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„Wir werden alles durchsimulieren“, sagt Eintracht-Vorstand Axel Hellmann zu den Vorbereitungen auf die Spieltage. Natürlich mit Maske.

Bundesliga

Unterm Brennglas

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    Jan Christian Müller
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Wie man sich bei Eintracht Frankfurt und Mainz 05 für den Neustart in die Liga unter außergewöhnlichen Bedingungen wappnet.

Die Bundesligamannschaft der Eintracht wird sich im Herzen von Europa, in Frankfurt am Main, auf den bevorstehenden Schlussspurt einstellen. Und zwar im Wortsinne. Denn das Team von Trainer Adi Hütter wird sich in einem Quartier direkt am Mainufer in die von der DFL geforderten Quarantäne begeben. Im Lindner-Hotel, einen Abschlag weit vom Fluss gelegen, beziehen die Hessen ihr einwöchiges Trainingslager vor dem Bundesligarestart am Samstag in einer Woche (18.30 Uhr) zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach. Dort wohnt Sportvorstand Fredi Bobic seit Sommer 2016, dort residierte zuvor der langjährige Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen. Er fühlte sich außerordentlich wohl.

Die Eintracht-Entourage wird sich dort in einem separaten Bereich aufhalten. Alle Maßnahmen, die die DFL in ihrem aufwendigen Konzept aufgeführt hat, werden berücksichtigt. Die Funktionäre sind sich ihrer Verantwortung bewusst, wirken stetig auf die Spieler ein, sich adäquat und regelkonform zu verhalten. Einen zweiten „Fall Kalou“ soll es unter keinen Umständen geben.

Auch die Spieltage werden penibel geplant. „Der Teufel steckt im Detail“, sagt Vorstand Axel Hellmann. „Wir werden alles durchsimulieren.“ Der 48-Jährige weiß, was auf dem Spiel steht. „Alles muss funktionieren, wir stehen unter dem Brennglas der Öffentlichkeit.“ Man werden sich an alle Regeln halten, „und zwar strikt“. Bei den Auswärtsspielen kann es zudem durchaus auch mal so sein, dass die Mannschaft morgens anreist, nachmittags spielt und dann wieder heimfährt. Irgendwie oldschool halt.

Masken für alle

Auch für die Mitarbeiter der TV-Rechteinhaber gibt es Auflagen, genauso wie für die wenigen zugelassenen Reporter. Alle werden sich an Verordnungen halten und, als Beispiel, Mundschutz tragen müssen; Kontakt – selbst mit Abstand – zu Spielern, Verantwortlichen oder Trainern ist untersagt.

Beim Nachbarn Mainz 05 wird man sich zeitnah mit dem gesamten Kader in die einwöchige Quarantäne in das gewohnte Teamhotel Favorite zwischen Stadtpark und Volkspark begeben. Mit dabei sind nur die Spieler und der engste Kreis an Trainern und Betreuern. Sportchef Rouven Schröder aber beispielsweise nicht. Er hat in der Krise zu viel an anderen Stellen zu tun. Das Favorite-Hotel bietet mit einem großen Innenhof und dem unmittelbar angrenzenden Parks perfekte Bedingungen. Am Freitag wird der Mainzer Kader den dritten Reihen-Coronatest absolvieren.

Die ersten beiden Testreihen am vergangenen Donnerstag und am Montag verliefen allesamt negativ, berichtete Schröder in einer Videoschalte am Donnerstag. Über die Ergebnisse anderer Klubs sind die Nullfünfer laut Schröder auch nur über die Medien informiert. Sollte einer ihrer Spieler oder Betreuer positiv getestet werden, werden die Rheinhessen dies gemäß der Vorgaben der Deutschen Fußball-Liga lediglich dem zuständigen Gesundheitsamt melden, nicht aber der interessierten Öffentlichkeit. Die muss das dann schon selbst rauskriegen.

Dass ihr unter der Woche schriftlich an die DFL unterfüttertes Anliegen abgelehnt wurde, die Wiederaufnahme der Saison mit Rücksicht auf die Verletzungsprophylaxe nicht vor dem 20. Mai zu terminieren, nehmen die Rheinhessen sportlich. Schröder sagte: „Wir sind Demokraten und haben zu akzeptieren, dass wir dafür keine Mehrheit gewinnen konnten.“ Trainer Achim Beierlorzer will nicht nörgeln, denn: „Es ist wichtig, die Situation 100 Prozent anzunehmen.“ Er habe bei den Profis Erleichterung ausgemacht, dass wieder etwas beginnt, „was ihren Job für die Zukunft sichert“. Beierlorzer will nun verstärkt Elf-gegen-Elf-Trainingsspiele absolvieren, damit die Spieler ein Gefühl für die ehemals gewohnten Abläufe bekommen.

Schröder unterstrich die Bedeutung, dass alle das medizinische DFL-Konzept „mit unglaublicher Disziplin, Demut und Empathie“ verinnerlichten. Denn: „Wir wissen, dass wir sehr beäugt werden in der Öffentlichkeit.“

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