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Der Kampf um Kostic

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Von: Ingo Durstewitz

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Jedes Jahr dasselbe Spiel von und mit Filip Kostic: Was wird aus dem besten Fußballer der Frankfurter Eintracht?

Frankfurt – Im Moment des süßen Triumphs von Sevilla hatte sich Oliver Glasner, mit einem spitzbübischen Lächeln auf den Lippen, so ziemlich festgelegt. Er, der Eintracht-Trainer, habe sich nach der Siegerehrung noch auf dem Spielfeld mit seinem Starspieler unterhalten, diesem Teufelskerl auf links, Filip Kostic, der nur kurze Zeit später zum besten Fußballer des gesamten Wettbewerbs gekürt werden sollte, und nach dem vertraulichen Plausch hatte Coach Glasner ein gutes Gefühl. Über was die beiden genau gesprochen haben an diesem 18. Mai im Estadio Ramón Sánchez Pizjuán, wollte der Fußballlehrer nicht verraten, nur so viel: Die gemeinsame Reise ist noch nicht beendet. „Ich glaube nicht, dass es das letzte Spiel von Filip Kostic für Eintracht Frankfurt war.“ Ob Oliver Glasner das heute, mit knapp zweieinhalb Wochen Abstand, noch einmal so oder so ähnlich formulieren würde?

Denn dass Filip Kostic, der offiziell beste Spieler der Europa League, auch in der neuen Saison für die Eintracht auflaufen wird, kann – Stand jetzt – nicht wirklich als gesichert angesehen werden. Klarer Fall von: Kann sein, muss aber nicht. Zurzeit schießen wieder die Spekulationen ins Kraut. Wie in jedem Sommer.

Filip Kostic von Eintracht Frankfurt: Juventus Turin bereitet wohl Angebot vor

Aktuell ist es der Renommierklub Juventus Turin, der ein Auge auf den Linksaußen geworfen hat. Die Italiener sollen ein Angebot für den bis 2023 gebundenen Serben vorbereiten, das oberhalb von 15 Millionen Euro liegen wird. Die Eintracht freilich würde erst ab einer Summe von rund 22 Millionen Euro über einen Transfer nachdenken, auf ihrem Preisschild steht eigentlich 25 Millionen. Nicht wenig Zaster für einen, der in sein letztes Vertragsjahr geht. Einerseits. Andererseits ist Filip Kostic nun mal Filip Kostic – einer der besten Flügelspieler Europas.

Filip Kostic von Eintracht Frankfurt
Filip Kostic schlägt einen Eckball im Europa League-Finale. © Moritz Mueller / Imago Images

Die Eintracht ist zwar trotz der Zusatzeinnahmen aus dem internationalen Wettbewerb auf Transfererlöse angewiesen, hat aber kein gesteigertes Interesse daran, den begehrten Akteur abzugeben. Sie hat ihm, wie Kostic jetzt während einer Medienrunde in Belgrad bestätigte, eine Vertragsverlängerung angeboten. Der serbische Internationale zögert noch. „Ich fühle mich wohl bei der Eintracht, mit ihr habe ich die größten Erfolge meiner Karriere erlebt“, sagte er. „Wir verhandeln mit dem Management. Wir wollen die beste Entscheidung treffen.“ Die Voraussetzungen sind klar: In Italien könnte Kostic sehr viel mehr Geld verdienen als in Frankfurt. Und sehr viel Zeit hat er nicht mehr, falls er noch mal den Verein wechseln und einen großen Vertrag ergattern möchte. Im November wird er 30 Jahr alt, und selbst an einem Modellathleten und Musterprofi nagt irgendwann der Zahn der Zeit, vor allem, wenn das Spiel in erster und zweiter Linie auf Dynamik, Tempo und Wucht fußt.

Andererseits weiß der Linksaußen, was er in Frankfurt hat, sein Stellenwert ist extrem hoch, er ist anerkannt und wird geschätzt. Das ist gerade für einen sensiblen Profi nicht unwichtig. Und auch in Frankfurt könnte er gutes Geld verdienen, die Eintracht würde ihm knapp fünf Millionen Euro bieten. Denkbar und eine ernsthafte Option ist zudem, dass man sich auf einen Kompromiss einigt und der Vertrag zunächst um ein Jahr ausgedehnt wird. Das würde Kostic die Möglichkeit geben, mit der Eintracht, die sich für ihn zu einer Herzensangelegenheit entwickelt hat, in der Champions League zu spielen, was ihm viel bedeuten würde. Und er hätte so ein Jahr später noch die Möglichkeit, den Klub zu wechseln.

Filip Kostic von Eintracht Frankfurt
Filip Kostic nach dem Titelgewinn mit Eintracht Frankfurt. © Jan Hübner / Imago Images

In jedem Fall soll es nicht mehr zu einem unwürdigen Schauspiel wie vor einem Jahr kommen, als Lazio Rom den Spieler mit einem Nettoverdienst von mehr als vier Millionen Euro köderte und Kostic sich nach Italien streiken wollte. Die Sportliche Leitung hat damals, im Spätsommer 2021, alles richtig gemacht, als sie die fast schon unverschämte Offerte der Italiener über zehn Millionen Euro – eingereicht in einem kargen Dreizeiler – ins Leere laufen ließ und dem Spieler klarmachte, dass er auf diesem Wege ganz sicher keine Freigabe erzwingen könne. Kostic entschuldigte sich alsbald für sein ungebührliches Verhalten.

Eintracht Frankfurt: Ndicka in einem Jahr weg?

Hängengeblieben ist nichts, er wird im Verein und im Team in höchstem Maße geschätzt, von den Fans verehrt. Die Verantwortlichen, das war damals enorm wichtig, haben Haltung und Stärke gezeigt, ein Zeichen gesetzt – nach innen und außen.

Nun gelten neben Kostic auch Daichi Kamada, Evan Ndicka und Djibril Sow als Verkaufskandidaten. Die Verträge von Kamada und Ndicka laufen ebenfalls in einem Jahr aus, und Sportvorstand Markus Krösche will es partout vermeiden, einen Spieler ablösefrei zu verlieren. Heißt: Entweder verlängern oder verkaufen – oder, siehe Kostic, ein Jahr Überbrückung einbauen.

Am wahrscheinlichsten ist, dass Abwehrmann Ndicka den Verein verlässt, auch weil die Eintracht in der Verteidigung nachgerüstet hat. Der starke Franzose, heißt es, strebe aber eher einen ablösefreien Wechsel in einem Jahr an. Bei Regisseur Kamada scheint hingegen alles offen. Bliebe noch Djibril Sow. Der Schweizer Marathonmann hat zwar noch einen Vertrag bis 2024, aber eine Ausstiegsklausel in Höhe von 35 Millionen Euro. Viel Geld, aber Europa-League-Sieger haben nun mal ihren Preis. (Ingo Durstewitz)

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