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Das waren noch Zeiten: Luka Jovic im Eintracht-Trikot.

U21-EM

Luka Jovic gehört zu den EM-Stars, Dejan Joveljic schnuppert schon mal rein

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Luka Jovic kostet Real Madrid 70 Millionen Euro, Moise Kean hat einen Marktwert von 45 Millionen – die Stars der U21-EM sind teuer und gleichermaßen begabt.

Optisch haben sie ja wenig gemein. Der eine, 21, die Waden so dick wie bei Anderen die Oberschenkel, neuerdings in Diensten von Real Madrid. Der zweite, 19, der Muckibuden offenbar nur aus Erzählungen kennt und den ersten bald bei Eintracht Frankfurt beerben wird. 

Dennoch ließen sie es sich vor dem Turnierauftakt des serbischen Nationalteams bei der U21-EM in Italien und San Marino nicht nehmen, gemeinsam für ein Foto zu posieren, schließlich ist die Geschichte vom 70-Millionen-Torjäger und seinem Fünf-Millionen-Nachfolger zu nett, um sie nicht auszuschlachten: Also schauten Luka Jovic und Dejan Joveljic keck in die Kamera, luden das Bild in die Sozialen Netzwerke und packten noch einen Fußball samt dem Wörtchen „soon“ dazu. Bald, sollte das wohl heißen, geht’s endlich nicht mehr um Transfers, sondern wieder um die geliebte Kickerei.

Während Joveljic bei den Serben noch Ergänzungsspieler ist, zählt Jovic zu den großen Stars des Turniers. In Abwesenheit von bereits fest zu den A-Kadern zählenden Profis wie Trent Alexander-Arnold (England/FC Liverpool), Jadon Sancho (England/Borussia Dortmund), Marco Asensio (Spanien/Real Madrid) oder auch den Deutschen Kai Havertz (Leverkusen) und Leroy Sané (Manchester City), gibt es doch etliche hochtalentierte Spieler, bei denen sich genaueres Hinsehen lohnt. Ein Überblick über die Stars der U21-EM, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Luka Jovic, Moise Kean, Moussa Dembele

Luka Jovic (21 Jahre/Serbien):Im Leben des jungen Vaters ist im vergangenen Jahr viel passiert. Er hat sich bei der Eintracht vom Ergänzungsstürmer zum Toptorjäger entwickelt. Er traf so verlässlich, 17 Mal in der Bundesliga, zehnmal in der Europa League, dass Real sich seine Dienste lieber schon vor dem Talente-Schaulaufen sicherte und gar überlegte, ob es nicht besser wäre, Jovic sofort in den Urlaub zu schicken, statt ihn in Italien antreten zu lassen. Die Königlichen verzichten schließlich auf ein Veto, solch ein Kräftemessen auf europäischer Ebene wird Jovics Entwicklung gewiss nicht schaden. Und in Madrid planen sie ja ohnehin langfristig mit dem Serben, der Vertrag des „glücklichsten Jungen der Welt“ (Jovic) ist über sechs Jahre ausgelegt. Sein Lehrmeister: Karim Benzema. Kein ganz schlechter.

Wurde mit 16 zum jüngsten Juventus-Profi aller Zeiten, ist mit 19 die italienische Hoffnung: Moise Kean.

Moise Kean (19/Italien):Am 19. November 2016 heulte Giovanni Kean hemmungslos. Die Tränen liefen nur so über seine Wangen, alles festgehalten von einer Handykamera. Der Grund für die Gefühlswallung: Stolz. Mit gerade mal 16 Jahren debütierte Giovannis jüngerer Bruder Moise bei Juventus Turin, als jüngster Spieler der Klubhistorie. Nachdem der Italiener mit ivorischen Wurzeln noch einmal nach Verona verliehen wurde, gelang ihm in der vergangenen Rückrunde der Durchbruch bei Juve. Der Stürmer mit den Dreadlocks und dem kantigen Körper erzielte sechs Tore in 13 Ligaspielen, er wurde A-Nationalspieler und dort mit zwei Toren in drei Spielen alsbald zum Hoffnungsträger.

Moussa Dembélé (22/Frankreich):Neben Jovic und Kean ist Moussa Dembélé von Olympique Lyon ein Kandidat für die Torjägerkrone. Ausgebildet in der Jugend von Paris St. Germain, holte er sich auf der Insel beim FC Fulham und Celtic Glasgow die nötige Wettkampfhärte, um in Lyon mit 15 Ligatoren durchzustarten.

Dawid Korniacki, Federico Chiesa, Matteo Guendouzi

Dawid Kownacki (22/Polen):Noch kein Star, dafür äußerst treffsicher ist der 22-jährige Pole Kownacki. Zuletzt für ein halbes Jahr von Fortuna Düsseldorf aus Genua ausgeliehen, erzielte er in zehn Bundesligaspielen vier Tore. Dazu gelangen ihm in der Qualifikation für die U21-EM elf Treffer – mit Abstand die meisten aller Spieler.

Federico Chiesa (21/Italien):Der Flügelspieler ist erstens der Sohn von Enrico Chiesa, ehemalige italienischer Nationalspieler und Fußballer des Jahres 1996. Zweitens ist er hochtalentiert, für seine erst 21 Jahre übermäßig erfahren (113 Profieinsätze) und rund 60 Millionen Euro wert. Der Mann vom AC Florenz soll schon mit dem FC Bayern geflirtet haben, mittlerweile nähert er sich aber wohl eher einer Liaison mit Juventus Turin an. Die Stärken von Chiesa Junior: Schnelligkeit, Technik, gute Flanken.

Matteo Guendouzi (20/Frankreich):Nicht nur wegen seiner lockigen Haarpracht, wahlweise vergleichbar mit Chelsea-Haudegen David Luiz oder Simpsons-Schuft Tingeltangel-Bob, sticht Guendouzi hervor. Auch hat er sich beim FC Arsenal einen Stammplatz erarbeitet, im zentralen Mittelfeld paart er körperliche Härte mit fußballerischer Finesse.

Fabian Ruiz, Nikola Milenkovic 

Fabian Ruiz (23/Spanien):Der zentrale Mittelfeldmann ist eine echte Erscheinung. Am Boden fegt er dazwischen, in der Luft ist ihm mit seinen 1,89 Metern nur schwer beizukommen. Dazu kann der zweifache spanische A-Nationalspieler, der bei Betis Sevilla zum Profi entwickelt und vergangenen Sommer für 30 Millionen Euro an den SSC Neapel veräußerst wurde, noch gut Fußball spielen. In Neapel kam er auf 27 Ligaspiele, fünf Tore und drei Vorlagen.

Nikola Milenkovic (21/Serbien): Der 21-Jährige ist längst bei den Großen gesetzt. Der Mann vom AC Florenz verteidigte vor einem Jahr bei der WM als Stammkraft. Wie die Kollegen Jovic und Joveljic wurde er in Belgrad geboren, kickte dann aber nicht bei Roter Stern, sondern für Partizan, ehe er 2017 für fünf Millionen nach Italien wechselte. Bei künftigen Transfers wird die Ablöse für die 1,95-Meter-Latte deutlich höher sein. Manchester United zeigt Interesse.

Die deutsche U21

Und die deutsche U21-Auswahl? Die erhält zwar von Jonathan Tah(Leverkusen) und Lukas Klostermann(Leipzig) Jogi-Löw-erprobte Unterstützung, hat zudem veranlagte Spieler wie Maximilian Eggestein(Bremen), Mo Dahoud(Dortmund) oder Luca Waldschmidt(Freiburg) in ihren Reihen, wirklich herausstechen will aus dem Kollektiv aber kaum jemand (siehe auch nächste Seite). Ähnliches gilt für die vielen weiteren Bundesligaprofis bei der U21-EM. 

Einige Beispiele: Dodi Lukebakio(Düsseldorf) geht für Belgien auf Torejagd, Jean-Philippe Mateta(Mainz) für Frankreich, Jacob Bruun Larsen(Dortmund) für Dänemark. Zu den abwehrenden Abteilungen zählen die Franzosen Dayot Upamecanound Ibrahima Konaté(beide Leipzig) sowie der Spanier Aaron Martin(Mainz).

Von Daniel Schmitt

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