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Tuta: Hasebes Kronprinz in Frankfurts Defensive

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Von: Ingo Durstewitz

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Wird die Eintracht-Abwehr anführen: Tuta.
Wird die Eintracht-Abwehr anführen: Tuta. © Jan Huebner

Der 23-Jährige Eintracht-Profi Tuta fürchtet keine noch so großen Fußstapfen. In der kommenden Saison soll er beweisen, dass er der Aufgabe als Abwehrchef gewachsen ist.

Mit Makoto Hasebe zu spielen, heißt auch, vom Besten zu lernen. Tuta, der junge Mann aus Sao Paulo, schaut genau hin und hört genau zu, wenn der Eintracht-Altmeister sich die Ehre gibt. Er weiß warum: Als Hasebe, in einem halben Jahr 39 Jahre alt, mit 18 seinen ersten Profivertrag unterschrieb, war der Brasilianer gerade mal drei. Kein Wunder, dass Tuta voller Hochachtung über den Bundesliga-Methusalem spricht. „Ich habe mir vieles abgeschaut“, sagt er. „Makoto hilft mir sehr.“ Staunen muss er über die öffnenden Pässe des Liberos, etwa auf Stürmer Rafael Borré, flach, scharf, präzise, von ganz hinten nach ganz vorne. „Das sieht bei ihm so einfach aus.“ Ist es aber nicht. Tuta weiß das.

Wenn nicht alles täuscht, wird der Südamerikaner die Rolle übernehmen, die Hasebe in Frankfurt viele Jahre inne und fast schon perfektioniert hatte: die des freien Mannes in der Dreierabwehrkette. Tuta, Hasebes Kronprinz.

In der letzten Saison besetzte zumeist Martin Hinteregger diese Position, doch der hat Schluss gemacht mit professionellem Fußball. „Das war ein trauriger Moment für uns“, sagt der Hundeliebhaber, aber jeder müsse seine eigenen Entscheidungen treffen und diese gelte es, zu respektieren.

Nun also Tuta. Schon im Halbfinalrückspiel der Europa League gegen West Ham und im Endspiel in Sevilla gegen Glasgow rückte der erst 23 Jahre alt gewordene Verteidiger von rechts in die Mitte – und machte seine Sache ausgesprochen gut. „Da hat er gezeigt, dass er das kann“, sagt Sportvorstand Markus Krösche. „Von seinem Naturell kann er unser Abwehrchef werden, das ist eine Position, die in Zukunft zu ihm passen könnte.“ Tuta bringe alle Fähigkeiten mit, „fußballerisch ist er gut, er verteidigt nach vorne, ist clever im Zweikampf und hat ein sehr gutes Spielverständnis.“

Glaube ans eigene Potenzial

Der Profi selbst ist es gewohnt, in große Fußstapfen zu treten: Nach dem Karriereende von Capitano David Abraham vor eineinhalb Jahren übernahm er den Part rechts in der Innenverteidigung, vorher saß er fast nur auf der Bank. Jetzt folgt der nächste Schritt, eine noch wichtigere, bedeutsamere Aufgabe. „Da habe ich mehr Verantwortung, kann mich noch mal weiterentwickeln. Ich glaube an mein Potenzial“, sagt der Abwehrmann, der erst kurz vor dem Finale seinen Vertrag bis 2026 verlängert hat. „Das war auch ein Zeichen der Dankbarkeit, die Eintracht hat mir die Chance gegeben, mich in Europa zu zeigen und Fuß zu fassen. Hier ist es wie eine Familie, wie zu Hause.“

Furcht, den Erwartungen nicht gerecht zu werden, hat er nicht. Tuta ist ein selbstbewusster Mann, er weiß, was er kann und was er will. Und doch ist die neue Position noch immer Neuland für ihn. Erstmals testete Trainer Oliver Glasner den Verteidiger im Testspiel in Mainz als modernen Libero. Das war Ende Januar dieses Jahres (Tuta erzielte nebenbei auch noch das 1:0-Siegtor). Da hatte der Coach zumindest im Hinterkopf die Idee, den klugen Spieler perspektivisch dorthin zu führen. Tuta, findet Sportchef Krösche, müsse aber auf jeden Fall noch „deutlich lauter werden, coachen und kommunizieren“.

So wie das Makoto Hasebe macht, der nicht nur fast alle brenzligen Situationen vorhersieht, sondern auch seine Nebenleute entsprechend verschiebt und anleitet. Krösche ist ein großer Fan des Routiniers. „Hase ist ein Phänomen“, sagt er. „Er hat den Rundumblick, ist wie ein Trainer auf dem Platz.“ Allein der bockstarke Auftritt in Sevilla nach Hasebes Einwechslung (für Tuta) nötigt dem Manager höchsten Respekt ab. „Kommt da rein und liefert so eine Leistung ab: brutal, einfach unfassbar.“

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