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Eintracht Frankfurt - Benfica Lissabon

Eintracht in der Europa League

Der Traum geht weiter

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Eintracht Frankfurt ist tatsächlich ins Halbfinale in der Europa League eingezogen – eigentlich unglaublich. Ein Kommentar.

Langsam wird einem Eintracht Frankfurt echt unheimlich. Der hessische Bundesligist, einzig verbliebener deutscher Teilnehmer in einem europäischen Wettbewerb, spielt weiterhin im Konzert der Großen der Branche mit. Benfica Lissabon, abgestiegener Champions League-Teilnehmer, hat selbst ein Zwei-Tore-Polster gegen die wie entfesselt und mitreißend auftretenden Frankfurter nicht gereicht. Die Eintracht steht damit im Halbfinale, in der Runde der letzten Vier. Und trifft jetzt auf den FC Chelsea. Leichter werden die Gegner halt nicht. Aber Baku, der Ort des Finales am 29. Mai, rückt immer näher. 

Eigentlich schien eine Steigerung kaum noch möglich: Erst alle sechs Gruppenspiele gewonnen, was vorher noch keiner deutschen Mannschaft gelungen war, dann die Großkopferten von Schachtjor Donezk ausgeschaltet, dann Inter Mailand nach allen Regeln der Kunst bezwungen. Und jetzt auch noch die in Lissabon so spielstarke Benfica aus dem Wettbewerb bugsiert. Frankfurt, das ist keine Übertreibung, steht Kopf wegen des neuerlichen Husarenritts dieser Mannschaft, die im Moment einfach nicht aufzuhalten scheint. Dieses couragierte Auftreten der Hessen nötigt höchsten Respekt ab, es ist außergewöhnlich, fast unglaublich.

Bedingungslose Bereitschaft für die Europa League

Aber die Eintracht ist belohnt worden für ihren Mut und ihre bedingungslose Bereitschaft, diesen Wettbewerb mit jeder Faser zu durchdringen. Die Europa League war keine Belastung für den Klub, keine Strapaze war zu schwer, keine Reise zu weit, kein Gegner zu renommiert – im Gegenteil: Aus den europäischen Auftritten hat die Eintracht vielmehr Honig gesaugt, es hat sie beflügelt, angestachelt und die Lust nach mehr immer größer werden lassen. Keine andere Mannschaft hat diesen Wettbewerb so verinnerlicht, so angenommen wie die Eintracht. Und mit jedem Sieg, mit jedem Weiterkommen ist das ohnehin schon nicht geringe Selbstbewusstsein weiter gewachsen. Unmittelbar nach einer 2:4-Klatsche in Lissabon zu sagen, „die hauen wir im Rückspiel weg“, wie das Sportvorstand Fredi Bobic fast schon großmäulig getan hat, zeugt in der Tat von enormen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Bobic hat sich weit aus dem Fenster gelehnt, die Häme wäre groß gewesen, die sich bei einem möglichen Ausscheiden über ihm ergossen hätte, doch die Mannschaft, gleichermaßen selbstbewusst, hat ihn nicht hängen gelassen.

Eintracht Frankfurt ist ganz klar einer der ganz großen Gewinner dieses Wettbewerbs. Nicht nur sportlich und finanziell - bislang flossen immerhin Einnahmen in Höhe von knapp 30 Millionen Euro in die Kasse. Der Imagegewinn, der der Eintracht durch ein spektakuläres Auftreten gelungen ist, ist kaum mit Geld aufzuwiegen. Vom wenig beleumundeten einstigen Randalemeister zu einem der beliebtesten Teams der Bundesliga zu werden, ist ein weiter Weg, doch die Eintracht hat ihn innerhalb kürzester Zeit zurücklegen können – trotz ihrer nie ganz in den Griff zu bekommenden Fans.

Die Eintracht hat Geschichte geschrieben. Das Abenteuer ist noch nicht zu Ende, der Traum geht weiter. Der FC Chelsea ist die nächste Hürde. Sie ist enorm hoch. Aber das hieß es auch schon bei der Gruppenauslosung Ende August des vergangenen Jahres, das hieß es bei Donezk, Inter Mailand und Benfica auch. Aber wer bis ins Halbfinale eines europäischen Wettbewerbs vorstößt, für den gibt es kaum noch Grenzen. Baku ist, man glaubt es kaum, in Sichtnähe.

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