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Kevin Trapp ist wieder zurück in seinem Revier.

Kevin Trapp

Trapp wirbt für Fischer

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Eintracht-Torwart Kevin Trapp möchte wissen, wohin die Reise des Klubs geht und befasst sich sogar mit der Präsidentenwahl in acht Tagen.

Über Kevin Trapps linkem Auge kündigt sich ganz dezent ein Veilchen an. Eine kleine Erinnerung aus dem Spiel gegen den HSV, als der Torhüter der Frankfurter Eintracht mit dem Hamburger Spieler Philipp Müller zusammenstieß. „Ist diesmal aber nicht so schlimm“, sagt der 24-Jährige. „Da bleibt zum Glück keine Narbe. Wobei: Narben sollen ja interessant machen.“ Dann lacht er. Zeigt auf seine Hand, sein Bein, seinen Fuß, seine Schulter. „Narben habe ich schon genügend. Langsam reicht es.“

Kevin Trapp ist zurück, zurück in seinem Revier. Er hat die nächste schwere Verletzung weggesteckt und auskuriert, er ist im Vollbesitz seiner Kräfte, wieder kampfeslustig. Der Kapitän meldet sich zurück. Trapp ist zufrieden mit seiner körperlichen Verfassung und Form, sehr zufrieden sogar. „Nach so einer Verletzung weiß man ja nie so genau, wo man steht, man fragt sich: ,Ist man derselbe wie vor der Verletzung, ist man wieder der Alte?‘“

Ganz der Alte ist Kevin Trapp natürlich nicht, das kann er nicht sein, denn eine Pause von dreieinhalb Monaten wegen des operierten und geflickten Syndesmosebands im Sprunggelenk schüttelt man nicht einfach so aus den Kleidern. Da fehlen Abläufe, Timing, Praxis. „Es braucht seine Zeit“, betont er. Aber er ist auf einem guten Weg. „Ich bin besser reingekommen als ich dachte.“

Kevin Trapp wirkt drahtiger in diesen Tagen, nicht mehr so stämmig und muskulös. Der Eindruck täuscht nicht. Der Schlussmann hat Gewicht verloren, sechs Kilogramm. Bewusst. „Das war in der Reha mein Ziel“, bekundet er. „Ich war ja nicht dick oder unfit oder so. Aber ich wollte Gewicht verlieren und beweglicher werden. Das war mein Ziel, das habe ich geschafft – und so soll es bleiben.“ Seine Laktatwerte waren so gut wie nie. Er fühlt sich bestätigt.

Trapp führt die Torwarthierarchie der Eintracht wieder an, hat sich an die Spitze gesetzt. Klar, er ist Kapitän, Sprachrohr, Aushängeschild. Doch er hat die Diskussion um die sensible Position im Kasten sehr wohl vernommen, als sein Vertreter Felix Wiedwald aus seinem Schatten trat und einige außerordentlich gute Leistungen ablieferte. Da war Trapps Status zumindest angekratzt, manch einer fand die Vorstellung, dass er die Eintracht womöglich verlassen werde, plötzlich auch gar nicht mehr so dramatisch.

Trapp hat das nicht geschmeckt, doch er ist professionell damit umgegangen. Er hat auch schnell wieder die Rückendeckung gespürt, als er näher an die Mannschaft heranrückte. Bei der Sportlichen Leitung gab es nie einen Zweifel, wer die absolute und unangefochtene Nummer eins ist. Dazu sind Trapps Fähigkeiten und sein Talent zu herausragend.

Der Torwart sagt zum Konkurrenzkampf zwischen den Pfosten kurz und knapp: „Das ist doch normal, ich musste mich auch erst mal gegen Oka Nikolov durchsetzen, da hatten sich auch schon viele die Zähne ausgebissen.“ Er weiß, worauf es im Endeffekt ankommt: „Es liegt an mir, dass keine Diskussion aufkommt.“

Trapp wartet ab

Wer sich mit Kevin Trapp unterhält, kommt auch irgendwann auf das unvermeidliche Thema: Bleibt er oder geht er? Das eint ihn mit Abwehrchef Carlos Zambrano, beide möchte die Eintracht unter allen Umständen halten, bei beiden ist sie bis an ihre Schmerzgrenze und ein bisschen darüber hinausgegangen, beiden hat sie Fünfjahresverträge zu besten Konditionen angeboten. Zambrano zögert, Trapp ebenfalls.

Der Torhüter, mit Alexander Meier das Gesicht der Eintracht, versteht ohnehin nicht, dass dieses Thema derartig Fahrt aufgenommen hat. „Das ist doch etwas, was man ohne Druck, Stress und Hektik angehen sollte.“ Und deshalb lässt er sich Zeit, deshalb wartet er ab. Er will sich sicher sein, den richtigen Weg zu gehen. „Das macht man nicht über Nacht, sondern in Ruhe. Es ist eine wichtige Entscheidung für mich und für den Verein. Und deshalb muss ich auch zu 100 Prozent dazu stehen können.“ Er müsse „frei im Kopf“ sein, um ein Signal in eine bestimmte Richtung zu geben. „Ich werde mich entscheiden, wenn ich bereit dazu bin.“ Zunächst wolle er erst einmal „fit werden und Leistungen bringen“, einfach versuchen, an sein altes Niveau anzuknüpfen: „Ich will so schnell wie möglich wieder dahin kommen, wo ich war.“

Bei Trapp ist es, anders als bei Zambrano, in zweiter Linie eine Frage des Geldes. Dem ehrgeizigen Keeper geht es um Perspektiven, um Ambitionen, um die Entwicklung der Mannschaft, um die Chance, an internationalen Wettkämpfen teilnehmen zu können. Er tauscht sich häufiger aus, natürlich mit Sportdirektor Bruno Hübner, aber auch mit anderen wichtigen und einflussreichen Entscheidern. Er möchte wissen, wohin die Reise geht, wie viel Geld zur Verfügung steht, um die Mannschaft zu verstärken und auf das nächste Level zu heben. Er befasst sich intensiv mit der Gesamtsituation des Klubs. Das ist ungewöhnlich für einen Fußballprofi.

Präsidentenwahl im Kopf

Auch die  Präsidentenwahl des Hauptvereins am 25. Januar hat er im Kopf. Da geht es um die Wiederwahl von Klubchef Peter Fischer und indirekt auch um die Weichenstellung für die ausgegliederte Fußball-AG. Es ist kein Geheimnis, dass einige Geldgeber ihr Engagement an eine erneute Amtszeit Fischers knüpfen. Trapp hat eine klare Meinung zum Wahlsonntag in acht Tagen, er wirbt für den amtierenden Präses. „Peter Fischer ist enorm wichtig für den Verein und für das Umfeld“, sagt er. „Die Wahl ist entscheidend für Peter Fischer.“

Trapp ist von der Marke Eintracht überzeugt: „Es ist ein Klub mit viele Potenzial. In der Eintracht stecken viele Möglichkeiten – man muss sie nur wecken.“ Er kennt die einflussreichen Geschäftsleute, die bereit wären, die Eintracht auch finanziell zu unterstützen. 

Dessen ungeachtet würde ein guter Start in die Rückrunde, seine Entscheidung womöglich beschleunigen können. „Es wäre nicht schlecht, wenn wir da Punkte holen.“ Gerade der Englischen Woche zu Beginn mit den Partien in Freiburg, gegen Wolfsburg und in Augsburg komme eine wichtige Bedeutung zu. „Diese Spiele sind schon richtungsweisend, danach weiß man vielleicht, wohin der Weg gehen wird.“ Und vielleicht auch, welchen Pfad der Torwächter beschreiten wird.

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