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Anpfiff: Bruno Hübner sagt, wo es langgeht.

Winterpause

Urlauber Hübner auf Hochtouren

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Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner plant aus den Tiroler Bergen die nahe Zukunft der Eintracht. Bis zum Trainingslager Anfang Januar sollen noch mindestens drei neue Spieler kommen. Ein neuer Verteidiger steht kurz vor der Unterschrift.

Oben auf dem Berg und unten im Tal herrscht Kaiserwetter. Kein Wölkchen am Himmel, die Sonne strahlt hinunter auf das mondäne Ischgl. Das Skiparadies in den Tiroler Alpen zeigt sich von seiner schönsten Seite. Familie Hübner genießt ihren Winterurlaub in vollen Zügen. „Das Wetter hier ist wie in Abu Dhabi“, sagt Familienoberhaupt Bruno Hübner lachend.

Einziger Wermutstropfen: Das Skifahren haben der Sportdirektor der Frankfurter Eintracht und seine nicht minder fußballbegeisterten Söhne so gut wie eingestellt in diesem Jahr. Die Profis Benjamin (Ingolstadt) und Florian (Sandhausen) laborieren noch an den Folgen von Verletzungen, und kurz vor Beginn der Wintervorbereitung geht man da kein Risiko ein. „Dafür gehen wir viel mit dem Hund spazieren.“ Und freuen sich, einfach mal mehr Zeit miteinander zu verbringen. „Es ist total relaxed“, sagt der Manager.

Fabian sorgte für Schlagzeilen

Der Vormittag gehört allerdings nicht der Familie. Da sitzt der 54-Jährige in seinem improvisierten Büro und arbeitet erst einmal die aufgelaufenen E-Mails und Anfragen ab. Dann und wann setzt sich der Sportdirektor auch ins Auto und nimmt wichtige Termine wahr. Das ist nun mal sein Job, gerade in der jetzt anstehenden Transferperiode. Mindestens drei Spieler wollen die Hessen in der Pause verpflichten, vielleicht sogar vier. Bis zum Beginn des Trainingslagers in Abu Dhabi am 4. Januar soll alles unter Dach und Fach sein. „Da sind wir auf einem sehr guten Weg“, sagt Hübner.

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Den Mexikaner Marco Fabian haben die Frankfurter schon sicher, der 26-Jährige wurde für dreieinhalb Jahre unter Vertrag genommen. Nun sind indes allerlei Berichte aufgetaucht, wonach der Nationalspieler das Leben durchaus in vollen Zügen genossen und für so manchen Skandal gesorgt hat. Da gab es eine ausufernde Party mit Prostituierten während der Vorbereitung zur Copa America 2011, die eine sechsmonatige Sperre des Verbands zur Folge hatte. Da gab es einen bizarren „Kopfschuss-Jubel“, der in Mexiko für reichlich Wirbel sorgte, sowie einen vorgeblichen Versicherungsbetrug. Eine bunte Palette an Verfehlungen.

Die Verantwortlichen wissen um die bewegte Vergangenheit der Offensivkraft. Doch ein Hindernis sei das nicht gewesen. „Das ist nicht maßgebend. Solche Bedenken gab es bei Haris am Anfang auch“, betont Hübner. Haris Seferovic ist in Frankfurt in seinen anderthalb Jahren außerhalb des Platzes aber nicht sonderlich auffällig geworden. Bei Fabian zählten ausschließlich seine fußballerischen Fähigkeiten. „Für uns ist die Qualität auf dem Platz das Kriterium, und die hat er“, bekundet der Sportchef. „In den vergangenen ein, zwei Jahren hat ihn die halbe Bundesliga gejagt.“

Zudem stehen die Frankfurter kurz vor dem Abschluss mit dem Schalker Innenverteidiger Kaan Ayhan. Da gehen die Entscheider in Frankfurt und in Gelsenkirchen davon aus, dass der Deal über die Bühne gehen wird. Es hakt allerdings noch an einigen Kleinigkeiten.

Noch ist nicht klar, ob die Eintracht den 21-Jährigen zunächst einmal bis zum Sommer oder bis 2017 ausleihen wird. Sollten die Hessen ein Leihgeschäft für anderthalb Jahren avisieren, müssten die Schalker den Kontrakt mit dem Deutsch-Türken um ein weiteres Jahr ausdehnen, da sein Arbeitspapier im Revier ursprünglich 2017 endet. In jedem Fall ist es das Ziel der Eintracht, sich eine Kaufoption in das Vertragswerk einarbeiten lassen will. Ob das gelingt, ist nicht gänzlich sicher.

Abstand genommen haben die Frankfurter definitiv von einer Verpflichtung eines Rechtsverteidigers. Da wird man zu gegebener Zeit noch mal einen Anlauf bei Sebastian Jung aus Wolfsburg unternehmen, in diesem Winter ist das Thema allerdings vom Tisch. Die Eintracht wird also versuchen, sich auf dieser Position aus den eigenen Reihen zu behelfen. Das hat in dieser Spielzeit mehr schlecht als recht geklappt. Weder Makoto Hasebe noch Aleksandar Ignjovski konnten hinten rechts wirklich überzeugen, wobei beide eigentlich defensive Mittelfeldspieler sind.

Ignjovski hat diesen Part insgesamt gesehen etwas besser gespielt als Hasebe, zumal der Japaner im zentralen Mittelfeld viel wertvoller ist und nur dort seine ganze Stärke entfalten kann.

In der Rückserie wird Trainer Armin Veh in erster Linie versuchen, Timothy Chandler wieder in die Spur zu hieven. Er ist der einzige etatmäßige Rechtsverteidiger, kam wegen Verletzungen und Trainingsrückstand in der Hinserie aber kaum zum Zuge. „Chandler ist die erste Option“, bestätigt Hübner. „Wir müssen ihn zum Laufen bringen. Und wenn er so spielen würde wie in der letzten Saison, wären wir ja zufrieden. Zumal Hasebe auf der Sechs gut spielt.“

Ansage für Zambrano

Mit ins Trainingslager soll Sonny Kittel reisen. „Das ist der Plan“, sagt Hübner. Die Eintracht mochte nach wie vor nicht bestätigen, dass sich Kittel abermals einen Knorpelschaden im Knie zugezogen hat. Der ebenfalls am Knie verletzte Bamba Anderson wird nicht mit in die Emirate fliegen. Bei ihm ist eine Fortsetzung der Karriere ungewiss.

Carlos Zambrano indes wird im Januar mit an Bord sein. Der Peruaner hat sich in den vergangenen Wochen den Unmut der Verantwortlichen zugezogen, weil er das eine oder andere Mal um die Häuser gezogen war, allerdings ohne auffällig geworden zu sein oder verstärkt Alkohol getrunken zu haben. Hübner geht auf das Thema nicht dezidiert ein, sagt im Allgemeinen: „Wir haben die Spielregeln klar aufgezeigt. Es geht um ein professionelles Erscheinungsbild in allen Richtungen.“ Die Spieler sind mit deutlichen Botschaften in den Urlaub entlassen worden. „Wir haben jedem klar gemacht, was wir erwarten und wie er sich vorzubereiten hat. Vor uns liegt eine schwere und wichtige Rückrunde.“

In Abu Dhabi wird sich die Eintracht gewissenhaft auf die Mission Klassenerhalt vorbereiten. „Der Trainer wird die Mannschaft einschwören“, sagt Hübner. Der Manager betont, wie wichtig der Abschlusserfolg gegen Bremen war. „Die Art und Weise, wie die Mannschaft gespielt hat, stimmt uns zuversichtlich.“ Und: „Wir sind mit einer andere Stimmung in die Pause gegangen und sind nicht gleich im ersten Spiel wieder dieser Drucksituation ausgesetzt.“

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