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Muss sich weiter gedulden: Alexander Meier.
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Muss sich weiter gedulden: Alexander Meier.

Alexander Meier

Der Unverzichtbare schmort auf der Bank

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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„Will wieder weiter vorne spielen", wünscht der Mittelfeldspieler sich: Aber für Alexander Meier ist momentan gar kein Platz in der ersten Elf frei, obwohl er in bestechender Form ist.

In Kaiserslautern hoch droben auf dem Betzenberg hat Alexander Meier dann in der Schlussphase, als die Partie schon gelaufen war, endlich sein erstes Saisontor erzielt. Im achten Spiel. Das war nicht mehr besonders schwer, Sebastian Jung hatte den Ball perfekt aufgelegt, und doch setzte der Mittelfeldspieler die Kugel genau so ins Netz, wie er sie im Training zigfach versenkt: flach, platziert und hart mit der Innenseite des rechten Fußes. Es war das 3:0 für die Hessen, und natürlich war es die Entscheidung.

Es gibt nur wenige Spieler, die den Ball serienmäßig genau da hinschießen können, wo sie ihn tatsächlich auch hinschießen wollen. Meier kann es, er hat diese Fähigkeit, die er im Training mit bemerkenswerter Konstanz demonstriert. Er ist der Meister des Innenseiten-Schusses. Der 27-Jährige freute sich über sein Tor, „aber dass ich nicht von Anfang an gespielt habe, das hat mich nicht gefreut, das ist ja klar“, sagte er.

Ganz Frankfurt diskutiert zurzeit über Alex Meier, den langen Techniker, denn Meier ist nur noch Bankdrücker. Und das, obwohl er in bestechender Form ist. Das ist nicht nur für Meier eine merkwürdige Situation, man ist es in Frankfurt schlichtweg nicht gewohnt, dass er nicht spielt, wenn er spielen könnte. Der besonnene Norddeutsche, einst für den HSV und den FC St. Pauli am Ball, aber nun schon fast sechseinhalb Jahre in Frankfurt, galt nicht nur unter Ex-Trainer Friedhelm Funkel als unantastbar, auch unter Nachfolger Michael Skibbe spielte Meier stets eine Hauptrolle. In der abgelaufenen Spielzeit stand er in allen 34 Partien auf dem Feld, er erzielte zehn Bundesligatore, bereitete sechs vor, er machte zwei Treffer im Pokal und war dort zweimal der Wegbereiter. Meier war einer der torgefährlichsten Mittelfeldspieler der Beletage. Er war neben Pirmin Schwegler der wichtigste Frankfurter Spieler, einfach unverzichtbar. Und nun ist er zum Zuschauen verdammt. Verkehrte Welt.

Ein echter Härtefall

Trainer Michael Skibbe fällt es nicht leicht, den 1,96-Meter-Mann draußen zu lassen, „weil ich ihn als Spieler sehr schätze“, doch er habe im Grunde ja gar keine andere Wahl. Die Mannschaft habe in den vergangenen drei Spielen „gut und erfolgreich“ gespielt, sie hat sich gefunden, sie wirkt sehr stabil und gefestigt, und die zurückliegenden drei Begegnungen wurden ja allesamt gewonnen (2:0 gegen Nürnberg, 2:1 in Stuttgart, 3:0 in Kaiserslautern). Es besteht, kurz gesagt, also keine Notwendigkeit, das Team zu verändern. „Es ist nicht so wirklich zwingend erforderlich“, sagt Skibbe, der es für den Akteur auch „schade“ findet, aber „Mitleid ist im Fußball sowieso nicht angebracht“.

Skibbe glaubt überdies, dass er ein Glaubwürdigkeitsproblem bekommen würde, wenn „jetzt einer raus müsste, nur damit Meier spielen kann“, das sei der Gruppe gegenüber nicht gerecht und nur schwer vermittelbar. „Das würde auch die Mannschaft nicht verstehen“, findet Skibbe. Der Fußballlehrer hat immerhin einen kleinen Trost für Meier, der aber eigentlich keiner ist: „Er ist immer die erste Option zum Einwechseln.“

Der Spieler steckt seine Zurückstufung ins zweite Glied professionell weg, so geht es eben manchmal im Fußballgeschäft, Meier weiß das. „Natürlich bin ich enttäuscht, aber ich bin ja auch älter und gelassener geworden“, sagt er lakonisch. Ihn hat ein kleiner Muskelfaserriss im Oberschenkel vor dem Spiel in Leverkusen aus dem Tritt und aus der Mannschaft befördert, auch im folgenden Heimspiel gegen Nürnberg konnte er aufgrund der Blessur noch nicht mittun. Seitdem gewinnt das Team ? ohne Alex Meier. Der Spieler mit der Rückennummer 14 kann des Trainers Linie nachvollziehen, „man kann ihn verstehen“, berichtet er, er sagt aber auch brottrocken: „Mit mir haben wir ja auch schon Spiele gewonnen.“

Meier lässt sich nicht hängen, ganz im Gegenteil. Im Training, das fällt wirklich jedem auf, ist er zumeist der auffälligste, beste Spieler, seine Trefferquote und seine Passsicherheit sind bemerkenswert. Meier sieht in seiner persönlichen Misere aber auch eine Chance, nämlich die, auf seine angestammte Position zurückzukehren. In Schwegler und Kapitän Chris habe die Eintracht „jetzt zwei gute Sechser“, weshalb der laufstarke Mann im Mittelfeld seine angestammte Position hinter den Spitzen für sich reklamiert: „Ich will wieder weiter vorne spielen, das ist meine Lieblingsposition, da bin ich am stärksten, da habe ich meine besten Spiele gemacht“, sagt der Schlacks.

„Vorne bin ich am stärksten“

Meier, der in 138 Bundesligaspielen 31 Tore erzielte und 22 Vorlagen leistete, hat nichts dagegen, im defensiven Mittelfeld auszuhelfen, auch im Sturm machte er in der Hinrunde der abgelaufenen Saison keine schlechte Figur, aber eine Dauerlösung will er nur noch als zentraler offensiver Mittelfeldmann sein. „Es weiß jeder, dass ich da am stärksten bin. Da habe ich mein ganzes Leben lang gespielt.“

Dabei hatte sich Skibbe vor der Saison auf Schwegler und Meier als Pärchen in der Zentrale festgelegt. „Das ist gut und stabil“, hatte er gesagt. Auch viele Beobachter fanden, dass Meier diese Position sehr zupass komme, weil er da das Spiel aus der Tiefe lenken und diktieren und eröffnen könne. Doch andererseits wurde er auf diesem Posten seiner großen Stärke beraubt, seiner enormen Torgefahr.

Am Samstag gegen Schalke wird er weder vorne noch weiter hinten spielen, sondern auf der Bank sitzen. Dort, wo er eigentlich gar nicht hingehört.

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