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Tuta, der verhinderte Abwehrchef

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Von: Ingo Durstewitz

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Hat in dieser Saison bisher die drittmeisten Spielminuten auf dem Konto: Tuta. imago images
Hat in dieser Saison bisher die drittmeisten Spielminuten der Eintracht-Profis auf dem Konto: Tuta. © Imago/Jan Huebner

Der brasilianische Verteidiger muss weiter auf die Wachablösung warten und erst einmal seine Leistung stabilisieren.

Eigentlich war für den Brasilianer Tuta, wie die FR bereits Mitte Juli schrieb, die Rolle als Kronprinz für den Bundesliga-Methusalem Makoto Hasebe vorgesehen. Irgendwann muss der Japaner, im Januar 39, ja mal kürzertreten, kann doch nicht ewig spielen. Und so kam es, wie es jede Saison kommt: Libero Hasebe saß erst einmal draußen, lange sogar, es reichte nur zu zwei Kurzeinsätzen, Nettospielzeit in den ersten sechs Bundesligaspielen: 26 Minuten. Das ist nicht die Welt. Die Welt war es auch nicht immer, was Eintracht Frankfurt da so fabrizierte.

Und dann, im wichtigen Champions-League-Spiel in Marseille, reagierte Trainer Oliver Glasner auf die wechselhaften Leistungen seiner Mannschaft und beorderte den Altmeister auf seine angestammte Position – und schon lief es wieder rund. Diese Umstellung hing, man muss das so ehrlich sagen, auch mit den Vorstellungen des Südamerikaners Tuta zusammen, der weder mit Nebenmann Evan Ndicka in der Viererkette noch als zentrales Glied der Dreierabwehrkette so richtig zu überzeugen wusste.

Fehlzeit? Nur neun Minuten

Das war vor Saisonbeginn anders eingeschätzt worden. Tuta, bürgerlich Lucas Silva Melo, sollte zum Abwehrchef aufgebaut werden, schon in den wichtigen Europa-League-Partien im Frühjahr bekleidete er diesen verantwortungsvollen Posten, vertrat da den inzwischen vom Profifußball abgetretenen Martin Hinteregger. Er machte das umsichtig und recht cool für seine 23 Lenze. Auch die Sportführung war überzeugt von den Fähigkeiten des Hundeliebhabers, dessen Kontrakt unmittelbar vor dem großen Finale gegen die Rangers bis 2026 verlängert worden war. Ausdruck der gestiegenen Wertschätzung. „Von seinem Naturell kann er unser Abwehrchef werden, das ist eine Position, die in Zukunft zu ihm passen könnte“, sagte Sportvorstand Markus Krösche. Tuta bringe alle Fähigkeiten mit, „fußballerisch ist er gut, er verteidigt nach vorne, ist clever im Zweikampf und hat ein sehr gutes Spielverständnis.“ All das stimmt. Und doch war die Zeit offenbar noch nicht reif für den Verteidiger. Das Timing stimmte oft nicht, er ließ sich zu oft rauslocken oder zu sehr hinten reindrängen, er gab der Mannschaft in der Zentrale nicht die nötige Sicherheit und Ruhe, die es gerade auf dieser Position benötigt.

Dabei spielt er keine schlechte Saison, beileibe nicht, er stand in allen 15 Bundesligapartien in der Startelf, hat die drittmeisten Spielminuten auf dem Konto, ist nur einmal, am ersten Spieltag gegen die Bayern, kurz vor Schluss ausgetauscht worden, er kommt auf 1341 Minuten, nur Evan Ndicka (zwei mehr) und Torwart Kevin Trapp mit 1350 Minuten kommen auf unwesentlich mehr Spielzeit.

Das ist kein Zufall, Trainer Oliver Glasner vertraut dem Mann aus Sao Paulo. Und auch die zarte Handgreiflichkeit nach einem Disput mit Führungskraft Trapp beim jämmerlichen Spiel in Bochum hat der Fußballlehrer dem Abwehrspieler nicht nachgetragen, ihm aber ein paar deutliche Worte ins Stammbuch geschrieben. „Es ist gut, wenn Kevin die Jungs auch mal rüffelt, wenn irgendetwas nicht passt. Ganz wichtig ist auch, dass man sich von erfahrenen Spielern mal etwas sagen lässt“, sagte Glasner und bestellte Tuta zum Rapport. „Vielleicht ist dem einen oder anderen der Erfolg ein bisschen zu schnell gegangen. Darüber werden wir intern sprechen.“ Gesagt, getan, abgehakt.

Der Brasilianer hat eine insgesamt solide Runde gespielt, zuletzt allerdings schwächelte er ein wenig, Konsequenzen hatte er freilich nicht zu befürchten. Mit Abwehrspielern ist die Eintracht nicht im Überfluss gesegnet. Almamy Touré etwa, der ihm den Platz hätte streitig machen können, war gleich mal wieder lange verletzt. Genauso wie Neuzugang Jerome Onguene, der aber seine Tauglichkeit ohnehin noch unter Beweis stellen muss. Da gibt es zumindest Zweifel.

Makoto Hasebe übrigens mischt im Training wieder mit, und vielleicht hängt er ja noch mal eine Saison dran. Der Kronprinz wird noch ein wenig auf die Wachablösung warten müssen.

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