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Der Überzeugungskünstler

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Von: Ingo Durstewitz

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Locker vom Hocker: Bruno Hübner mal ganz lässig. Dabei steht der umtriebige Sportdirektor der Frankfurter Eintracht eigentlich immer unter Strom.
Locker vom Hocker: Bruno Hübner mal ganz lässig. Dabei steht der umtriebige Sportdirektor der Frankfurter Eintracht eigentlich immer unter Strom. © dapd

Ein kurzer Blick zurück: Wie Sportdirektor Bruno Hübner die Eintracht verändert hat und auf Kurs hält / Teil 3 der FR-Serie.

Ein kurzer Blick zurück: Wie Sportdirektor Bruno Hübner die Eintracht verändert hat und auf Kurs hält / Teil 3 der FR-Serie.

Bruno Hübner hatte die Idee. Natürlich Hübner. Ein paar Tage im Schnee von Zürs am Arlberg: Skifahren, Sauna, Spaziergänge, ein paar Glühwein, viele Gespräche, zehn Meetings. Der Sportdirektor der Frankfurter Eintracht hatte die etwas andere Klausurtagung der Frankfurter Eintracht angeregt. Das komplette Trainerteam und der Manager zogen sich nach der erfolgreichen Hinrunde für zweieinhalb Tage zurück, um das vergangene Halbjahr Revue passieren zu lassen und ein paar Weichen zu stellen für die Zukunft. Solche Zusammenkünfte in trauter Runde sind ihm wichtig, dem Manager der Eintracht, dem Macher, dem Kommunikator. Er sieht sie als fruchtbar und wertvoll an.

Vater dreier guter Fußballer

Bruno Hübner, 51 Jahre alt, verheiratet, Vater dreier guter Fußballer, lebt von seiner Überzeugungskraft, seinen Worten, seiner Leidenschaft, manchmal von seinen Überredungskünsten. Als er im Mai 2011 als neuer Eintracht-Manager vorgestellt wurde, führte sein erster Weg nach Augsburg ins Haus von Armin Veh. Die beiden kannten und schätzten sich von mancher Begegnung in früheren Tagen in der dritten Liga. Hübners Wunsch war seit jeher, einmal gemeinsam mit Armin Veh als Trainer arbeiten zu können. Doch daraus schien nichts zu werden, Veh ließ Hübner zunächst abblitzen. Doch davon ließ sich der neu installierte Eintracht-Sportdirektor nicht beeindrucken, er blieb am Ball, ließ seinem Wunschkandidaten keine Ruhe, bearbeitete ihn mit Verve. Nur wenige Tage nach Hübners Inthronisierung sagte Veh nach einigem Hin und Her schließlich zu. „Ohne ihn wäre ich nicht zur Eintracht gekommen“, sagt Veh, der schon im März 2011 für den damals entlassenen Michael Skibbe als Retter einspringen sollte. Da sagte er ab. Christoph Daum übernahm und konnte den Abstieg nicht verhindern.

Hübners Hartnäckigkeit bei Veh führte letztlich zum bis heute anhaltenden Höhenflug der Hessen. Von einem darniederliegenden Verein im Unterhaus hinauf in die Spitzengruppe im Obergeschoss – klingt ein bisschen wie ein Märchen, ist aber die Realität.

Der in Taunusstein lebende Macher brachte auch das Unternehmen Wiederaufstieg auf den Weg, er leitete den Neuaufbau ein. Es kam ihm und der Eintracht zugute, dass er als Manager des Zweitligisten MSV Duisburg das Fußball-Unterhaus aus dem Effeff kannte, er wusste genau, welche Spieler man benötigte, um die heikle Mission anzugehen und erfolgreich zu bewältigen. Er stellte binnen kürzester Zeit eine Mannschaft zusammen, die das Rüstzeug mitbrachte, um in der zweiten Klasse zu bestehen.

Immer noch Kontakt zu Helmes

Die Rückkehr in die Erste Liga war nämlich kein Selbstläufer, eher das Gegenteil. Doch der frühere Sportchef des SV Wehen bewies das richtige Händchen, er baute ein Team, das exakt auf die Anforderungen der zweiten Liga ausgelegt war. Nur der Aufstieg war das Ziel, die Philosophie, die perspektivische Ausrichtung musste da zurückstehen. Hübner war klar, dass man mit dieser Mannschaft in der Bundesliga nicht würde reüssieren können. Deshalb folgte nach dem letztlich souverän erreichten Klassenziel der nächste Umbruch. Hübner arbeitete die von ihm und maßgeblich von Veh erstellte Liste an potenziellen Neuzugängen ab, auch da kam ihm seine Überzeugungskraft zugute. Es gibt kaum einen Spieler, der nicht von den Gesprächen mit der Sportlichen Leitung der Eintracht schwärmt. Hübner ist derjenige, der Spieler und deren Berater anspricht, mit ihnen verhandelt, sie überzeugt. Er macht das auf sehr persönliche Art, weiht sie ein, gibt ihnen das Gefühl, ein wichtiger Teil des Ganzen zu sein. Hübner könne, sagte Veh einmal, auch Kühlschränke am Nordpol verkaufen. Hübner ist ein Spielmacher mit Worten, der Hesse aus Mainz-Kastel steht ständig unter Strom. Sein treuester Weggefährte ist sein Smartphone, die vielen Telefonate sind seine Arbeitsgrundlage. Er steht für Beharrlichkeit bis zur Hartnäckigkeit. „Und Glaubwürdigkeit“, sagt er. „Ich spreche die Sprache der Spieler.“ Das hilft ihm. „Ich nehme sie mit auf die Reise, mache ihnen aber nichts vor.“ Er hält Kontakt zu den Umworbenen, auch per SMS. „Man muss sich regelmäßig melden.“

Vor einem Jahr etwa hatte er den Wolfsburger Stürmer Patrick Helmes so weit, dass dieser nur zur Eintracht wechseln wollte und allen anderen Klubs absagte. Nur Felix Magath verhinderte damals den Transfer. Die Frankfurter Verantwortlichen fühlten sich hinters Licht geführt und schworen sich seinerzeit, nie mehr einen Spieler aus Wolfsburg zu kontaktieren, so lange Magath beim VfL tätig ist. Das ist er nun bekanntlich nicht mehr. Mit Helmes steht Hübner übrigens heute noch in Kontakt.

Hübner ist einer, der Visionen spinnt, er macht den Umgarnten den Mund wässrig. Als die Frankfurter vor anderthalb Jahren gerade den Wiederaufstieg planten, fabulierte Hübner schon von der Marke Eintracht, dem riesigen Potenzial, er verkaufte den Klub als schlafenden Riesen, der nur erst erwachen müsse, um seine ganze Größe zu entfalten. Hübner, der gelernte Industriekaufmann, der seine Profikarriere früh beenden musste und mal Vertriebsleiter des Wehener Sponsors Brita war, kann sich festbeißen, wenn er etwas will. „Ich bin ehrgeizig“, sagt er. Und er ist ein Bauschmensch. „Genauso wie Armin.“ Armin Veh, der Mann, mit dem er die Eintracht ein gutes Stück umgekrempelt hat.

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