Hause bringen – „mit aller Macht und aller Kraft“, wie Vorstand Axel Hellmann anerkennend sagte. „Die Mannschaft hat es in die Hand genommen. Das hat mich beeindruckt.“

Es ist diese Einstellung und diese Haltung zum Spiel, die dieses Team verinnerlichen muss, um in der Bundesliga mithalten zu können. Nicht nur gegen die Mannschaften auf Augenhöhe. Ein bisschen mehr Behauptungswillen und Selbstvertrauen würde dem manchmal doch arg hasenfüßigen Ensemble auch gegen die Schwergewichte oder Mittelgroßen der Zunft gut tun. Man muss sich nicht kleiner machen, als man ist.

Und ein Fingerzeig war sicherlich auch die Spielweise gegen die Hanseaten. Da war nichts mehr zu sehen von quälendem Ballgeschiebe, von Alibipässen ohne Raumgewinn. Nein, die Eintracht spielte nach vorne, ging drauf, das Ganze war durchaus risikobehaftet. Spielerisch war es ganz sicher nicht wirklich schön oder beeindruckend gut, aber die Mannschaft versuchte es zumindest. Und gegen einen Gegner wie Bremen wird dann halt auch nicht jeder Ballverlust mit einem Gegentor bestraft. Nur dieser Weg kann der von Eintracht Frankfurt sein. Die Mannschaft, und das ist keine neue Erkenntnis, ist nicht für eine kontrollierte Defensive zusammengestellt, dann nämlich geht ihr jede Durchschlagskraft nach vorne ab.

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Offensivliebhaber Armin Veh, der seinem Team in der großen Krise ein straffes Defensivkonzept anlegte, das es doch sehr einschränkte, bekannte nach dem Abschlusssieg: „Mit diesem defensiven Mist gewinnst du nicht, da kriegst du nicht mal mehr Torchancen.“ Gegen Werder hatten die Hessen so viele Möglichkeiten wie in den letzten sechs Spielen zusammen nicht.

Auch die Spieler wollen diesen Stil pflegen. Schon in der letzten Saison unter Thomas Schaaf forderten sie eine modifizierte Spielphilosophie, nicht mehr abwarten und reagierend, sondern agierend und aktiv aufzutreten. Damals setzten sie nach dem Umdenken zu einem respektablen Zwischenspurt an. Und auch jetzt sind die Profis ganz klar für eine dauerhafte Rückkehr zum alten System. Haris Seferovic bekundete: „Wir haben jetzt so gespielt wie früher. Ich liebe diese Spielweise: Druck machen, den Gegner pressen, draufgehen. Das ist zumindest gegen solche Gegner wie Bremen genau richtig.“

Ist das also der Weg aus der Krise? Sehr wahrscheinlich schon. Zu Anfang der Saison glaubten sie, auf diese Weise Erfolg haben zu können. Und es lief relativ gut. Doch dann riss der Faden, nichts ging mehr, und nach der 1:5-Schlappe gegen Gladbach stellte Veh auf Defensive um. Das hat aber bis auf das ermauerte 0:0 gegen Bayern nicht geklappt. Gegen Leverkusen und Dortmund erstarb die Eintracht in Ehrfurcht, gegen Mainz und Darmstadt war gleich gar kein System mehr zu erkennen. Ist die Eintracht also nach ihrem Zick-Zack-Kurs, nach trial and error, Versuch und Irrtum, zurück in der Spur? Sie sollte, so viel scheint klar, diesen Weg nicht mehr verlassen.

Zumal sie eine hochkarätige Verstärkung erhalten wird. Marco Fabian wird die Frankfurter ab 1. Januar verstärken. Der 26 Jahre alte mexikanische Nationalspieler absolvierte gestern seinen Medizincheck, kostet 3,5 Millionen Euro und wird einen Dreijahresvertrag erhalten. Fabian gilt nicht als extrem torgefährlich, aber als schneller Kreativspieler und guter Vorbereiter. Er kann auf allen offensiven Positionen spielen, soll aber die Vakanz am linken Flügel ausfüllen. Der WM-Teilnehmer, der in allen drei Vorrundenpartien zum Einsatz kam, ist in seiner Heimat eine große Nummer, ein Superstar, in Südamerika ziert er das Cover des angesagten Play-Station-Spiels Fifa 16 – gemeinsam mit Lionel Messi.

Die Offensivkraft von Deportivo Guadalajara wollte unbedingt in die Bundesliga, Wolfsburg und Schalke hatten schon mal ihre Fühler ausgestreckt, vor eineinhalb Jahren wollte Armin Veh den Mexikaner nach Stuttgart holen. Doch der Deal scheiterte, seinerzeit sollte er noch rund acht Millionen Euro kosten. Nun bekommt ihn die Eintracht für weniger Geld. Es ist eine mutige Investition, aber eine, die sich rechnen soll.

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