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Elegant in der Ballanahme: Ante Rebic.

Interview Ante Rebic

"In der vergangenen Saison habe ich besser gespielt"

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    Ingo Durstewitz
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Eintracht-Stürmer Ante Rebic über sein Leistungsvermögen, die Nominierung für die kroatische Nationalelf, seinen etwas anderen Torjubel in Hannover und weshalb er nicht abhebt.

Dass Ante Rebic noch einmal das Eintracht-Trikot tragen würde, hat er eigentlich nicht gedacht. Aber ihm war klar, dass er zurück nach Deutschland und nicht in Florenz bleiben möchte. Am letzten Tag der Transferperiode holte die Eintracht den 24-Jährigen zurück an den Main – es war eine sehr gute Entscheidung. Auch wenn Trainer Niko Kovac so manchen Strauß mit seinem kroatischen Landsmann ausfechten musste.

Im FR-Interview sagte der Fußballlehrer: „Manchmal hat er Sachen gemacht, die waren der Wahnsinn. Aber dann hat er mich in den Wahnsinn getrieben. Manchmal war Ante so, dass er im Training alles überrannt hat. Manchmal haben sich die Journalisten, die draußen standen, mehr bewegt.“ Rebic ist froh, wieder in Frankfurt zu sein. Die Eintracht wird ihn nach dieser Saison fest verpflichten. Und auch Sturmpartner Sebastien Haller freut sich: „Er hat Eigenschaften, die ich nicht habe. Wir ergänzen uns gut. So bilden sich Sturmduos. Er ist ein guter Teamkollege, mit dem man viele Tore schießen kann.“

Herr Rebic, wir haben uns gedacht, wir führen das Interview in Deutsch. Was meinen Sie?
Nein, nein, besser in Englisch.

Aber weshalb? Ihr Mitspieler Mijat Gacinovic hat Sie nämlich verraten, er sagte, Sie könnten eigentlich gut Deutsch. Sie hätten nur keine Lust, auch wirklich zu sprechen.
Okay. Ich kann ganz gut Deutsch – wenn ich will (lacht). Aber bei Interviews fühle ich mich dennoch sicherer, wenn sie auf Englisch stattfinden.

Wir sorgen uns neben Ihren Deutschkenntnissen auch ein wenig um Ihre Fitness. Wie weit sind Sie? Schließlich habe Sie ja selbst gesagt, dass Sie bei Ihrem vorherigen Verein, dem AC Florenz, mehr gechillt und nicht so viel trainiert haben.
Das ist korrekt. Ich habe mich in der vorherigen Saison besser gefühlt als jetzt. Damals habe ich die gesamte Vorbereitung unter Niko Kovac gemacht, jetzt kam ich erst ganz kurz vor Ende der Transferperiode. Das habe ich gemerkt. Als ich im zweiten Spiel gegen Augsburg eingewechselt wurde, habe ich nicht gut gespielt. Ich kann Ihnen auch sagen, warum. Ich war nicht fit genug, das habe ich deutlich gespürt. Inzwischen hat sich das geändert. Und seit ich von Anfang an spiele, ist es viel besser geworden, ich fühle mich wieder gut.

Aber es ist doch verwunderlich, dass Sie in Florenz nicht austrainiert waren. Die Serie A ist ja auch keine Graupenliga, da wird guter Fußball gespielt, Florenz ist immerhin Siebter.
Ja, aber es ist eine andere Art des Fußballs, da wird sehr viel mehr Wert auf Taktik gelegt. Ich bevorzuge den Fußball, wie er in der Bundesliga gespielt wird.

Weshalb?
Es ist körperlicher. Und ich mag es, wenn ich hart trainiere, dann fühle ich mich besser und dann spiele ich besser. Wenn ich beim Training nur eine Stunde auf dem Feld bin, die meiste Zeit gehe, weil Taktik einstudiert wird, dann ist das nicht gut für mich. Das ist mir zu wenig. Aber das ist ja von Spieler zu Spieler verschieden. Nehmen wir Milan Badelj, der ja mal in Hamburg war und jetzt seit drei Jahren in Florenz spielt. Er sagte mir, dass er den italienischen Fußball klar bevorzuge, dass er ihn sehr viel mehr mag als den deutschen.

Sie haben die kroatische Heimat bereits mit 19 Jahren verlassen, sind von Split nach Florenz gewechselt, dann nach Leipzig, zurück zu Florenz, nach Verona und 2016 dann zur Eintracht. Ist das nicht schwierig für einen jungen Mann? Oder lernt man dann schnell, auf seinen eigenen Füßen zu stehen?
Ich habe die vergangenen vier Jahre als eine Art Schule angesehen. Ich habe in diesen Jahren viel gelernt – fußballerisch, aber auch fürs Leben. Das war eine gute Zeit für mich.

Niko Kovac sagte mal, dass Sie im Laufe  Ihrer Karriere gar nicht so viel kämpfen mussten, weil Ihnen vieles in die Wiege gelegt wurde: Talent, Tempo, Power.
Ja, das hat er mir auch schon gesagt. Aber eigentlich war das nur in Kroatien der Fall. Die kroatische Liga ist nicht so stark, da konnte ich nur durch mein Talent mitspielen, ohne hart zu arbeiten, aber das ist hier nicht der Fall. Sie sehen ja oft genug, dass wir zwei Stunden auf dem Feld trainieren .

Niko Kovac gilt als Ihr Ziehvater, der Sie stets gefördert hat. Er kann aber auch ganz schön streng sein, gerade mit Ihnen.
Das stimmt. Er hat mich in der kroatischen U21 trainiert, in der A-Nationalmannschaft, jetzt im zweiten Jahr in Frankfurt. Er hat mir sehr viel geholfen und viele Ratschläge gegeben.

Aber, noch mal, er hält Sie an der kurzen Leine. Als Sie in Hannover das Siegtor machten, kurz vor Schluss mit einem schönen Schuss, da lobte er Sie zwar für das Tor, kritisierte Sie aber auch für ihre sonstige Leistung.
Das ist Niko. So ist er. Er würde niemals sagen: „Oh, das war ja perfekt heute.“ Er findet immer Dinge, die es zu verbessern gilt, er findet immer Fehler. Ich habe gelernt, damit zu leben (lacht). Aber im Ernst: Das ist kein Problem.

Niko Kovac sagte in einem FR-Interview mal, manchmal würden Sie Sachen machen, die der Wahnsinn seien, dann wieder Dinge tun, die ihn als Trainer in den Wahnsinn treiben würden.
Das ist seine Meinung. Ich kann dazu nichts sagen. Ich gebe immer mein Bestes und versuche, der Mannschaft zu helfen.

Also sind Sie kein Spieler, den man auf den Boden holen muss, wenn er ein paar gute Spiele gemacht hat?
Sie denken, ich hebe dann ab? Nein. Das ist nicht so. Ich zelebriere ja nicht mal einen Torjubel, wenn ich getroffen habe.

Weshalb eigentlich?
Ich weiß nicht. Ich zeige nur Emotionen, wenn ich mich ärgere. Das ist öfter mal bei Entscheidungen der Schiedsrichter der Fall. Gegen Dortmund etwa haben sie mir ein reguläres Tor abgepfiffen und auf Abseits entschieden. Ich habe auf dem Feld zum Schiri gesagt: „Können Sie nicht den Videoschiedsrichter fragen?“ Und er sagte, nein. Okay, dann frage ich mich, warum es den Videobeweis gibt. Auch in Leipzig ist uns ein Tor von Luka Jovic abgepfiffen worden, da soll ein Eckstoß im Aus gewesen sein. War er aber nicht. Wir hätten, wenn man so will, also drei Punkte gegen Dortmund geholt und einen in Leipzig. Ich verstehe nicht, weshalb man da den Videoschiedsrichter nicht einsetzt. Für Situationen im Mittelfeld braucht man ihn nicht, nur bei den entscheidenden Situationen, finde ich. In Italien etwa ist es so, dass jedes Tor per Video überprüft wird, also die Schlüsselszenen. Das macht meiner Meinung nach Sinn. Und dort ist es auch generell so, dass das Spiel bei Situationen, die fifty-fifty sind, weiterläuft und nicht abgepfiffen wird. Gegen Dortmund gab es noch ein, zwei Szenen, die zweifelhaft entschieden wurden. Das macht mich schon wütend.

Sie sagten eben, Sie zelebrieren keinen Torjubel, nach Ihrem Treffer in Hannover machten Sie aber mit ihren Fingern eine Geste, die man auch so interpretieren könnte, dass irgendjemand zu viel schnattert. Wollten Sie da eine Botschaft senden.
Niko Kovac hat mich das auch gefragt. Ich erzähle jetzt mal die Geschichte, die dahinter steckt. Im Sommer war ich mit vier Freunden auf einer Bootstour in Kroatien. Wir waren Mittagessen und wollten Hummer essen. Dort ist es so: Wenn du Hummer essen willst, musst du ihn auch fangen. Also haben Sie uns gezeigt, wie man Hummer fängt. Man muss wissen: Hummer schwimmen immer rückwärts. Nach dem Essen sind wir ins Meer gesprungen, und einer meiner Freunde kann nicht ganz so gut schwimmen, also haben wir ihn Hummer genannt. Ich habe mit ihm am Spieltag in Hannover telefoniert, und er sagte mir, wenn du triffst, dann mache doch als Gruß mal einen Hummer nach, also die Bewegung seiner Scheren. Das habe ich gemacht (lacht). Im Übrigen ist es so, dass ein anderer Freund, der ebenfalls dabei war, dies auch gemacht hat. Mario Kvesic spielt in Deutschland in Aue in der zweiten Liga, und als er vor kurzem das Siegtor gegen Regensburg schoss, hat er genauso gejubelt. Niko Kovac hatte mich gefragt, ob das eine Botschaft für ihn sein sollte. Ich sagte nur, nein, Trainer, das ist eine längere Geschichte. Wenn er es jetzt liest, weiß er, worum es geht (lacht).

Sie sind jetzt für die beiden WM-Playoff-Spiele gegen Griechenland nominiert worden. Erstmals wieder seit zwei Jahren. Wie kam es dazu?
Der Trainer hat gewechselt, ganz einfach. Unter dem alten Coach hatte ich keine Chance, er hat mich nicht einmal angerufen. Als nun der Trainerwechsel kam, war ich sehr glücklich. Ich habe schon darauf gehofft, dass jemand Kontakt zu mir aufnimmt. Dass ich jetzt gleich nominiert wurde, habe ich nicht unbedingt erwartet. Aber vorher, das war schon komisch: Ich habe in der letzten Saison etwa 30 Bundesligaspiele gemacht, aber nie einen Anruf erhalten. Ich hätte mir schon gewünscht, dass mich mal jemand beobachtet. Die Bundesliga ist eine der stärksten Ligen, wir waren im Pokalfinale, da habe ich sogar getroffen. Aber so war das halt.

Haben Sie die Hoffnung, in den Partien gegen Griechenland von Beginn an zu spielen?
Die Hoffnung habe ich, klar, aber ich weiß es nicht. Ich habe mich vor ein paar Tagen hier in Frankfurt mit Ivica Olic (den früheren Bundesligaprofi und heutigen Co-Trainer der kroatischen Nationalelf; Anm. d. Red.) getroffen. Er sagte mir, dass er noch nicht wisse, wie sie spielen wollen. Aber er hat mir bestätigt, in guter Form zu sein. Warten wir es mal ab.

Sie waren ja schon bei der WM 2014 in Brasilien dabei.
Ja, das war eine tollte Erfahrung, ich bin in allen drei Spielen eingewechselt worden. Als 20-Jähriger. Das war schon ganz speziell.

Sie bekommen sehr viel weniger Gelbe Karten. Haben Sie ihr Spiel umgestellt?
Ich habe jetzt in acht Partien eine Gelbe Karte kassiert, das ist okay. Vielleicht bin ich etwas vorsichtiger geworden, kann schon sein.

Was sind die größten Unterschiede zwischen Ihrem ersten Jahr in Frankfurt und dieser Saison?
Ich denke, ich habe in der vergangenen Saison besser gespielt.

Wirklich? Da haben wir einen anderen Eindruck.
Mag sein, aber ich sehe das so. Ich habe zwar jetzt häufiger getroffen, aber von den Leistungen her würde ich sagen, dass es vorher besser war. Ich habe – wenn man die Partie gegen Borussia Dortmund mal ausklammert – nicht an meinem Maximum gespielt.

Weshalb ist das so?
Ich denke, der Hauptgrund ist, dass ich die Vorbereitung nicht hier in Frankfurt absolvieren konnte. Es braucht seine Zeit.

Wenn Sie die beiden Frankfurter Mannschaften vergleichen, welche ist stärker, die in dieser Spielzeit oder die der letzten?
Ich denke, die jetzige Mannschaft ist viel stärker, vor allem physisch. Wir haben mehr Qualität. Und wir haben 35 Spieler im Kader, jeder muss hart kämpfen, um überhaupt im Kader sein.

Da gab es schon Härtefälle, Branimir Hrgota etwa.
Klar. Brane hat fast jedes Spiel gemacht in der letzten Saison, jetzt eher weniger.

Ihre Schnelligkeit und Ihre Power – ist das etwas, das Ihnen Gott gegeben hat? Oder ist das hartes Training?
Ich denke, beides. Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich nichts dafür getan habe. Ich wusste schon immer, was meine Qualitäten sind, und ich wollte sie noch weiter ausbauen. Und klar: Der liebe Gott hat es gut gemeint mit mir.

War die Zeit schwierig, als die Eintracht die Option auf eine Weiterverpflichtung nicht zog und sie zurück nach Florenz mussten?
Ich habe nicht gedacht, dass ich zurückkommen würde. Aber ich habe gehofft, dass ich in die Bundesliga zurückkehren würde, weil mir der Fußball hier gefällt. Und ich wusste sicher, dass ich nicht in Florenz bleiben würde. Ich wollte mich verändern. Und als die Eintracht anrief, war mir klar, dass ich das machen will. Ich habe mir das nicht zweimal überlegt. Und es war ganz sicher die beste Entscheidung.

Interview: Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

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