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Der Mainzer Yoshinori Muto schießt den Ball vorbei an Carlos Zambrano, Torwart Lukas Hradecky und Aleksandar Ignjovski ins Tor zum 1:0.
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Der Mainzer Yoshinori Muto schießt den Ball vorbei an Carlos Zambrano, Torwart Lukas Hradecky und Aleksandar Ignjovski ins Tor zum 1:0.

Kolumne

Unter Druck

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Nichts Neues in Mainz: Auch dieses Mal gab es für Eintracht Frankfurt bei den Nullfünfern nichts zu holen, 1:2 (0:2) unterlagen die Frankfurter. Alex Meier sah in der 40. Minute auch noch die Gelb-Rote Karte und fehlt nächsten Sonntag gegen Darmstadt 98. „Das wird ein Hammerspiel“, unkte Trainer Armin Veh.

Fünf Minuten waren es nur noch bis zur Pause, als Alexander Meier eine falsche Entscheidung traf. Und dem an ihm vorbeiziehenden Jairo Samperio ein Bein stellte. Es war ein ziemlich überflüssiges Foul, noch tief in der Mainzer Hälfte, es  war nicht wirklich gefährlich für die Eintracht und  ein bisschen Frust nach einem Ballverlust war auch dabei. Doch dieses Foul hatte Folgen: Weil Alex Meier ein paar Minuten zuvor nämlich schon eine Gelbe Karte gesehen hatte, entschied Schiedsrichter Bastian Dankert (Rostock) auf Gelb-Rot. „Alex weiß, dass das Mist war, was er gemacht hat“, sagte Armin Veh. Und war nicht gerade erfreut.

„Unakzeptabel“, zürnte hinterher zwar Haris Seferovic, aber das änderte nichts an der Entscheidung. Das erste Foul am Mainzer Danny Latza war in der Tat ein harmloses, das nicht mit der Verwarnungskarte hätte bestraft werden müssen. „Die zweite Gelbe Karte geht in Ordnung“, räumte Meier hinterher selbst ein. Und trollte sich in die Kabine. Nun ist Meier in seiner langen Karriere bei Eintracht Frankfurt nicht gerade als böse Bub aufgefallen. Vor vielen Jahren hat er im Europapokalspiel bei Celta Vigo eine Ampelkarte gesehen, dann noch einmal eine in der zweiten Liga gegen Fortuna Düsseldorf.  Das war es auch schon in zwölf Jahren Eintracht Frankfurt. 

Kaum zwei Minuten nach dem Platzverweis, die Mainzer führten da schon mit 1:0 durch Yoshinori Muto (5.), setzte Jairo Samperio zu einem langen, langen Solo von der Mittellinie durch die Frankfurter Hintermannschaft an, er war von niemandem zu bremsen, auch nicht durch Foulspiel, und erst der junge Mijat Gacinovic vermochte den Spanier mittels beherzter Grätsche zu stoppen.

Dummerweise bugsierte der erstmals in der Bundesliga spielende Gacinovic die Kugel genau in den Lauf von Yunus Malli, der postwendend und ohne Mühe das 2:0  (42.) für die Mainzer erzielte. Das war ein echter Genickschlag binnen 120 Sekunden. „Die Chronologie des Spiels lief gegen uns,“ sagte später der Frankfurter Trainer Armin Veh. „Das ist normalerweise tödlich, da ist der Käse gegessen.“ 0:2 zur Pause und ein Mann weniger auf dem Feld: Es gibt bessere Voraussetzung, eine erfolgreiche Aufholjagd zu starten.

Tatsächlich hatte Eintracht Frankfurt mal wieder nicht richtig in die Partie gefunden. „Wir gehen so scheiße ins Spiel“, schimpfte Slobodan Medojevic hinterher, „dann verliert man auch gegen Zweit- oder Drittligisten“. Haris Seferovic sprach gar davon, dass man „die ersten 20 Minuten geschlafen“ hätte. Die Eintracht bekam anfangs keinen richtigen Zugriff, sie lief immer wieder hinter den Mainzern her, kam zu spät, oder gar nicht in die Zweikämpfe.

Der FSV Mainz 05  bekam  erstaunlich viele Gelegenheiten, sein Spiel aufzuziehen. Das ist man gar nicht gewohnt. So mühelos konnten sich die Mainzer zuletzt nie durchkombinieren wie an diesem Samstag. Das Problem der Frankfurter war aber auch, dass sie nach dem Ausfall von Marc Stendera, der sich im Training einen Muskelfaserriss im Adduktorenbereich zugezogen hatte, keinen in ihren Reihen hatte, der das Spiel nach vorne aufbauen konnte.

Es war schlicht keiner da, der eine Idee gehabt hätte, der einen schlauen Pass hätte schlagen können. So blieb vieles Stückwerk. Und das frühe 0:1 hatte das taktische Konzept von Veh durchkreuzt, die Mainzer kommen zu lassen. Das mussten sie ja nach der Führung nicht mehr. Vielmehr war die Eintracht gezwungen, das Spiel zu machen und das konnte sie nicht.

Kurioserweise kam die Eintracht nach dem Halbzeitpfiff (und zwei vertanen Großchancen der Mainzer) viel, viel besser ins Spiel. „Mit einem Mann weniger haben wir besser gespielt“, sagte Medojevic, erklären konnte er es freilich nicht. Auch Veh fand, das man in der zweiten Halbzeit die Überzahl des Gegners nicht mehr gemerkt habe. „Da waren wir mehr als gleichwertig.“ Und spätestens nach dem Anschlusstreffer durch Haris Seferovic (61.), nach Doppelpass mit Stefan Aigner, nach Meiers Feldverweis Kapitän, war wieder alles offen.

Die Frankfurter versuchten vieles, doch die klare Linie fehlte. Es fehlte auch der direkte Zug zum Tor. Es gab auch wenig ganz klare Möglichkeiten. Gacinovic, der durch seine Unbekümmertheit für viel frischen Wind sorgte, hatte noch eine Gelegenheit, scheiterte aber am Mainzer Torwart Loris Karius, der nicht nur frisch erblondet war, sondern auch in seinem grellgelben Sweater äußerlich dem Ordnungsdienst ähnelte. Der Ausgleich lag trotz aller Bemühen nicht gerade in der Luft. „Wir hätten einen Punkt  verdient“ sagte Alex Meier. Doch weil der nicht geholt wurde, „ist die Situation nun gefährlich. Da braucht man sich nur die Tabelle anzuschauen“.

Immerhin gab es auch „einen Gewinner“ (Veh), und das war der junge Mijat Gacinovic, der sehr frech und engagiert aufspielte. Es war schon eine Überraschung, dass der serbische U20-Weltmeister zum ersten Mal von Anfang an spielen durfte. Er habe sich im Training kontinuierlich verbessert, sagte Veh, der ihn unabhängig vom Ausfall von Stendera gegen Mainz hatte bringen wollen. „Er hat im Training zugelegt und sich auch defensiv verbessert“, lobte Veh. Auch Seferovic fand, dass er „ein sehr gutes Spiel gemacht“  habe, Meier nannte ihn gar „einen Superfußballer“. 

Die neuerlich Niederlage versetzte den Frankfurtern einen weiteren Schlag ins Kontor, gerade vor dem nächsten Heimspiel, am kommenden Sonntag, gegen den Rivalen SV Darmstadt 98. „Das wird ein Hammerspiel“, unkte jetzt schon Armin Veh. Vorstand Axel Hellmann sah es ähnlich: „Wir haben jetzt eines von zwei wichtigen Spielen verloren, das setzt uns unter Druck.“ Und das alles ohne Kapitän Alex Meier.

Und hoffentlich wieder mit der Unterstützung aller Fans. Die nämlich hatten in der zweiten Halbzeit in Mainz ihre Kritik an der Mannschaft darin geäußert, die Elf praktisch nicht mehr anzufeuern. „Das ist Eintrachtuntypisch“, sagte später Axel Hellmann, der an die Fans den dringenden Appell richtete, die Mannschaft gegen Darmstadt wieder zu unterstützen. Man könne durchaus Kritik an den Leistungen äußern, fand Hellmann, nur der Zeitpunkt sei nicht in Ordnung.

Dieser Boykott „hat mir Kopfschmerzen gemacht“. Denn gerade in der zweiten Halbzeit, als Eintracht Frankfurt auf den Ausgleich drängte, hätte man „die Unterstützung von den Rängen gebraucht, um Wind in die Segel zu kriegen.“ Gerade in dieser Phase war deutlich zu sehen und zu spüren, dass  Einstellung und Moral der Mannschaft stimmte. Alle müssten jetzt gemeinsam in die gleiche Richtung arbeiten. Gegen Darmstadt, sagte Axel Hellmann, müsse man alle Kräfte mobilisieren. „Da muss der Block stehen wie eine Wand.“ 

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