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Oft mittendrin, wenn es Ärger gibt: Eintracht-Angreifer Ante Rebic stand gegen Freiburg im Blickpunkt, weil er verdeckt austrat.
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Oft mittendrin, wenn es Ärger gibt: Eintracht-Angreifer Ante Rebic stand gegen Freiburg im Blickpunkt, weil er verdeckt austrat.

Schiedsrichtereinscheidungen

Tritte unterm "Teleskop"

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt fühlt sich gegen Freiburg gleich doppelt benachteiligt und in eine Ecke gestellt, doch Ante Rebic hat selbst wieder eine schmutzige Aktion ausgepackt.

Niko Kovac versuchte es vor laufender Fernsehkamera mit einer absolut zutreffenden Selbstbeschreibung, ehe er dann doch ein wenig energischer wurde. „Ich bin ja immer recht freundlich“, sagte der Eintracht-Trainer recht freundlich. „Aber ich muss meine Mannschaft jetzt verteidigen.“ Nicht zum ersten Mal. Aber vielleicht zum ersten Mal mit so viel Verve.

Nach der 1:2-Niederlage gegen den SC Freiburg redete sich der Frankfurter Fußballlehrer in Rage, er verlor nicht die Beherrschung, dafür ist Kovac zu kontrolliert, er hat gelernt, seine Emotionen zu unterdrücken, zumindest aber zu dimmen, doch ihm war deutlich anzusehen, wie sehr es in ihm brodelte. Er leistete sich das eine oder andere Wortgefecht mit Sky-Mann Stefan Hempel, die Fieldreporter des Abo-Senders werden geschult, sich von den Verantwortlichen nicht ins Bockshorn jagen zu lassen.

Kovac fühlte sich von Schiedsrichter Günter Perl und dessen Team benachteiligt, in zwei Fällen sicherlich zurecht. Das Freiburger Siegtor durch Florian Niederlechner fiel aus einer doch ziemlich deutlichen Abseitsposition (59.), zudem war der Eintracht ein Treffer durch Ante Rebic aberkannt worden (33.), Mijat Gacinovic soll zuvor den Freiburger Torhüter Alexander Schwolow behindert haben. Eine harte Entscheidung, Gacinovic hatte zwar den Arm an die Seite des SC-Keepers gelegt, doch ob das reichte, um den Schlussmann wirklich zu beeinträchtigen, ist arg zweifelhaft. Sky-Experte und Ex-Fifa-Schiri Markus Merk fand den Pfiff des Referees „schwer nachvollziehbar“.

Kovac führte auch noch die Gelbe Karte ins Feld, die Gacinovic kurz darauf nach einem Foul an Schwolow sah. „Wenn das eine Gelbe Karte ist, dann muss sich keiner wundern, weshalb wir so viele haben“, merkte er süffisant an. Er fand gar, dass seine Mannschaft in der Schlussphase noch einen Strafstoß verdient gehabt hätte, weil Michael Hector im Strafraum gezogen worden und der Ball anschließend noch einem Freiburger an die Hand gesprungen sei. Eine Situation, die sich im Nachhinein nicht mehr nachvollziehen ließ.

Sportdirektor Bruno Hübner hadert generell mit den Leistungen der Unparteiischen: „Zuletzt hatten wir mehrere unglückliche Entscheidungen gegen uns.“ Doch jede Situationen ist solo zu bewerten, und da bleibt festzuhalten, dass diese Entscheidungen sicherlich im besten Wissen und Gewissen getroffen wurden. „Der Schiedsrichter macht Fehler, wir auch“, sagte Trainer Kovac, als er schon wieder etwas heruntergekühlt war. „Das ist so – so what?“ Ändern lässt es sich sowieso nicht mehr. Und generell ist es keine gute Idee, sich allzu lange und auch nach außen mit Dingen zu beschäftigen, die sich nicht mehr beeinflussen lassen und die von der eigentlichen Misere und den Gründen für den Sinkflug ablenken können.

Kovac sieht aber sehr wohl einen kausalen Zusammenhang zwischen den Schiedsrichterentscheidungen und dem Abwärtstrend, er will das nicht überbewerten und auch kein großes Fass aufmachen, er will es nicht ins Zentrum seiner Analyse stellen, aber er klagt schon recht deutlich an: „Ich habe ein bisschen das Gefühl, Eintracht Frankfurt hat die meisten Gelben und Roten Karten, also pfeifen wir mal gegen sie.“ Er wehrt sich nach wie vor gegen den zweifellos schlechten Ruf seiner Mannschaft, gegen das Image, eine Tretertruppe zu sein. „Das ist ungerechtfertigt.“ Nur zwei der sechs Roten Karten seien wirklich die Folge eines unsauberen oder überharten Einsteigens gewesen. „Wir gehen nicht körperbetonter als andere Mannschaften hin.“

Er, Kovac, sei das Thema leid. Schon vor dem Pokalspiel gegen Bielefeld hatte er erklärt, er wolle zu diesem Thema nichts mehr sagen, weil die ganze Diskussion in eine „falsche Richtung“ abdrifte. „Wir sind keine Mannschaft, die umtritt, was sich bewegt.“ Jetzt sah er sich offenbar dazu gezwungen, sich trotzdem wieder dezidiert zu äußern.

Er ist mittlerweile der Auffassung, dass seine Mannschaft in eine bestimmte Ecke gedrängt und in eine Schublade gesteckt werde. „Den Stempel haben wir doch eh schon. Ich sage meiner Mannschaft, dass wir körperloser spielen müssen und weniger Fouls begehen dürfen, weil wir im Moment im Fokus stehen. Wir dürfen demnächst gar nichts mehr machen. Vielleicht dürfen wir uns noch gegenseitig anschauen und uns die Hände schütteln“, bedeutete er ironisch und schloss schließlich trocken ab. „Wir sind nur nicht unter einer Lupe, sondern unter einem Teleskop“, sagte er und wählte ein etwas schräges Bildnis. Seine Botschaft und sein Begehr freilich sind klar: Er will partout verhindern, dass die Schiedsrichter reflexartig gegen die Frankfurter Spieler entscheiden. Das Unbewusste kann der Mensch ja nie so wirklich ausschalten.

Doch einer seiner Akteure hat am Sonntag mit einem fiesen Tritt dieser Diskussion erneut Vorschub geleistet. Ante Rebic ließ sich vor einem Freistoß dazu hinreißen, seinem Gegenspieler Lukas Kübler mit den Stollen auf den Fuß zu steigen und seinen Schuh überdies noch zweimal zu drehen, so, als wolle er eine Zigarette austreten (38.). Eine hinterlistige Szene. „Das war nicht okay, die Situation war nicht in Ordnung“, kritisierte Manager Hübner. Aber er verurteilte auch den sofortigen Zusammenbruch des Freiburger Profis, der nach eigenen Angaben aber einen blitzeblauen Fuß davontrug.

„Der Fußball gefällt mir so nicht mehr“, befand Hübner. „Es gibt zu viele Provokationen und zu viel Theatralik.“ Als leuchtendes Gegenbeispiel führte der Sportdirektor seinen Sohn Benjamin Hübner an, der bei der TSG Hoffenheim unter Vertrag steht und unlängst in der Partie gegen Schalke 04 ganz übel und hinterrücks von Leon Goretzka getreten worden sei. Eine Aktion, die auch Ex-Eintracht-Profi Stefan Reinartz als „extrem asozial“ einstufte. „Benny“, so Hübner, habe aber keine Show abgezogen, sondern „ist einfach aufgestanden und hat weitergespielt.“ So lobt er es sich.

So oder so: Mit Tritten wie jenem von Ante Rebic wird die Eintracht ihr ohnehin schon vorhandenes Imageproblem nicht abstreifen können. Sie hat zwar einen sympathischen Trainer, aber sicherlich keine sympathische Mannschaft, die Wahrnehmung hat sich längst geändert, die Eintracht wird nicht mehr als Überraschung oder Mannschaft der Stunde gefeiert, sondern als Treter gebrandmarkt. Das hat bedenkliche Ausmaße angenommen, und schuldlos sind die Hessen an ihrer Reputation sicher nicht. Dazu passt, dass sich Bastian Oczipka seine fünfte Gelbe Karte eingehandelt hat. Glücklicherweise wird er nur am Samstag in München fehlen, besonders hoch wird die Eintracht dort ohnehin nicht gewinnen.

Immerhin gab es am Sonntag noch eine versöhnliche Geste: Niko Kovac und TV-Mann Stefan Hempel haben ihren Zwist schnell beigelegt. „Wir“, sagte der Eintracht-Trainer lächelnd, „haben uns doch gar nicht gestritten.“     

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