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Boris Wolberts ist wieder daheim.

SGE-Fan Boris Wolberts

Neun Tage, sieben Spiele, 16 Tore

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Die abenteuerliche Reise von Eintracht-Fan Boris Wolberts in die Ukraine. 

Boris Wolberts sagt einen Satz, der bemerkenswert ist, wenn man seine Geschichte kennt: „Ich wollte einfach mal ein paar Tage ausspannen.“ Deshalb habe er in der vergangenen Woche gleich alle fünf Arbeitstage freigenommen, um zum Europacup-Hinspiel zwischen Schachtjor Donezk und Eintracht Frankfurt nach Charkiw in der Ukraine zu reisen.

Wenn Boris Wolberts „mal ausspannen will“, sieht das so aus: Er fliegt am Samstag von Frankfurt nach Leipzig und schaut dort das Spiel der Eintracht bei RB Leipzig (0:0) an. Er fährt danach mit dem Bus nach Dresden. Reist am Sonntag ebenso mit dem Bus nach Prag. Fliegt von dort nach Bukarest. Nimmt einen Shuttle nach Craiova. Schaut dort das rumänische Erstliga-Spiel Craiova gegen Cluj (2:0). Gelangt mit dem Anbieter BlaBla-Car nach Botosani. Schaut dort am Montag das Spiel Botosani gegen Voluntari (1:0). Fährt am Dienstag mit einem Bus bis zur rumänisch-ukrainischen Grenze. Läuft über die Grenze. Fährt per Anhalter nach Czernowitz und von dort mit dem Zug über Kiew nach Charkiw. Sieht dort am Donnerstag (nach zwei langen Tagen ohne Fußball) das 2:2 der Eintracht im Europapokal. Fliegt am Freitag ins polnische Kattowitz, reist weiter nach Gliwice und schaut dort das Spiel der örtlichen Mannschaft gegen Posen (4:0). Fährt am Samstag nach Ostrau in Tschechien, schaut Ostrau gegen Liberec (2:1) und kommt pünktlich zum Spiel der Eintracht gegen Mönchengladbach (1:1) am Sonntagnachmittag in Frankfurt an. Wie gesagt: Boris Wolberts, 48 Jahre alt, fast ebenso lange Eintracht-Fan, gelernter Verlagskaufmann, mittlerweile Kraftfahrer, wollte „mal ein paar Tage ausspannen“.

Erstaunlich ist auch: Wolberts zählt sich nicht zu den Groundhoppern, also zu den Fußball-Fans, die so viele Stadien wie möglich besuchen wollen und darüber akribisch Buch führen. Das macht Wolberts nicht. Er habe halt Lust auf eine spannende Reise gehabt, „und die Fußballspiele waren das Salz in der Suppe“. Hätte es die Spiele auf dem Weg nach Charkiw nicht gegeben, wäre er eben öfter mal ins Museum gegangen.

Die Spiele seiner Eintracht verfolgt Wolberts ausnahmslos alle – daheim mit Dauerkarte für Block 40, wo die treuesten Fans stehen. Im Europapokal hat er die Mannschaft schon in den 80ern und 90ern begleitet. 1993 war er als einer von 22 Fans in Dnjepropetrowsk. Während die Mannschaft heute stets von mehreren Tausend Fans in die entlegensten Ecken Europas begleitet wird, „waren wir damals Exoten“. Wobei: Zumindest seine eigene Reise ist auch heutzutage nicht eben gewöhnlich.

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