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Jede Menge Derbyerfahrung: Karl-Heinz Körbel.

Karl-Heinz Körbel

„Das ist unser Revier“

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Eintracht-Legende Karl-Heinz Körbel hat alle vier Duelle gegen den SV Darmstadt mitgemacht: „Da hat immer die Luft gebrannt“.

Endlich wieder Derby! Karl-Heinz Körbel ist schon jetzt, ein paar Tage vor dem mit Spannung erwarteten Spiel gegen den hessischen Nachbarn aus Darmstadt, voller Vorfreude. „Das prickelt und kribbelt doch“, sagt der gerade 61 Jahre alt gewordene Rekordspieler der Bundesliga. „Das sind die Spiele, die die Fans sehen wollen.“ Derbys. Ach, wie selten sind sie geworden in der Region, die Spiele gegen Mainz 05 gelten ja nicht richtig als Derbies. Früher, erinnert sich Körbel, da gab es viele solcher brisanten Spiele, etwa gegen Kickers Offenbach, Darmstadt, Waldhof Mannheim, Kaiserslautern, den FSV. „Da vibrierte die ganze Stadt.“

Natürlich hat Karl-Heinz Körbel auch alle vier Spiele gegen den SV Darmstadt 98 mitgemacht, dreimal gewonnen, einmal verloren, und er kann sich noch gut daran erinnern. „Früher galt in Frankfurt: Du musst die Derbys gewinnen und das Spiel gegen die Bayern. Gegen Bayern war das meist kein Problem, die haben wir zu meiner Zeit immer geschlagen, aber Derbys waren gefährlich.“ Derbys hatten ihre eignen Gesetze, „da hat immer die Luft gebrannt, es gab immer was auf die Hölzer“, viel Adrenalin war allemal im Spiel und reichlich Emotionen.

Einmal hatte die Eintracht auch in Darmstadt verloren, 0:2 am 18. April 1979. „Das muss man sich mal vorstellen: Wir hatten eine überragende Mannschaft mit Pezzey, Neuberger, Grabi, Nachtweih, Lorant, und verlieren“, sagt Körbel und lacht. Die Lilien galten seinerzeit als „Feierabendprofis“, hatten alle zumindest noch einen Halbtagsjob und trainierten nur am Abend. Aber so war die alte Eintracht, die Diva, die die Großen aus dem Stadion fegte und gegen die Kleinen kein Bein auf den Boden bekam, und niemand konnte es schlüssig erklären. Aktuell denkt er ein bisschen mit Sorge an seine Eintracht, von der er nicht recht weiß, was er von ihr zu halten hat: „Je länger es 0:0 steht, umso schwerer wird es.“

Vieles hat sich verändert

Körbel denkt auch ein bisschen mit Wehmut an die alten Zeiten zurück. Damals seien Mannschaften ja länger zusammengeblieben. Man kannte auch den Gegner gut, „mit einigen Darmstädtern war man ja auch befreundet.“ Peter Cestonaro, Gerhard Kleppinger, Walter Bechtold, Dieter Rudolf, Oliver Posniak und wie sie alle hießen, gab es herzliche Kontakte. Und immer wieder wechselten Spieler von der Eintracht zu den Lilien und umgekehrt: Etwa Wolfgang Trapp, Bodo Mattern oder Jürgen Kalb. Mattern erzielte am 7. November 1981 am Böllenfalltor gar das 1:0 für die Lilien, ehe die Eintracht durch Stefan Lottermann, Bernd Nickel und Werner Lorant noch zu einem standesgemäßen 4:1-Erfolg kam.

Das Rückspiel im Waldstadion freilich wollten nur ganze 10 000 Zuschauer sehen. „Das war uns egal“, sagte Körbel. Es ging darum zu bestehen und klar zu machen: „Das ist unser Revier.“ Im übrigen wollte sich kein Eintrachtler dem Spott aussetzen, gegen die Underdogs aus Darmstadt verloren zu haben.

Und vieles hat sich seitdem verändert. „Früher gab es noch Freundschaftsspiele gegen Darmstadt, gegen Waldhof, gegen den FSV. Das alles ist weggebrochen.“ Körbel findet das Schade. Nur eines hat sich nicht verändert: „Das Böllenfalltor sieht noch genauso aus wie zu meinen Zeiten.“

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