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Sieht nett aus, ist aber leider verboten: Pyrotechnik im Eintracht-Block beim Spiel in Mailand.

Eintracht Frankfurt

Uefa entscheidet über Eintracht-Strafe

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Eintracht Frankfurt hofft, um einen Fanausschluss in der Europa League herumzukommen.

Am Dienstag dieser Woche war Philipp Reschke, der Justitiar von Eintracht Frankfurt, gemeinsam mit den Kollegen aus den Abteilungen Sicherheit, Ticketing und Marketing in Lissabon unterwegs. Natürlich ging es in der portugiesischen Hauptstadt nicht um Sightseeing, sondern um das Europapokal-Hinspiel am 11. April im Estadio da Luz. „Ein völlig normaler Vorgang“, wie Reschke berichtete, letzte Woche seien Vertreter von Benfica in Frankfurt gewesen. Man schaute sich vor Ort um, sammelte Informationen und erörterte mit den Kollegen in Lissabon „alle Eventualitäten beider Szenarien“. Die beiden Szenarien sind bekannt: Entweder mit Fans oder ohne.

Die Uefa entscheidet im Sammelverfahren

Die Entscheidung darüber, ob Eintracht Frankfurt ihr Auswärtsspiel gegen Benfica Lissabon mit oder ohne Unterstützung ihrer sehr reisefreudigen Anhängerschaft bestreiten wird, fällt irgendwann am heutigen Donnerstag im schweizerischen Nyon. Dort tagt die Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer der Uefa, und sie verhandelt sämtliche Vorfälle aus dem Achtelfinale der Europa League. „Das ist ein Sammeltermin“, sagt Reschke, 30,40 Fälle wird die Kommission an diesem Tag behandeln, darunter auch die Zündelei der Eintracht. Wann das Urteil feststeht, ist offen, vermutlich am Nachmittag.

In diesem Verfahren wird es keine Anhörung geben, eine mündliche Verhandlung ist nicht vorgesehen, es ist ein schriftliches Verfahren. „Der Sachverhalt ist ja unstrittig, jeder hat es gesehen“, sagt Philipp Reschke. Drei Raketen sind in Mailand (zwei davon kurz vor Spielschluss) gezündet worden, eine verpuffte in der Luft, eine landete knapp neben dem Inter-Spieler Ivan Perisic, die dritte zischte ins Publikum. Dazu brannten etwa zehn bis fünfzehn Bengalos. Das alles hätte es nicht geben dürfen, Eintracht Frankfurt, ohnehin einschlägig vorbelastet, spielte bekanntlich wegen wiederholten Abbrennens von Pyrotechnik in Rom im Dezember 2018 auf zweijähriger Bewährung. Sollten sich ähnliche Ausfälle wiederholen, münde dies automatisch in einen Fanausschluss im nächsten Auswärtsspiel. Die Chance, diesen noch zu verhindern, hatte Reschke in der Vergangenheit „als vage“ bezeichnet, „an meiner Einschätzung daran hat sich nichts geändert“.

Eintracht Frankfurt spricht von einem juristisch kniffligen Fall

Dennoch klammern sich die Hessen an einen Strohhalm, ihre Argumente haben sie in einem gut 20seitigen Schriftsatz niedergelegt. Im Kern sind sie der Auffassung, dass .sich die beiden Vorfälle - Rom und Mailand - nicht miteinander vergleichen ließen. „Rom war ein Desaster, die Reise nach Mailand ein voller Erfolg. 15 148 Fans waren dabei. Tagsüber ist nichts passiert, nicht einmal eine Espressotasse ist kaputt gegangen“, sagte der Fachanwalt für Sportrecht, Christoph Schickhardt, unlängst im HR-Fernsehen. Seine Kanzlei hat der Bundesligist mit dem Fall betraut. Aus seiner Sicht „haben wir hier eine andere Situation.“ Am grundsätzlichen Vorwurf der Gefährdung von Menschen durch Pyrotechnik freilich kann auch er nur schwer rütteln. Er weiß das: „Das ist eine schwierige rechtliche Situation.“

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Zugunsten von Eintracht Frankfurt wolle man zudem ins Feld führen, dass sich sofort das Gros der Anhänger von der Zündelei laut und deutlich distanziert hat, die Ultras haben darüber hinaus angekündigt, „interne Konsequenzen“ zu ziehen. Schickhardt hofft, dass die Uefa diesen Fakt genauso berücksichtigt, wie die große Lust der Frankfurter am Europapokal. „Die Eintracht lebt und bereichert diesen Wettbewerb, bringt Zuschauer mit und bietet schon in der ersten Runde ausverkaufte Stadien“, sagte der Anwalt im Namen der Eintracht. „Die Uefa sieht unsere Bemühungen – und dass der größte Teil der Fans in Ordnung ist.“

Schickhardt versprach weiterhin, „zu kämpfen wie die Löwen“. Und er hat die Hoffnung nicht aufgegeben, mit den Frankfurter Argumenten bei der Uefa durchzudringen: An liebsten wäre ihm, „dass die Uefa sagt: Ihr bekommt eine hohe Geldstrafe, die Bewährung wird noch einmal verlängert – vielleicht in die nächste Saison hinein – und ihr habt die Chance, das zu beweisen, was der Großteil der Fans in Mailand vorgeführt hat.“

Dann lehnte er sich, erstaunlich für einen Anwalt, sehr weit aus dem Fenster: „Ich verbürge mich für diese Fans, dass in Lissabon nichts passiert.“ Mutig ist er.

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