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Entscheidende Szene: Die Grätsche von Kevin Trapp. reuters

Eintracht-Torwart überzeugt

Trapp packt das Tackling aus

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Der Torhüter von Eintracht Frankfurt kann im Länderspiel gegen Spanien für sich werben. Gegen die Schweiz wird aber wohl Bernd Leno den Vorzug vor Kevin Trapp erhalten.

Kevin Trapp war als letztes dran. Vor ihm hatten schon Emre Can und Julian Draxler den bis kurz vor Mitternacht auf der Pressetribüne der Stuttgarter Arena ausharrenden Journalisten Rede und Antwort gestanden, ehe die deutsche Nummer eins auf den Bildschirmen der Laptops erschien. Sämtliche Medientermine verlaufen mit dem größtmöglichen Sicherheitsabstand, diesmal lagen drei Stockwerke dazwischen, als sich Trapp zunächst am Kinn kratzte, ehe er von einem „ordentlichen“ und dennoch „enttäuschenden Länderspiel“ berichtete. Denn: „Wir haben viel gelitten, viel gekämpft, viel reingeworfen.“ Dass es nicht zum Sieg langte, wurmte den Ballfänger von Eintracht Frankfurt.

Auch im vierten Anlauf bei der DFB-Auswahl konnte der 30-Jährige keinen Sieg verbuchen. Zuvor hatte Trapp bei den Freundschaftsspielen gegen Dänemark (1:1), Frankreich (2:2) und Brasilien (0:1) gespielt, und erneut gab es viel Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Er parierte fünf Schüsse, packte beherzt zu – und hatte spätestens im Nachfassen das Objekt der Begierde in seinen Händen. Verbesserungswürdig wirkte sein Spiel mit dem Fuß, obwohl der Tormann keine krassen Fehlpässe einstreute.

Wie sah er selbst seine Darbietung? „Es ist mein Anspruch, tolle Leistungen zu bringen. Wenn ich Chancen bekommen, möchte ich diese nutzen.“ Als die Galionsfigur der Hessen danach gefragt wurde, ob er vielleicht mehr als nur die Nummer drei bei der Nationalelf sein wolle, griffen die altbekannten Reflexe: am Thron von Manuel Neuer („hat gerade erst gezeigt wie herausragend er ist“) und Marc-Andre ter Stegen („spielt seit Jahren auf hohem Niveau“) rüttelte Trapp nicht. Wäre unnötige Majestätsbeleidigung.

Keinerlei Höflichkeitsfloskeln benutzte Trapp, als es um die kuriose Szene nach einer Viertelstunde ging, als Can einen Fehlpass spielte, Trapp herauseilte – und der einschussbereite Rodrigo Moreno einen Moment zu lange zögerte, so dass der gebürtige Saarländer retten konnte. „Es ist mein Spiel, hoch zu stehen. Als er weitergelaufen ist und das Tor komplett offen war, dachte ich: ‚Den schnappe ich mir!‘ Da habe ich meine Verteidigerqualitäten gezeigt und mein Tackling ausgepackt“, erzählte er mit einem Schmunzeln.

Der Schlussmann wusste: Ansonsten hätte er nicht gut ausgesehen. Ist aber alles gut gegangen. Seinen Instagram-Beitrag versah Lebensgefährtin Izabel Goulart mit dem Hinweis „warrior“. Nur wird ihr geliebter „Krieger“ wohl nicht am Sonntag noch einmal das deutsche Tor bewachen. Es verdichten sich die Hinweise, dass Bernd Leno in Basel gegen die Schweiz seine Chance bekommt. Am Vormittag des Spanien-Spiels führte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke zusammen mit dem dritten Torwart Oliver Baumann extra eine weitere Einheit mit dem Arsenal-Keeper durch, der seine leichte Bänderdehnung im rechten Knie auskuriert haben soll. (hel)

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