+
Eintracht Frankfurts Sebastian Rode am Boden.

0:3 gegen Basel

Ein trauriger Abend für die Eintracht

  • schließen
  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
    schließen

Das merkwürdige Geisterspiel gegen den FC Basel endet für die Frankfurter Eintracht mit einer Klatsche - aber so richtig interessiert hat das niemanden.

Für die beste Unterhaltung, zumindest weit oben auf der Tribüne, sorgte an diesem traurigen und tristen Abend im Frankfurter Stadtwald das HR-Reporterurgestein Dirk Schmitt, der damals schon vorm Mikro saß, 1999, als die Eintracht dank des Übersteigers eines gewissen Jan-Aage Fjörtoft das Wunder gegen Kaiserslautern vollbrachte. Der exaltierte Radiomann war seinerzeit, vor mehr als zwei Dekaden, in der Schlussphase vor dem 5:1 förmlich ausgeflippt. Am Donnerstagabend verlieh er dem Geisterspiel in der Europa League zwischen der Eintracht und dem FC Basel eine eigene Note, die zwar nichts am für die Eintracht desillusionierenden Ergebnis von 0:3 (0:1) änderte, aber doch ganz ulkig war, weil er mit seiner voluminösen Stimme nicht inmitten eines pulsierenden Tollhauses kommentierte, sondern quasi mitten im Nichts saß, oben auf der Pressetribüne. Schmitt also sorgte für so manches Bonmot und für Schmunzler auf den blauen Reportersitzen unterm Dach: „Ndicka hat schicke gelbe Fußballschuhe an.“ Oder auch: „Paciencia, da steht er in voller Größe und Schönheit, ein Bild von einem Mann.“ Auch das noch: „Dieser Touré ist ja ein Fuchs, da holt er mit rechts so einen raus.“

Unten auf dem Rasen versuchten die Frankfurter Fußballprofis händeringend und fast schon verzweifelt, einen halbwegs normalen Auftritt hinzulegen. Das fiel ihnen erwartungsgemäß ganz schön schwer, zum einen, weil aufgrund des Coronavirus‘ keine Zuschauer im Stadion zugelassen waren und zuweilen eine eisige, traurige, gespenstische Atmosphäre herrschte, und zum anderen, weil es in diesen aufgeregten Tagen ja ohnehin sehr viel Wichtigeres gibt, als den Ball beim Kontrahenten ins Tor zu schießen.

Das nackte Ergebnis von 0:3 war denn zwar nicht ganz unwichtig, aber doch zweitrangig, es ist ja nicht sonderlich wahrscheinlich, dass der Wettbewerb einfach so fortgesetzt wird, während die Normalität im Alltag längst außer Kraft gesetzt ist.

Trotzdem, rein sportlich betrachtet, war das Spiel und das Resultat aus Sicht der Hessen höchst ernüchternd. Am Ende eines merkwürdigen Abends und eines seltsamen Spiels, das auch keinen einzigen Zuschauer verdient gehabt hätte, stand die nächste Klatsche, dieses Mal 0:3, und eine grottenschlechte Leistung. „Wenig positiv, Ergebnis erschreckend“, bilanzierte der konsternierte Trainer Adi Hütter: „Wir haben nie damit gerechnet, gegen Basel 0:3 verlieren zu können. Das macht uns alle sehr traurig.“

Der Einzug ins Viertelfinale, so es denn ausgespielt würde, ist somit so gut wie verspielt. Die magischen Nächte gehören in Frankfurt, so oder so, erst einmal der Vergangenheit an. „Wir haben zwar ordentlich gespielt – letztlich hat uns aber die Durchschlagskraft gefehlt. Wir haben viele schlechte Entscheidungen getroffen. Wir sind sehr enttäuscht. Es wird unheimlich schwer im Rückspiel. Das ist klar“, betonte Sportdirektor Bruno Hübner. „Für unser Spiel am Sonntag gegen Gladbach hat uns das heute geholfen, um die richtige Einstellung zu finden und mit dieser seltsamen Atmosphäre klarzukommen.“

Diese Partie zeigte einmal mehr, wie sehr die Frankfurter in dieser Saison auf ihre frenetischen Fans angewiesen sind – ohne den Anhang im Rücken fehlt der Mannschaft eine große Dosis Adrenalin und Leidenschaft, da ist sie deutlich schwächer und anfälliger als sonst. Irgendwie sollte sie sich mal damit anfreunden, einem Opponenten ohne Motivationsschub von außen zu begegnen.

Eine gute Ausgangsposition fürs Rückspiel ist diese Packung natürlich nicht, sie ist so ziemlich das Gegenteil. Das Rückspiel wird übrigens in einer Woche erneut in Frankfurt ausgetragen, darauf einigten sich die Vertreter aus Basel und Frankfurt am Donnerstag. Dann wird erneut unter Ausschluss der Öffentlichkeit gespielt – wenn die Partie, wie erwähnt, denn überhaupt angepfiffen wird, wonach es nicht aussieht.

Die Begegnung begann, zumindest vom Rahmenprogramm her, wie jedes andere Spiel in Frankfurt, außer es wird mal wieder gegen bereits abgeschaffte Montagsspiele protestiert. Also lief der Polizeichor mit „Im Herzen von Europa“, Tankards „Schwarz-weiß wie Schnee“, auch die Mannschaftaufstellung wurde musikalisch untermalt vorgetragen, auch wenn die Journalisten und Fotografen natürlich nicht die Spielernamen in den Himmel brüllten. Wäre ja noch schöner.

Fußball wurde dann auch gespielt, und da tat sich die Eintracht doch ganz schön schwer, klar war sie optisch überlegen, aber überhaupt nicht zwingend. Im ersten Abschnitt gab es genau einen halbwegs gefährlichen Torschuss, Sebastian Rode setzten den Ball einen knappen Meter neben den Pfosten (8.). Das war es mit der Frankfurter Herrlichkeit. Die Gäste, nur Dritter in der Schweiz, waren nicht besser, aber effizienter. Samuele Campo verwandelte einen von Martin Hinteregger verschuldeten Freistoß zum 0:1 (27.). Anschließend vergab Omar Alderete (44.), und auch im zweiten Durchgang ging es zunächst genauso weiter: Fabian Frei schoss freistehend drüber (46.), und viele der Wenigen fragten sich, was denn mit dieser Mannschaft nur los ist?

Die Platzherren rissen sich zumindest zusammen, André Silva schoss drüber (52.), ehe Almamy Touré einmal die Latte traf (65.) und einmal mit links an Keeper Jonas Omlin scheiterte (66.). Und dann kam das, was kommen musste, weil die Eintracht sehr offensiv agierte und die Deckung entblößte: Der eingewechselte Kevin Bua schloss einen Konter sehr hübsch mit dem 0:2 ab (73.), Frei machte den Deckel drauf (85.) und sorgte für lange Gesichter bei den Frankfurtern an einem traurigen Abend, an dem irgendwie nichts war, wie es sein sollte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare