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Freiburgs Trainer Christian Streich ging nach dem Rempler durch Abraham unsanft zu Boden. 

Kommentar

Verpasste Chance

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David Abraham hat seiner Mannschaft und seinem Verein  mit dem wüsten Rempler gegen Freiburgs Trainer einen Bärendienst erwiesen. Die Eintracht hätte ihren Spieler sanktionieren sollen.  Der Kommentar.

Das letzte Mal, dass ein Bundesligatrainer im Zweikampf mit einem Fußballprofi zu Boden gegangen ist, liegt schon ein paar Jährchen zurück. Der damalige Duisburger Coach Norbert Meier war es, der vor fast eineinhalb Jahrzehnten nach einem Disput mit dem Kölner Albert Streit spektakulär umfiel und der Länge nach aufschlug. Nase an Nase standen sich die beiden Streithähne zuvor gegenüber, aggressiv, aufwallend, gehetzt. Doch was erst nach dem Studium der Fernsehbilder herauskam: Norbert Meier war es, der eher Täter denn Opfer war, die Kopfnuss, die er eingesteckt haben wollte, war gar keine, der Fußballlehrer selbst war es, der seine Stirn an die des Spielers führte – und dann höchstselbst den sterbenden Schwan markierte. Für Meier hatte diese miese Schauspieleinlage schwerwiegende Folgen: Er wurde vom DFB gesperrt und von seinem Verein entlassen.

Im aktuellen Fall sieht die Sachlage anders aus, im aktuellen Fall hat der Freiburger Trainer Christian Streich, der am Sonntagabend von Eintracht-Kapitän David Abraham per Bodycheck zu Boden gestreckt wurde, nichts zu befürchten. Sicherlich hat der Hitzeblitz an der Seitenlinie dem Frankfurter Spielführer keine Nettigkeiten entgegengerufen, als dieser im Vollsprint dem Ball hinterhergelaufen ist und also auf ihn zugerast kam, doch das ist nicht weiter von Belang. Das Verhalten des Eintracht-Spielers ist nicht zu tolerieren und nicht zu entschuldigen.

Abraham, im Privatleben ein Typ, der nicht mal einer Obstfliege auf der angefaulten Mandarine den Garaus machen würde, hat seiner Mannschaft und seinem Verein einen Bärendienst erwiesen. Es ist nicht hinnehmbar, dass ein Profisportler einen Coach körperlich attackiert – egal wie hitzig das Gefecht und wie frustriert der Spieler gerade ist. Trainer sind tabu, quasi heilig, es ist ungehörig und verwerflich, sie zu attackieren. Das ist ein absolutes No-Go. Und das vor einem Millionenpublikum an den Fernsehschirmen.

Da geht es auch um eine Signalwirkung, nicht im positiven Sinne. Gerade in Zeiten, in denen Schiedsrichter in unteren Klassen fast schon Freiwild sind, müssen sich Elitesportler ihrer Vorbildfunktion bewusst sein. David Abraham, der schon das eine oder andere Mal, auch mit einem Ellenbogenschlag, auffällig geworden ist, wird eine saftige Sperre erhalten. Das ist richtig so. Und die Eintracht hätte ihrerseits ihren Spieler sanktionieren sollen. Der Entzug der Kapitänsbinde wäre das Mindeste gewesen. Dass sich die Verantwortlichen gestern dagegen entschieden, ist kein gutes Zeichen und eine verpasste Chance.

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