Kluger Mann im alten Klub: Torwart Jan Zimmermann.
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Kluger Mann im alten Klub: Torwart Jan Zimmermann.

Jan Zimmermann

"Der Tumor hat mich auf links gedreht"

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Der neue Eintracht-Torhüter Jan Zimmermann über schwierige Zeiten.

In den kommenden Tagen muss Jan Zimmermann etwas kürzertreten. Eine Operationsnarbe ist aufgeplatzt und musste neu genäht werden. „Das ist Pech und deprimiert mich am meisten“, sagte der 32 Jahre alte Torwart der Frankfurter Eintracht. Doch die OP sei unumgänglich gewesen, ein Muttermal weggeschnitten worden. „Das Hautkrebsrisiko ist gebannt. Das ist das Wichtigste“, befand der kluge Kopf. Am Sonntag nahm er sich eine halbe Stunde Zeit für die Presse und sprach über...

...die Rückkehr nach Frankfurt:  Ich bin voller Euphorie und Ehrgeiz. Ich habe mich hier vom Jugend- zum Profispieler entwickelt. Es gab andere Angebote, aber für mich ist das kein x-beliebiger Klub, sondern mein Verein. Mein Herz und mein Gefühl haben ‚Ja’ zur Eintracht gesagt.

...über die chaotischen Vorgänge bei Ex-Klub 1860 München: Dieses Jahr war extrem schwierig für uns Spieler. Was im Verein alles passiert ist, kann man sich nicht ausmalen. Und es setzt sich jetzt nach dem Abstieg fort. Dabei kann so ein Abstieg ein reinigender Prozess sein. Es gibt jetzt jedenfalls genügend Geschichten, die ich abends mal bei einem kühlen Bier erzählen kann.

...über den fast schon logischen Abstieg der Sechziger: Das ist das Paradebeispiel für Mentalität schlägt Qualität. Ich habe in beide Richtungen alles erlebt. In Darmstadt sind wir nur über die Mentalität gekommen, bei 1860 über die Qualität. Was im Endeffekt wichtiger ist, hat man gesehen. Wenn es im Team nicht stimmt, wenn man die Fehler des Mitspielers nicht ausbügeln will, sieht man, wo es hinführt. Hier in Frankfurt ist das ganz anders. Ich merke schon ein ganz anderes Wir-Gefühl, ein anderes Miteinander. Und das hat man sogar aus der Ferne gespürt.

...über Lukas Hradecky: Wir haben uns sofort gut verstanden, er ist ein sehr angenehmer Typ. Wir sind beide positiv und liegen auf einer Wellenlänge. Natürlich ist er auch ein sehr guter Torwart.

...über das Theater rund um Hradecky: Um das Thema kommt man in Frankfurt nicht herum. Er ist hier, er ist Stammtorwart. Über alles andere mache ich mir keine Gedanken.

...über seine Rolle als Nummer zwei: Lukas ist die Nummer eins, das hat er die letzten Jahre eindrucksvoll bestätigt. Aber es ist nicht so, dass ich gekommen bin, um mich auszuruhen. Das entspricht nicht meinem Naturell. Ich war auch lange Jahre Nummer eins, und da ist man froh, wenn der zweite Torwart durch Leistung kratzt und beißt. Ich werde mich hier nicht zufrieden auf die Couch legen und sportlich abschenken. Und zum anderen: Durch herausragendes Training und sehr gute Leistungen kann man auch an bestehenden Positionen rütteln.

...über die Sehnsucht nach Ruhe im Leben:  Nach dem Jahr bei 1860 ist es extrem schön, Ruhe und Kontinuität zu haben (lacht). Und durch meine Kopf-OP sehe ich viele Dinge anders, meine Lebensweise hat sich geändert. Das Bewusstsein zum Leben ist dramatisch anders geworden. Ich bin glücklich, dass ich meinen Sport ausüben kann. Ich bin dankbar für jede Kleinigkeit, die das Leben bereithält. Ich weiß Dinge einfach besser einzuordnen. Manche Dinge haben an Wichtigkeit verloren, andere haben gewonnen. Das erhöht meine Lebensqualität.

...über die konkreten Veränderungen durch seinen 2015 zufälligerweise entdeckten Hirntumor: Ich kann nur sagen, dass ich immer positiv war. Aber danach war es noch extremer. Vor der OP damals habe ich gesagt: ,Der Tumor kann mich gar nicht so sehr verändern.‘ Danach dachte ich: ,Was warst du für ein Vollidiot?‘ Der Tumor hat mich auf links gedreht. Ich habe so viel Positives erlebt. Der Weg hat mich beschenkt, selbst der Tumor war eine positive Geschichte. Er ist entdeckt und entfernt worden. Wenn ich nicht von Darmstadt nach Heidenheim gewechselt wäre, wäre er vielleicht nie entdeckt worden. Da kann ich nichts Negatives sehen.
 
...über Marco Russ, der ein ähnliches Schicksal durchlebte:
Wir kennen uns ewig, hatten immer wieder mal Kontakt. Wir thematisieren das nicht großartig, aber man merkt in der Kommunikation untereinander, dass wir andere Ansichten haben als andere. Solch eine Geschichte prägt einen extrem. Diese Erfahrungen haben mich weitergebracht.

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