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Ballverliebt: Martin Fenin.

Martin Fenin

Der Unvollendete

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Martin Fenins Karriere mündet viel zu früh in einer Sackgasse.

Es gibt diese nette kleine Geschichte über Martin Fenin, die viel aussagt über Martin Fenin und die Liebe der Fans zu ihm. Es war an diesem heißen Tag im Mai in Berlin, als Eintracht Frankfurtdas Pokalfinale gegen Borussia Dortmund spielte. Martin Fenin war auch in der Kapitale und er marschierte, wie fast alle Eintracht-Fans, an jenen Ort am Alexanderplatz, wo sich die Hessen viele Stunden vor dem Anstoß trafen. Martin Fenin entdeckte dort also einen Eintracht-Anhänger, der sein Trikot trug, das Trikot mit der Nummer 17. Fenin stellte sich neben den Fan, dem freilich erst gar nicht gewahr war, wer da neben ihm stand: „Du siehst aus wie Martin Fenin“, sagte er nur, ehe ihn seine Kumpel aufklärten.

Kein Mauerblümchen

Nein, Martin Fenin hat den Kontakt zu Eintracht Frankfurt nie abreißen lassen. Wann immer er es einrichten kann, stattet er seinem Herzensverein einen Besuch ab. Am vergangenen Wochenende war er im Stadion, schaute sich die Partie gegen die Bayern an, musste natürlich Autogramme geben, es wurden Selfies mit ihm gemacht. Martin Fenin ist beliebt bei den Eintracht-Fans, immer noch beliebt, obwohl er doch schon vor mehr als sechs Jahren den Klub verlassen hat. „Die schlechteste Entscheidung meines Lebens“, hat er dieser Tage erst wieder gesagt. Wobei ihm die Entscheidung ein bisschen abgenommen wurde. Der damalige Trainer Armin Veh hat ihm klar gesagt, dass er bleiben könne, aber es schwer haben würde zu spielen. „Er war ehrlich zu mir. Das schätze ich.“ Fenin, mittlerweile immer noch erst 30 Jahre alt, sah seinen großen Traum schwinden, die Europameisterschaft 2012. „Also bin ich weg, obwohl ich es gar nicht wollte“, erzählt er. „Ich habe Frankfurt sofort vermisst.“ 

Er ging in die zweite Liga, nach Cottbus in die Lausitz, eine andere Welt. Er fühlte sich nicht wohl. „Ich bin in ein Loch gefallen.“ Der Rest der unschönen Geschichte ist bekannt: Alkohol, Tabletten, Depressionen; der Fenstersturz, der ihn fast das Leben gekostet hätte. Eine schwarze Zeit, über die er nicht mehr viele Worte verlieren möchte. „Ich war in einem Teufelskreis“, sagt er nur. Als er wieder auf den Beinen war, zog er in die Heimat, erst zu Slavia Prag, danach zu seinem Heimatverein, dem FK Teplice, von wo er einst ausgezogen war, um die große Fußballwelt zu erobern.

Das hat nicht geklappt, die große Karriere hat er nicht gemacht, fußballerisch ging es immer weiter bergab. Ein paar Spiele für den französischen Zweitligisten FC Istres, ein paar weniger beim Chemnitzer FC, zwischenzeitlich half er beim 1.FC Magdeburg als Scout mit Schwerpunkt Tschechien aus. Sein alter Eintracht-Spezi und Manager in Magdeburg, Maik Franz, hat ihm diese Aufgabe vermittelt. Aktuell spielt der früherer Nationalstürmer in der zweiten tschechischen Liga, bei VK Varnsdorf, fünfmal kam er bislang zum Einsatz, nie über 90 Minuten. „Aber es ist schön, auf dem Platz zu stehen“, sagt Fenin. Mit 30 Jahren sei er zu jung, um aufzuhören.  

Aber natürlich weiß er, dass er sehr viel mehr aus seiner Karriere hätte machen können. Er galt damals, als er mit 20 zur Eintracht kam, als kommender Star in Tschechien, Juventus Turin, Arsenal, Liverpool wollten ihn seinerzeit. Sein Debüt in Frankfurt ist legendär, drei Tore beim 3:0-Sieg in Berlin in seinem allerersten Spiel, im nächsten Heimspiel noch eines. Fenin war es, der im März 2010 das letzte Siegtor gegen die Bayern erzielte, auch dieser Treffer ist allen noch bestens in Erinnerung. Aber diese Meriten sind längst verblasst. Wahrscheinlich ist ihm in jungen Jahren einfach zu viel zu leicht in den Schoß gefallen, mit diesem plötzlichen Hype hat er nicht umgehen können. Maik Franz sagte einmal: „Er war Anfang 20 und der Chef in Frankfurt. Martin war eben kein Mauerblümchen. Er war ein aufgehender Stern, aber irgendwann ist nichts mehr nach Plan gelaufen.“ Martin Fenins Karriere ist unvollendet geblieben, sie mündete viel zu früh in einer Sackgasse.

Er hat nicht immer hochprofessionell gelebt, zumindest zogen sich Eskapaden verschiedenster Art durch sein Leben: Dachstuhlbrand in seiner Neu-Isenburger Wohnung beim Grillen, ein Auto, das er in den Graben steuerte, der Fenstersturz in Cottbus, oft war Alkohol im Spiel, unlängst machte Fenin wieder Schlagzeilen, als er auf der Landstraße mit einem Reh zusammenprallte, sein Auto überschlug sich und blieb auf dem Dach liegen. Fenin, der unverletzt blieb, beeilte sich sofort zu sagen, Alkohol sei nicht der Grund gewesen.

In Frankfurt war er am vergangene Wochenende Gast auf der Waldtribüne: „Frankfurt war mein glücklichste Zeit. Das ist meine Heimat hier“, rief er. Die Fans haben ihm zugejubelt.

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